Je mehr ich über das Reiten nachdenke, je größer mein Wissen und meine praktischen Erfahrungen werden, desto demütiger werde ich und desto banaler erscheint mir manche neuzeitliche Diskussion.
Die Menschen, die sich in der heutigen Zeit mit Pferden und dem Reiten beschäftigen sind so vermessen zu glauben, besseres Wissen und Verständnis davon zu haben, als dies in der Vergangenheit der Fall war.
Oh nein, das haben wir nicht, wir sind weit davon entfernt uns mit Stallmeistern des 18. und frühen 19. Jahrhunderts messen oder uns gar über sie stellen zu können. Stallmeister, die oft Professoren-Rang besaßen und Hippologie (Wissenschaft vom Pferde) lehrten,
Wir leben die Bequemlichkeit und verfallen neuzeitlichen Modeerscheinungen und Spielereien, die uns vermeintlich die Arbeit mit dem Pferd erleichtern.
Ja, wie Recht hatte doch der Rittmeister von W, den Otto Digeon von Monteton zitierte, als er sagte:
„Alles was lebt ist faul!“
Rittmeister von W.
Doch die Frage sei auch gestellt: Wie geht es dem Pferd dabei?
Autor: Richard Vizethum | der letzte Stallmeister | Schule der Hippologie
Es war einmal ein großer Lehrer, der hatte einen Schüler, dem er sein Wissen vermittelte.
Dieser Schüler nahm das Wissen des Meisters, reduzierte es um das, was er nicht verstand und/oder nicht mochte und ergänzte es um eigene Ideen. Dann wurde der Schüler selbst zum Lehrer, der einem Schüler sein Wissen vermittelte.
Dieser Schüler nahm das Wissen des Meisters, reduzierte es um das, was er nicht verstand und/oder nicht mochte und ergänzte es um eigene Ideen. Dann wurde der Schüler selbst zum Lehrer, der einem Schüler sein Wissen vermittelte.
Dieser Schüler nahm das Wissen des Meisters, reduzierte es um das, was er nicht verstand und/oder nicht mochte und ergänzte es um eigene Ideen. Dann wurde der Schüler selbst zum Lehrer, der einem Schüler sein Wissen vermittelte.
Dieser Schüler nahm das Wissen des Meisters, reduzierte es um das, was er nicht verstand und/oder nicht mochte und ergänzte es um eigene Ideen. Dann wurde der Schüler selbst zum Lehrer, der einem Schüler sein Wissen vermittelte.
Dieser Schüler nahm das Wissen des Meisters, reduzierte es um das, was er nicht verstand und/oder nicht mochte und ergänzte es um eigene Ideen. Dann wurde der Schüler selbst zum Lehrer, der einem Schüler sein Wissen vermittelte.
Und alle glaubten, sie lehrten nach den Prinzipien des großen Lehrers der Vergangenheit, der am Anfang dieser Kette stand.
Denkt mal darüber nach!
P.S. Mit dem geschriebenen Wort ist es noch schlimmer!
Autor: Richard Vizethum | der letzte Stallmeister | Schule der Hippologie
Immer wieder findet man auf Sozialen Medien, beispielsweise Facebook, Posts in denen jemand Reitliteratur anbietet, manchmal mit Bemerkungen wie:
„Ich habe sie bereits gelesen!“
Handelt es sich dabei auch noch um das Wissen „alter Meister“ welches man hier leichtfertig zu verschleudern gedenkt, dann kann man nur attestieren, dass die Person, die dieses tut, nicht wirklich Interesse am Verstehen der REITKUNST hat und das sie mit der ihr vorliegenden Literatur allenfalls ihren Zitaten-„Schatz“ vergrößern wollte.
Dies kann man gerne mit dem größten Teil neuzeitlicher Reitliteratur so tun, für die mitunter der Weg in den Papiercontainer, die Reiterei und vor allem die Pferde, vor manchem Schaden bewahren würde.
Nicht so aber kann und darf man mit manchem Wissensschatz voriger Jahrhunderte verfahren. Diese Reit- und Stallmeister der damaligen Zeit konnten wahrlich etwas, doch sie wirklich zu verstehen ist äußerst schwierig. Einmal lesen reicht dabei nun wirklich nicht aus. So respektlos und vermessen sollte man keinesfalls sein.
Dieser Wissensfundus erschließt sich nicht durch das einmalige Lesen eines Buches, mag man sich auch für noch so intelligent halten.
Ein wesentlicher und nicht zu umgehender Punkt für das WIRKLICHE Verstehen alter Reitliteratur ist die tägliche und umfangreiche PRAKTISCHE ARBEIT mit den Pferden – mit VIELEN Pferden unterschiedlicher Rassen und unterschiedlicher Konstitution und Disposition.
Diese Arbeit lässt manches Buch großer Reit- und Stallmeister mehrfach wieder zur Hand nehmen und studieren. Mehr und mehr erhält man dadurch die Chance, das geschriebene Wort, in der Praxis gelebt, besser zu verstehen und besser zu werden in der Arbeit mit den Pferden.
Doch auch dies ist noch nicht ausreichend für das tiefe Verständnis. Man muss den jeweiligen Autor und sein Werk strikt im Kontext seiner Zeit beurteilen. Neuzeitliche Denkmuster und Begriffsinterpretationen sind hier eher hinderlich und führen – was man an den aktuellen „Reitlehren“ und –methoden durchaus erkennen kann – zu problematischen Fehlinterpretationen und Logikbrüchen.
Auch ist es zum wahren Verständnis unabdingbar, sich mit dem zeitlichen DAVOR und DANACH des jeweiligen Autors zu beschäftigen. Woraus schöpfte er sein Wissen, wie wurde er von der mittel- und unmittelbaren Nachwelt beurteilt und welche Zweckänderungen erlebte die Reiterei im Zeitablauf als Ganzes?
Genau dieser Zweck macht es auch erforderlich, sich mit Wissen und Wissenschaften zu beschäftigen, welche über das eigentliche Reiten weit hinausgehen, aber in Wirklichkeit großen Einfluss darauf haben. Einfluss natürlich auch auf die jeweils eigene Erfahrungen und das dargestellte Wissen des betrachteten Autors.
Mit jedem Mosaiksteinchen wird man ihn, den gelesenen alten Meister, mehr und mehr verstehen lernen, doch dazu muss man sein Werk mitunter wieder und wieder – in Teilen oder als Ganzes – intensiv studieren, von Mal zu Mal aber geschieht dies mit wachsender Erfahrung und Wissen im eigenen Rucksack.
EINMAL, ZWEIMAL … LESEN REICHT NICHT!
Um nur mit Zitaten protzen zu wollen ist manches Buch zu teuer. Google würde da auch schon reichen.
Doch wer wirklich das Reiten und die Reitkunst tiefer verstehen möchte, wird keines der Bücher wahrer alter Meister hergeben wollen. Für einen solchen „DENKENDEN REITER“ werden diese Bücher, vielleicht noch mit eigenen Randnotizen ergänzt, ein ewiges Nachschlagewerk und Schmuck für eine kleine private Bibliothek sein.
Autor: Richard Vizethum | der letzte Stallmeister | Schule der Hippologie
Autor: Richard Vizethum – letzter Stallmeister – Schule der Hippologie
Reitkunst ist die aus Wissen und Erfahrung erwachsene Kunst jedes Pferd schöner, stolzer und stärker zu machen, als die Natur es schuf.
Richard Vizethum
Von allen Künsten ist die Reitkunst wohl die Anspruchsvollste.
Die Reitkunst gehört, möchte man sie einordnen, sowohl zu den bildenden Künsten, durch die Formung zweier Lebewesen – dem räumlichen Aspekt der Kunst – sowie zu den mimischen Künsten durch den Ausdruck des Tanzes in harmonischer Einheit dieser beiden lebenden Wesen, als räumlich, zeitliche Verhältnisse.
In der REITKUNST ist das Kunstwerk ein vergängliches Werk, und der Weg dahin die wahre Kunst! Jenes Kunstwerk zeigt in seinem idealen Ausdruck eine harmonisch-zentaurische Verbindung zwischen einem zum Reitpferd umgeformten, rittigen – und ich möchte noch hinzufügen: an Körper und Geist dauerhaft gesundem – Pferd mit einem körperlich geformten und geistig zum Reiter gereiften Menschen.
Wahre Kunst offenbart sich nicht im Ausdruck grenzenloser Kreativität, sondern einer Kreativität die innerhalb der Grenzen der Natur zur maximal möglichen Entfaltung gelangt. Grenzen stellen für die Schöpferkraft des Künstlers eine weit größere Herausforderung dar, als sich kreativ im Grenzenlosen zu artikulieren.
Die REITKUNST ist die einzige unter allen Künsten, die ihre Kreativität immer nur in einem begrenzten, durch die körperlichen und geistigen Möglichkeiten des Pferdes und Reiters limitierten Raum ausdrücken kann. Dies macht sie zur herausforderndsten aller Künste und stellt hohe Anforderungen an Wissen und Können des jene beiden Lebewesen formenden Künstlers.
Während eine Partitur, ein Gemälde oder eine Skulptur letztendlich durch die Kreativität eines Künstlers aus toter Materie entstehen, lebt das Ausgangsmaterial der REITKUNST und ist bei weitem nicht so fügsam wie die Grundelemente eines Komponisten, Malers oder Bildhauers. Auch kann jeder der genannten Künstler sein Werk ohne moralische Bedenken, bei Nichtgefallen nach Belieben zerstören.
Nun gut, in der Reiterei wird dieses Werk der Pferdezerstörung tagtäglich, auf allen Ebenen reiterlicher Aktivität von Dilettanten durchgeführt, ohne dass diese es überhaupt geschafft hätten, über die Stufe groben Bearbeitens des Ausgangsmaterials – oft bemerkenswerter, nahezu perfekter Produkte aus der Zucht – hinausgekommen zu sein.
Gleichwohl betrachten diese, an Wissen und Fähigkeiten eingeschränkten Personen ihr Tun als Kunst und versteigen sich sogar soweit, dieses, ihr Tun, mit KLASSISCH zu etikettieren, obwohl die Epoche aus der sie ihr „klassisches“ Wissen ziehen weit von dem entfernt ist was die wahren KLASSIKER des Reitens ausmacht und dazu noch in vielen Teilen auf einer Entwicklung beruht, welche der Reitkunst diametral entgegensteht: der anglomanen Reiterei. Einer Reiterei, die dem Gelände und dem Sport mehr Wert beigemessen hat, als der seriösen Ausbildung eines Pferdes.
„Die Meinung derjenigen, welche die Theorie in der Reitkunst für unnütz achten, wird mich nicht abhalten, zu behaupten, daß dies eins der nothwendigsten Stücke ist, zur Vollkommenheit zu gelangen. Ohne diese Theorie ist die Ausübung immer ungewiß.“
Ein Elektrikermeister wird in ein Haus gerufen. Die Besitzer dieses Hauses haben sich eine wunderbare neue aufwendige Multimedia-Anlage gekauft. Das Problem nun aber ist, dass immer dann, wenn sie die Anlage ans Stromnetz anschließen wollen, die Sicherungen fliegen.
Ein Elektrikermeister wird in ein Haus gerufen. Die Besitzer dieses Hauses haben sich eine wunderbare neue aufwendige Multimedia-Anlage gekauft. Das Problem nun aber ist, dass immer dann, wenn sie die Anlage ans Stromnetz anschließen wollen, die Sicherungen fliegen.
Man klärt den Elektrikermeister darüber auf, dass laut Expertenmeinung das Stromnetz des Hauses in einem sehr FEINEN Zustand sei und ein Nachbar, der sich hobbymäßig etwas mit Elektrik auskennen würde, gar der Meinung ist, dass man lediglich eine Sicherung austauschen müsse und dann würde alles perfekt funktionieren.
Der Elektrikermeister, ein sehr seriöser Vertreter seines Fachs, begutachtet daraufhin sehr gewissenhaft die gesamte Elektrik im Haus.
Sein Ergebnis ist „niederschmetternd“. Der Sicherungskasten ist historisch zu nennen, das Leitungsnetz völlig marode, ja, es liegen sogar Drähte offen. Es gibt keinen Sicherungsschalter und einige Lampenfassungen sind defekt.
Dies teilt er den Hausbesitzern schonend mit und rät ihnen zu einer Generalsanierung der gesamten Elektrik im Haus, was eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen würde.
Diese aber sind weiterhin der felsenfesten Meinung, dass alles in Ordnung sei und dass der Austausch einer Sicherung völlig ausreichen würde – schließlich wäre dies auch der Rat diverser Experten gewesen!
Der Meister gibt noch den Hinweis, dass die Gefahr groß sei, dass das Haus in Brand geraten könnte, doch er konnte die Besitzer nicht von einer Sanierung des Stromnetzes überzeugen und verließ etwas traurig das Haus, denn er fand, es sei ein sehr schönes Haus und man hätte was draus machen können – so, ja so es nicht vorher abbrennt!
WAS NUN ABER HAT DIESE GESCHICHTE MIT DEM REITEN ZU TUN?
„In drei Tagen kann ein Ignorant ein Pferd so verderben, dass ein großes Talent drei Monate lang dazu gebraucht, den Schaden wieder abzustellen.“
(Otto Digeon von Monteton – 1877)
Verrittene Pferde wieder rittig zu machen ist eine Herkulesaufgabe, die viel Wissen und Geduld erfordert. Dennoch scheint man weitläufig der Meinung zu sein „das Einschrauben einer neuen Sicherung“ würde ausreichen. Gerne ist man dann auch bereit auf „Experten“ zu hören, die einem genau dies suggerieren oder versprechen.
Dann darf schon mal „Lieschen Müller“ am Pferd herumbasteln.
Das kann gut gehen – meist aber „brennt die Bude ab“. Will heißen: es verschlimmert sich das Problem!
LIEBE ZUM PFERD, ERFAHRUNG, WISSEN, KÖNNEN UND VOR ALLEM GEDULD, GEDULD und nochmal GEDULD sind die besseren Ratgeber!
Autor: Richard Vizethum | der letzte Stallmeister | Schule der Hippologie