Lehre vom Gralsweg

Der GRALSWEG ist jener EINZIGE (!) WEG, auf dem bei der Ausbildung von Pferden und Reitern effizient zum perfekten Ergebnis gelangt werden kann.

An diesem Weg, jenem absoluten Ideal, auch wenn er nie vorher als GRALSWEG betitelt wurde, arbeiteten, dachten und experimentierten wahrhaft große Stallmeister [1] längst vergangenen Tagen [2].  

Es waren Meister wie: „Claudius Corte di Pavia, 1573. Fredericus Grisone, 1620. Antoine de Pluvinel, 1623. Georg Löhneisen, 1625. Salomon de la Broue, 1646. Batista Galiberti, 1650. Conrad Weybold, 1701. Herzog von Newcastle, 1729 [1667 – Anm.d.Red.]. Baron von Eisenberg, 1746. De la Guérinière, 1751. von Sind [Johann Baptist von Sind – Anm.d.Red], 1770. Prizelius, 1777. Du Paty de Clam, 1777.“ Max Ritter von Weyrother. „Ludwig Hünersdorf, 1800. F. Seidler [Ernst Friedrich Seidler – Anm.d.Red], 1837. Heinrich André, 1838. Conrad von Hochstetter, 1839. Louis Seeger, 1844 u. A.
(Theodor Heinze – 1873)

Keinen von ihnen war es jedoch wirklich vergönnt, diesen Weg in seiner ganzen Länge und Schönheit vollständig erleben zu dürfe. Doch jeder dieser außergewöhnlichen Meister hat mit seiner Arbeit dazu beigetragen, den GRALSWEG im Laufe der Jahrhunderte Stück für Stück freizulegen, von allem hinderlichen, nutzlosen und für das Pferd ungesunden Gewächsen.

In der Tradition dieser Stallmeister habe auch ich mich aufgemacht, um nach dem GRALSWEG zu suchen und fand einen großen Teil dieses Weges, ohne fremde Hilfe durch eigenes Nachdenken, Experimentieren und Tun. Da ich bis dato noch nichts Vergleichbares zu dem was ich praktizierte gefunden hatte, verstieg ich mich in den Glauben, dass ich wohl der Erste sei, der diesen „ungewöhnlichen“ Weg entdeckt hätte, bevor ich feststellen musste, dass sich auf diesem, vermeintlich von mir erarbeiteten Weg, bereits die Abdrücke manch großer Meister (im Wesentlichen preußische Stallmeister wie E.F. Seidler und Louis Seeger) befanden. Der anfängliche Frust darüber, dass nicht ich es war, der diesen Weg als Erster beschritt, wich demutsvollem Stolz, in den Spuren dieser Große gewandelt zu sein, ohne es zu ahnen.

Wahre REITKUNST ist reine Wissenschaft. Folgt man konsequent der Physik und der Logik, wie jene STALLMEISTER, die dies akribisch wissenschaftlich denkend getan haben und wie ich es tue, dann wird JEDER, der dies tut, zwangsläufig – auch unabhängig und ohne Wissen voneinander – den absolut gleichen Weg, den GRALSWEG finden (müssen)!

Die Reitkunst ist eine Wissenschaft, welche wie alle anderen Wissenschaften auf Grundsätzen beruhet.

Heinrich August Köllner | 1789

Lange Zeit stand auch ich, wie all die Meister vor mir, vor jenem Stückchen unentdecktem GRALSWEG der auf seine Entschleierung wartete und ich hatte schon die Hoffnung aufgegeben, dass es mir gelingen könnte, diesen Rest des Weges überhaupt noch freizulegen. Um nicht zu sagen, im Grunde hatte mich damit abgefunden, dass auch mir, wie all den denkenden Reitern vor mir, versagt bleiben würde, diesen kleinen Rest gehen zu dürfen.

Bis zu jener Autofahrt …

Wie immer nutze ich die Autofahrten zwischen den Terminen dazu, über Problemstellungen bei Pferden, mit denen ich gerade gearbeitet hatte oder beim nächsten Termin arbeiten würde, nachzudenken, um Lösungen zu finden. Und auf einmal waren sie da, diese Gedanken, wie eingeflüstert, das letzte Stückchen GRALSWEG lag plötzlich offen vor mir.

Heureka [4], ich hab es!

Das Unglaubliche daran: Nichts war Kompliziert, nichts war Außergewöhnlich an diesen Gedanken. Nein, wie immer kam das Geniale schlicht daher, aber mit so kraftvollen Erkenntnissen und Konsequenzen, dass man Hunderte von Seiten schreiben müsste, um ihre Wirkungen in Gänze erklären zu wollen.

In meiner LEHRE VOM GRALSWEG werde ich natürlich darüber schreiben, wie ich dies auch schon vor diesen neuen Erkenntnissen getan habe. Jedoch werden wohl von den geplanten 1.500 Seiten REITLEHRE nur noch etwa 600 – 700 Seiten übrig bleiben, denn diese, während der Autofahrt erlebte Offenbarung trägt dazu bei, manches, als nicht mehr benötig, weglassen zu können und diese LEHRE VOM GRALSWEG zu einem Werk werden zu lassen, wo weniger tatsächlich mal mehr ist.

Meine LEHRE VOM GRALSWEG wird die erste wirkliche REITLEHRE sein, denn eine solche existiert tatsächlich bisher nicht! Es gab viele militärische Vorschriften und Instruktionen. Diese aber richteten sich nach militärischen Erfordernissen und orientierten sich, etwa ab der Mitte des 19. Jahrhunderts, mehr und mehr am Zeitgeist (z.B. HDv. 12 von 1937). Auch haben viele Meister, wie die oben erwähnten, ihr Wissen zusammengetragen und niedergeschrieben. Bei keinem dieser Werke allerdings kann man von einer REITLEHRE sprechen. So manches neuzeitlichere Buch oder manche neuzeitliche Richtlinie, welche hochtrabend mit dem Titel „Reitlehre“ geschmückt wurden, sind weit davon entfernt, eine solche zu sein.

Was aber macht nun eine echte REITLEHRE aus?

Die LEHRE VOM GRALSWEG

Eine REITLEHRE darf nie ein SYSTEM sein, bei dem man beliebig zwischen den Aufgaben hin und herspringen kann, wie dies einzelne Kritiker, aber gleichzeitig Verfechter der „Skala der Ausbildung“ fordern, um deren zum Teil gravierende Unstimmigkeiten aufzulösen.

Eine REITLEHRE muss immer einen stufigen Aufbau haben. Die Ausbildung beginnt bei A und „endet“ bei Z. Es gibt immer nur eine Stufe vor oder Stufen zurück, nie ein beliebiges Herumhüpfen, wie dies bei einem SYSTEM möglich wäre.

Eine REITLEHRE muss BEGRÜNDUNGEN liefern. Diese Begründungen müssen dabei in ihren Wirkungszusammenhängen und Aussagen absolut logisch und unanfechtbar sein.

Die einzelnen Punkte einer REITLEHRE dürfen keinen Spielraum für  beliebige Interpretationen lassen. Alle Nutzer/Leser müssen genau das Gleiche unter einer bestimmten Formulierung verstehen.

Die Ziele einer REITLEHRE müssen ein Pferd sein, welches ein langes Pferdeleben lang gesund, motiviert und leistungsbereit sein kann und ein Reiter, der ruhig und souverän, seinen Körper und seine Emotionen beherrschend, mit dem Pferd in feinster Form zu kommuniziert in der Lage ist.

Diese Anforderungen an eine REITLEHRE machen es erforderlich, ein solches Werk wie eine sprachphilosophische Arbeit zu formulieren, welche dennoch für jeden verständlich bleiben muss.

An dieser Herkulesaufgabe, eine solche REITLEHRE zu schreiben, arbeite ich nun schon ein paar Jahre und hoffe, das ich noch im Jahr 2023 meine LEHRE VOM GRALSWEG fertig stellen kann.


Seien Sie gespannt auf die Fortsetzung und erfahren Sie nach und nach mehr über meine LEHRE VOM GRALSWEG.

Ihr
Richard Vizethum
Letzte Stallmeister und Pferde-Nerd

Fortsetzung folgt …


Richard Vizethum | Stallmeister | Schule der Hippologie

[1] Mancher von diesen STALLMEISTERN hatte einen Professoren-Titel und lehrte an Universitäten Hippologie. Ihre Herangehensweise war wissenschaftlicher Natur und überließ nichts dem Zufall.

[2] Vor der Mitte des 19. Jahrhunderts!

[3] Zumindest von denen wir wissen. Nicht alle großen Stallmeister haben etwas veröffentlicht.

[4] Heureka ist altgriechisch du heißt „Ich habe (es) gefunden“. Der Spruch ist vor allem im Zusammenhang mit Archimedes von Syrakus überliefert und bekannt. Der Ausruf ist nach einer von Plutarch und Vitruv überlieferten Anekdote berühmt geworden, der zufolge Archimedes von Syrakus unbekleidet und laut Heureka! Rufend durch die Stadt gelaufen sein soll, nachdem er in der Badewanne das nach ihm benannte Archimedische Prinzip entdeckt hatte.


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