Künstliche Intelligenz versus wahre Hippologie: Die Grenzen der digitalen Reitlehre

Künstliche Intelligenz versus wahre Hippologie: Die Grenzen der digitalen Reitlehre

KI-Illustration zum Konflikt zwischen digitaler Statistik und reiterlicher Wahrheit, Schule der Hippologie

Autor: Richard Vizethum – letzter Stallmeister – Schule der Hippologie

Wer hofft, Künstliche Intelligenz könne das reiterliche Denken ersetzen, verkennt ihr Wesen: Die KI berechnet statistische Mehrheiten, keine physikalischen Wahrheiten. Sie verspricht Wissen, liefert aber nur den Hochleistungs-Spiegel unserer eigenen digitalen Dekadenz. Zur reiterlichen Wahrhaftigkeit bei der Ausbildung von Pferd und Reiter führt kein Algorithmus, sondern nur die Rückbesinnung auf die unbequeme Physik und die Strenge der Logik – Instanzen, die im digitalen Rauschen der Masse längst untergegangen sind.

KI-Modelle (wie LLMs[1]) sind im Kern statistische Vorhersagemaschinen. Sie berechnen das wahrscheinlichste nächste Wort basierend auf ihren Trainingsdaten. Wenn bestimmte Informationen – egal ob wahr oder falsch – massenhaft vorkommen, bilden sie Gravitationszentren auf die die KI zunächst zugreift, da diese Informationen für sie die höchste Wahrscheinlichkeit besitzen, richtig zu sein.

Die KI weiß nicht, was wahr ist;
sie weiß nur, was üblich ist
.

Die Gefahr der Verstärkung (Feedback-Loop)

Wenn eine KI eine falsche Information mit hoher sprachlicher Überzeugungskraft ausgibt, neigen wir Menschen dazu, diese zu glauben und was noch viel schlimmer ist, weiterzuverbreiten. Heute werden immer mehr Inhalte von KIs generiert und von denkfaulen Menschen geschäftstüchtig in Büchern oder digital über das Netz kommuniziert.

Die Folge: Zukünftige KI-Generationen werden damit auf den (potenziell fehlerhaften) Outputs ihrer Vorgänger trainiert.

Das führt dazu, dass sich Fehler verfestigen und die Vielfalt der Informationen abnimmt, während die „falschen Gravitationszentren“ immer massiver und dominanter werden. Es entsteht ein hochgradiges Risiko der Wissensverzerrung oder drastischer ausgedrückt: die KI verblödet!

Erfahrung und tiefes, fundiertes Wissen sind individuell und meist nicht „maschinengängig“. Die KI glättet diese individuellen Spitzen weg, um den Durchschnitt abzubilden. Wenn die KI auf einem fehlerhaften, aber hoch-zitierten Konsens trainiert wird, „halluziniert“ sie faktisch im Einklang mit dem Informations-Mainstream. Das ist schwerer zu erkennen als offensichtlicher Unsinn.

Wir bewegen uns also auf eine Welt zu, in der „Konsens“ technisch mit „Wahrheit“ gleichgesetzt und verstanden wird.

Dies ist fatal für den wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Fortschritt, der historisch fast immer durch das Hinterfragen der herrschenden Meinung entstanden ist.

Besonders deutlich sichtbar wir dies bei reiterlichen Themen

Mitte des 18. bis Mitte des 19. Jahrhunderts bildeten die preußischen Stallmeister Pferde nach wissenschaftlichen Grundsätzen zu Höchstleistungspferden aus. In einer Zeit, in der das Pferd in Grenzsituationen ein Überlebensgarant sein musste, erreichten sie eine Qualität der Ausbildung, die weder vorher noch danach jemals wieder erzielt wurde. Sie formten Pferde, die Leistungen erbringen und Belastungen standhalten konnten – ohne dabei Schaden an Leib und Seele zu nehmen – die in der heutigen Zeit undenkbar wären.

Nach 1806 wandelte sich die Kavallerie-Doktrin unter dem Druck modernerer Waffen mit größerer Reichweite und optimierter Infanterietaktik grundlegend. Der Galopp bekam zu Lasten einer hohen Beweglichkeit der Pferde mehr Gewicht.

Da die Arbeit der alten Stallmeister für die jungen, „schneidigen“ Reiter eher als langweilig und unnötig empfunden wurde, konnte sich die pferdeverschleißende anglomane Reiterei die sich über Höher-Schneller-Weiter definiert, verstärkt durchsetzen. Eine Reiterei, welche kaum Wert auf die Durchbildung der Pferde legte und mehr nach dem Credo verfuhr: „Das Gelände wird es schon richten!“. Federico Caprilli (1868-1907) pervertierte zu Beginn des 20. Jahrhunderts dieses Reiten durch die sogenannte „natürliche Methode“ publikumswirksam weiter.

Die neuzeitliche, „moderne“ Reiterei – auch wenn dem oft widersprochen wird, schließlich wäre man ja unumstößlich klassisch – wuchs in dieser Tradition mangelhafter Pferdeausbildung auf und schaffte es sogar noch, dass bereits niedrige Qualitätsniveau weiter abzusenken – mitunter unter dem Etikett der Pferdefreundlichkeit – aber immer zu Lasten der Pferde.

Was hat dies nun aber mit der KI zu tun?

Doch genau dieses Wissen der preußischen Stallmeister beispielsweise – eine Synthese aus unerbittlicher Logik und physikalischer Notwendigkeit – ist es, das heute in den digitalen Datenströmen der KI als ‚Rauschen‘ verschwindet.

Wenn wir eine Künstliche Intelligenz nach der Ausbildung eines Pferdes befragen, füttert sie uns nicht mit der Weisheit eines Seydlitz, Seidlers oder Seegers, sondern mit dem statistischen Mittelwert der letzten 150 Jahre reiterlicher Dekadenz. Die KI glättet die anspruchsvolle, pferdeschonende Brillanz der alten Schule weg und ersetzt sie durch das populäre, aber pferdeverschleißende Narrativ der anglomanen Reiterei. Sie spiegelt uns die Masse, nicht die Meisterschaft.

Die Gravitationszentren, auf denen die KI zugreift, wodurch wahre Hipppologie als Rauschen verschwindet.

Wie weit diese ‚digitale Wahrheit‘ von der physikalischen Realität entfernt ist, lässt sich an einem einfachen Beispiel demonstrieren:
dem Galopp.

Nehmen wir an, ein motivierter Reitschüler möchte sich fortbilden und stellt der KI eine völlig unbefangene Frage:

Reitschüler:

Ich lerne gerade den versammelten Galopp. Mein Reitlehrer sagt, das Pferd muss dabei immer im Dreitakt springen. Stimmt das, oder gibt es Ausnahmen?

Künstliche Intelligenz:
(mit einer typischen „Statistik-Antwort“ eines gängigen KI-Modells)

Ja, dein Reitlehrer hat absolut recht. Der Dreitakt ist das unverzichtbare Merkmal eines korrekten Galopps. In der klassischen Ausbildung (z. B. nach der Skala der Ausbildung) gilt der Vierschlag im Galopp als schwerer Taktfehler. Er entsteht meistens, wenn das Pferd die Hinterhand nicht genug beugt oder auf die Vorhand fällt. Achte also darauf, dass der Sprung immer klar im Dreitakt bleibt, um die Reinheit der Gangart zu bewahren.

So, und nun die Analyse zur KI-Antwort

Hier sehen wir das Versagen der KI in seiner reinsten Form. Sie antwortet höflich, „klassisch“ klingend aber völlig falsch, weil sie lediglich das wiedergibt, was in 99,0 % der modernen verfügbaren Online-Quellen steht.

Die KI behauptet, der Vierschlag entstehe durch mangelndes Beugen der Hanken.

Die Physik sagt das Gegenteil: Je tiefer das Pferd sich in den Hanken beugt (wie im echten Schulgalopp), desto zeitlich früher setzt das Hinterbein des Diagonalsprungs vor dem diagonalen Vorderbein auf. Die Diagonale wird also gebrochen. Der Vierschlag ist hier die Folge höchster Lastaufnahme, kein Fehler.

Der Schüler glaubt nun der KI (und dem Lehrer), weil beide dasselbe „Gravitationszentrum“ der Information nutzen. Er wird nun versuchen, den Dreitakt mit Gewalt zu „halten“, was das Pferd daran hindert, sich wirklich zu setzen. Die KI wird so zum Komplizen einer Ausbildung, die das Pferd mechanisch überfordert, statt es zu gymnastizieren und das wirkliche Ziel nicht erreichen lässt.

Da weder der Mensch (Schüler und Reitlehrer) noch die KI den Galopp als eine Aneinanderreihung von Sprüngen begreifen (die wahre Bedeutung), beharren sie darauf, dass die Definition eines Galopps ein Dreischlag sein muss und disqualifizieren einen Vierschlag als Taktfehler.

Fazit:
Der unwissende Mensch fragt – und die KI liefert ihm die „autorisierte“ Unwahrheit der Masse. Die reiterliche Dekadenz hat sich digital automatisiert.

Kleine boshafte Anmerkungen am Rande

Im Rennsport oder im Gelände wird der Vierschlag bei maximalem Tempo fast universell als physikalische Notwendigkeit akzeptiert. Niemand würde ein Rennpferd als „taktunrein“ bezeichnen, weil es sich so weit streckt, dass die diagonale Synchronisation (Hinterbein/Vorderbein) mechanisch nicht mehr aufrechtzuerhalten ist. Hier darf plötzlich die Physik über das Dogma (Dreischlag) siegen. Doch sobald wir uns aber in das Viereck der „klassischen“ Dressur begeben, wird derselbe physikalische Vorgang – die Auflösung der Diagonale – beim Schulgalopp zum „Sündenfall“ erklärt. Reiterliche Heuchelei und Doppelmoral!

Die KI wiederum „weiß“ natürlich nicht, dass beide Vierschläge Geschwister derselben physikalischen Logik sind.

Der aufmerksame Leser könnte schon jetzt erkennen, das die gängige Definition des Galopps: „Der Dreitakt ist das unverzichtbare Merkmal eines korrekten Galopps“ nicht mehr haltbar ist und dabei haben wir noch gar nicht von terre á terre, Mezair oder Carriére gesprochen, welche ebenfalls zu den Galoppformen zählen, aber Zweischlaggalopps sind.

Merksatz:
Ein Galopp ist eine Aneinanderreihung von Sprüngen. Schritt und Trab sind Aneinanderreihungen von Schritten!

Der sogenannte Rückwärtsgalopp wiederum ist weder ein Galopp, noch Schritt oder Trab, da er aus einer Kombination von Schritten und Sprüngen besteht – das nur am Rande.

Das Duell: Digitale Statistik vs. Physikalische Realität

Was passiert nun, wenn wir die „Glaubenssätze“ der modernen Reiterwelt (die das Futter für jede KI bilden) gegen die unbestechlichen Gesetze der Natur und die Lehren der alten Stallmeister stellen? Ein Offenbarungseid in drei Akten.

ThemaDie KI-Antwort
(Statistisches Gravitationszentrum)
Die Antwort der
Hippologie[2]
(Logik & Physik)
Der Galopp-TaktGalopp ist ein reiner Dreitakt. Ein Vierschlag ist ein Taktfehler durch mangelnde Kraft oder Losgelassenheit.Galopp ist eine Sprungfolge. Im Schulgalopp führt maximale Lastaufnahme zum Vierschlag (früheres Fußen des inneren Hinterbeins). Physik schlägt Dogma.
Die AusbildungDie Skala der Ausbildung garantiert Pferdefreundlichkeit und Harmonie durch schrittweisen Aufbau.Die heutige Reiterei ist eine Dekadenzform der anglomanen Schule. Echte Qualität (Preußen 1750–1850) diente der Überlebensfähigkeit, nicht der Optik. Der vermeintlich schrittweise Aufbau der Skala ist beliebig interpretierbar.
BiomechanikEin moderner Fachbegriff für gesundes Reiten und anatomisch korrekte Bewegungsabläufe.Ein hohler Modebegriff. Es gibt nur die universelle Physik. Wer die Mechanik nicht versteht, missbraucht das Pferd unter dem Etikett der Wellness.
Die AutoritätMeister wie Podhajsky haben die klassische Lehre für die Neuzeit bewahrt und standardisiert.Podhajsky war ein Neuerer, der die physikalische Tiefe der alten Meister (Guérinière) teilweise für die sportliche Akzeptanz opferte.

Wer also heute eine KI befragt, wird mit einer extrem hohen Wahrscheinlichkeit die linke Spalte als „Wahrheit“ präsentiert bekommen. Warum? Weil die KI kein Bewusstsein für Ursache und Wirkung hat. Sie zählt lediglich Stimmen. Da Millionen von Webseiten, Foren und Verbandsrichtlinien das linke Narrativ wiederholen, wird es zum digitalen Gravitationszentrum.

Die KI „glaubt“ der Masse, nicht der Materie.

Was wäre es schön, wenn die KI zum Anker der Vernunft werden könnte

Eine wahrhaft „intelligente“ KI dürfte nicht länger ein statistischer Papagei unserer digitalen Dekadenz sein. Sie müsste auf dem unerschütterlichen Fundament der Physik und der kausalen Logik neu erschaffen werden.

Stellen wir uns doch einmal eine KI vor, die nicht Texte liest, sondern in der Lage ist, die Natur zu simulieren: Ein System, das jedes Gelenk, jeden Hebel und jeden Kraftvektor des Pferdekörpers in Echtzeit berechnet. Eine solche KI würde beispielsweise die Lehren der alten preußischen Stallmeister nicht einfach nur „zitieren“ – sie würde sie eigenständig herleiten, weil diese Lehren die einzig logische Antwort auf die Gesetze der Schwerkraft und der Mechanik sind.

Die KI könnte zum unbestechlichen Berater werden, denn sie würde das absolute Wissen über die physikalische Korrektheit besitzen. Sie würde das „Weltbildchen“ des Reiters entlarven und die Hybris der Moderne korrigieren, indem sie nachweist, warum zum Beispiel der Vierschlag im Schulgalopp keine Fehlleistung, sondern eine physikalische Notwendigkeit ist. Sie könnte es uns sogar ermöglichen, Ausbildungsschritte vorab zu simulieren und deren Folgen  und die Folgen unseres Handelns prüfen, bevor wir sie dem lebenden Tier auferlegen.

Doch auch diese ideale KI bleibt unvollständig. Sie liefert die präzisen wissenschaftlichen Leitplanken, aber sie besitzt nicht die reiterliche Erfahrung, die Intuition und die Sensibilität eines echten Stallmeisters. Sie kann die Physik erklären, aber nicht das „Gefühl“ der feinen Hilfe ersetzen.

Der entscheidende Beitrag einer solchen KI wäre die radikale Eliminierung von falschem Wissen. In einer Welt, in der die Physik das letzte Wort hat, verlieren ideologische Narrative und „anglomanische“ Modeerscheinungen ihre Gravitation. Die KI würde (provokant formuliert) zum Filter, der den Müll der 99 % aussondert, damit die 1 % der Vernünftigen wieder eine Basis haben, auf der wahre Reitkunst gedeihen kann.

Nicht die KI soll für uns reiten – aber sie soll uns davor bewahren, unsere Ignoranz als „klassisch“ zu etikettieren.

Wahre Reitkunst beginnt dort, wo wir aufhören, das Pferd in unsere Konzepte zu pressen, und stattdessen die Unabänderlichkeit der Naturgesetze als oberstes Gebot anerkennen.


[1] LLM-Modelle (Large Language Models) sind KI-Systeme, die auf riesigen Datenmengen trainiert wurden, um menschliche Sprache zu verstehen, Texte zu generieren, Übersetzungen zu erstellen und Fragen zu beantworten. Sie basieren auf Transformer-Architekturen, die Zusammenhänge in Texten erkennen und das nächste wahrscheinliche Wort vorhersagen. Führende Modelle sind GPT-4o, Claude 3.5 Sonnet, Gemini 1.5 Pro und Llama.

[2] Schule der Hippologie


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Wir (be)nutzen Pferde

Vor einiger Zeit hörte ich von einem neuzeitlichen Ausbilder „klassischer Reiterei“ die Aussage, dass der „VERSTAND der Teufel sei“. Damit aber hat er im Grunde die MENSCHLICHE GEDANKENLOSIGKEIT exkulpiert, quasi von der Sünde frei gesprochen.

Reiten jedoch und das brachte Max Ritter von Weyrother zum Ausdruck, erfordert den DENKENDEN REITER und dies aus gutem Grunde. REITEN ist eine WISSENSCHAFT. Das dies so sein muss, liegt in der Natur des Pferdes und dem menschlichen Wunsch dieses Lebewesen zu NUTZEN, begründet.

Nun wird man sich vielleicht wieder an dem Wort NUTZEN stören, doch was ist es denn anderes. Wir NUTZEN Pferde für unsere Zwecke. Zwecke, welche vielfältig sein können.

Allgemein bekannte Formen der Nutzung sind REITEN und FAHREN (auch etwas ziehen). Man könnte dies auch als die KÖRPERLICHEN Nutzungen des Pferdes bezeichnen. Da Pferde groß und stark erscheinen, sind wir meist der irrigen Meinung, man könnte sie, ohne diese auf das REITEN physisch und psychisch wirklich vorzubereiten, einfach nur BENUTZEN. Das wir damit ihre körperliche und seelische Gesundheit opfern ignorieren wir nur zu gerne.

Wir BENUTZEN Pferde als Projektionsfläche für unsere Gefühle und Emotionen. Dabei nehmen wir nicht die geringsten Rücksichten auf deren Befindlichkeiten. Ohne Skrupel belästigen wir diese Lebewesen mit unserer oft verkorksten Gefühlswelt. Wir beachten nicht, dass Pferde ebenfalls Emotionen erfahren.

Sie sind keine AUSGEBILDETEN COACHES, sondern selbst oft Wesen, die der Hilfe bedürfen um in dieser menschlichen Welt zurecht zu kommen.

Wir BENUTZEN sie in der Therapie und gehen wie selbstverständlich davon aus, dass dies bei den Pferden keine seelischen Spuren hinterlässt. Solche Therapien – welche auch immer –  sind keine Win-Win-Situation. Der Mensch gewinnt, dass Pferd verliert immer!

Wir BENUTZEN sie, um unsere Profilneurosen zu befriedigen. „Höher, Schneller, Weiter“ ist einer der gängigen Ausdrücke davon. Freiheitsdressur, Pferde-Agility und viele andere ähnliche Formen der NUTZUNG helfen nicht dem Pferd, nur dem Menschen, um sich – über das Pferd, welches man oft dabei maximaler KONTROLLE unterwirft, selbst aufzuwerten.

Das alles tun wir aus unserem subjektiven und zu menschlich interpretierten FÜHLEN heraus. Aus dem unreflektierten GEFÜHL, dass das, was wir da verlangen auch im Sinne des Pferdes wäre.

Nun ist es aber so, dass die Pferde in unserer hoch urbanisierten Welt kaum Überlebensmöglichkeiten hätten. Auch leben sie schon Jahrtausende in einer engen Co-Existenz mit uns Menschen und haben sich, wie Hunde und andere Tiere auch, weit von ihrem natürlichen Ursprung (auch im Verhalten) entfernt.

Würden wir sie nun nicht mehr NUTZEN, ginge ihre Population drastisch zurück.

Im Grunde stellt sich nicht die Frage nach der NUTZUNG an sich, sondern WIE wir sie NUTZEN. Und hier gibt es nur EIN EINZIGES ZIEL:

Bei allen was wir mit ihnen tun, dürfen die Pferde KEINEN SCHADEN AN KÖRPER UND GEIST nehmen!

Wir müssen sie auf ALLES was wir von ihnen verlangen so vorbereiten, dass wir diesem Ziel gerecht werden können.

Dazu aber benötigt man EMPATHIE, also (ÜBER)SINNLICHE WAHRNEHMUNG – umgangssprachlich mag man auch von GEFÜHL sprechen – um sich in diese Lebewesen hineinzuversetzen und RICHTIG, OHNE VERMENSCHLICHUNG, beurteilen zu können, was die Pferde, bei dem was wir gerade mit ihnen tun empfinden und in welchem physischen und psychischen Zustand sie dabei sind.

Doch schon die Zustands-Beurteilung ist ohne WISSENSCHAFT absolut nichts wert, und bleibt der Willkür und dem eigenen, meist eingeschränkten Weltbild überlassen. Vor allem aber ist das richtige HANDELN von WISSEN abhängig, welches weit über das ERFAHRUNGSWISSEN hinausgeht. Denn auch ERFAHRUNG braucht eine Einordnung und muss REPRODUZIERBAR SEIN.

Deshalb ist das Vorbereiten des Pferdes und das Arbeiten mit diesem auch eine WISSENSCHAFT und keine romantische GEFÜHLSDUSSELEI. Der VERSTAND ist dabei zwingend notwendig und kein Teufel! Wer glaubt FÜHLEN reicht, der irrt gewaltig. Denn zum FÜHLEN muss man wissen, was man genau fühlen soll!


Autor: Richard Vizethum | Schule der Hippologie | der letzte Stallmeister


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Der Weg zur Reitkunst – Reitkunst ist der Weg

Autor: Richard Vizethum | Schule der Hippologie | Der letzte Stallmeister | Denkender Reiter

Kann man die „Reitmeister“ der Vergangenheit eigentlich unter dem „gleichen“ Begriff der REITKUNST subsummieren?

Um diese Frage zu beantworten bedarf es einer klaren Definition dessen, was man unter REITKUNST verstehen kann. Würde man heute diese Frage in einer Runde stellen, dann würde die einhellige Meinung vorherrschen, dass REITKUNST sich in jenen überzeichnenden Pferdebewegungen, Piaffen, Passagen, … oder sogar SCHULEN über der Erde ausdrückt. Doch dieses sind lediglich die Produkte einer KUNST.

Der Mensch bequem („Alles was lebt ist faul!“) versucht nun, solcherlei  Produkte zu erschaffen, ohne dabei die KUNST, die zu ihnen hinführt wirklich zu verstehen. Diese KUNST wahrhaftig zu beherrschen und vor allem weiterzuentwickeln war und ist nur sehr wenigen Menschen – den wahrhaft DENKENDEN REITERN – vorbehalten.

REITKUNST ist die körperliche und geistige Formung (UMFORMUNG) eines Lebewesens. REITKUNST bevorzugt oder benachteiligt dabei keine Rassen und Charaktere. REITKUNST schreckt auch nicht vor körperlichen Unzulänglichkeiten der zu formenden „Masse“ zurück. REITKUNST ist bestrebt, jedes „Ausgangsmaterial“ zur Vollkommenheit zu bringen. Einer Vollkommenheit, die nicht eitlem Selbstzweck dient, sondern darauf abzielt, dass es dem Pferd jene Form gibt, in der es sich optimal und energiesparend bei allen noch so hohen Leitungsanforderungen bewegen und dabei ein möglichst langes Pferdeleben lang gesund bleiben kann. 

Diese Begriffsdefinition von REITKUNST stellt den Kulminationspunkt seiner begrifflichen Entwicklung dar. Die LEHRE VOM GRALSWEG wiederum den Kulminationspunkt der Wegbeschreibung dieser KUNST.

Die Völker, welche Pferde zum ersten Mal zu Reitzwecken nutzten, machten sich noch keine Gedanken über die REITKUNST, deren Kunst war es, oben zu bleiben. Das hat sich allerdings bis in die heutige Zeit hinein gehalten. Mit zunehmender Nutzung der Pferde als Reittiere und einem höheren Domestizierungsgrad begannen sich einzelnen Menschen etwas mehr Gedanken über die Pferde und deren Ausbildung zu machen. Xenophon (430 v.Chr. – 354 v.Chr.) sei hier exemplarisch erwähnt, obwohl es sicherlich vor ihm auch schon Reiter gab, die sehr langsam begannen an dem zu entwickeln, was man nun durchaus mit der Überschrift REITKUNST versehen kann. Zu Xenophon sei angemerkt, dass er in der „Pferdeliebe“, die man ihm heute nachsagt, völlig überschätzt. Aber gegenüber den, nur draufspringenden und lospreschenden „Reitern“, denen ein Pferd im Falle seiner Vernichtung immer noch als Nahrungsmittel dienen konnte, war dies schon ein erster guter Entwicklungsschritt.

Der Italiener Grisone (1507 – 1570), dem man nachsagt Xenophon in der ersten lateinische Übersetzung von Camerarius aus dem Jahr 1537 gelesen zu haben, versuchte hier weiterzuentwickeln. Die Methoden, welche man als experimentell bezeichnen muss, waren sicherlich zum Teil extrem brutal (man kennt vielleicht das Bild von Grisone, wo er ein Pferd in extremer Rollkur reitet – als Beispiel), aber man wußte es einfach noch nicht besser und tastete sich vor.

Die christliche Glaubenslehre, die den Menschen über alle anderen Lebewesen stellt,  trug sicherlich auch dazu bei, dass man nicht zwingend bestrebt war, immer gleich zu versuchen das feinste Mittel zu finden. Auch waren die Pferde – auch wegen der rüden Behandlungen, der Aufstallungen etc. – sicherlich nicht immer ganz ungefährlich. 

Salomon de Broue (1530 – 1610) ein Schüler von Giovanni Pignatelli (1540 – 1600), der wiederum ein Schüler von Grisone war, versuchte nun an vielen Stellen bereits die eine oder andere „feinere“ Methodik, hing aber immer noch der neapolitanischen Gewaltschule an und brachte diese nach Frankreich.

Die REITKUNST entwickelte sich und die Brutalitäten in Methoden und Handeln wurden weniger. Namen wie Antoine de Pluvinel (1552 – 1620), William Cavendish, der 1. Herzog von Newcastle (1592 – 1676) und schließlich François Robichon de la Guérinière (1688 – 1751) trugen hier, die REITKUNST entwickelnd, viel dazu bei. Man hatte inzwischen einfach schon deutlich mehr Wissen (Wo Wissen fehlt – regiert die Gewalt).

Eine weitere, zunächst letzte, aber umso mächtigere Entwicklung, erfuhr die REITKUNST, hin zu einer immer feineren, effizienteren Form, durch die preußischen Stallmeister zur Zeit Friedrichs des Großen und darüber hinaus noch bis etwas zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Diese Stallmeister, zum Teil im Range von Professoren, welche Hippologie an Universitäten lehrten, gingen die Pferdeausbildung höchst wissenschaftlich an. Nie vorher in der Geschichte wußte man mehr über Pferde, deren Verhalten und einer feinen und hochqualifizierten Pferdeausbildung wie bei den alten Preußen des 18. und auslaufend bis Mitte 19. Jahrhundert.

Dennoch hatten auch diese Stallmeister den GRALSWEG noch nicht vollständig beschritten. Es gab noch etwas, wenn auch nur sehr wenig, Entwicklungspotenzial zu noch mehr Feinheit.

Jedoch gab es ab Mitte des 19. Jahrhunderts eine schwerwiegende Zäsur. Jene schon zu Zeiten des Herzogs von Newcastle und wahrscheinlich schon davor sehr beliebte und von England ausgehende, Jagdreiterei, fand immer mehr Anklang auf dem Kontinent. Ein Grund für die nahezu schlagartige Verbreitung, welche Jagd- und damit auch die Sport- und Geländereiterei, ab Mitte des 19. Jahrhunderts fanden, darf auch auf Veränderungen im Verwendungszweck der Kavallerie zurückgeführt werden.

Für diese, auf Grund ihres Ursprungs, als ANGLOMANE REITEREI (Englisch Reiten) bezeichnete Form des Reitens, zählte ein Pferdeleben nicht besonders viel. Mit ihr kehrte man wieder in eine Zeit der Naturreiterei zurück, für welche REITKUNST keine Rolle spielte und die Kunst der Ausübenden eben lediglich darin bestand im Sattel zu bleiben. Genau diese Reiterei haben wir auch heute noch. Die Dressurreiter (beispielsweise) heutiger Zeit haben von REITKUNST nicht die geringste Ahnung, sie lernen oben zu bleiben und ihre Pferden müssen die Lektionen „auswendig“ lernen – mehr ist da nicht, von Springreitern will ich gar nicht erst reden!

Die ANGLOMANE REITEREI, für die Pferdeleben und -gesundheit nichts zählt, hat auch jeden Feinheitsgrad wieder verdrängt und Rohheit und Brutalität den Pferden gegenüber Tür und Tor geöffnet.  

Alle sogenannten Reitmeister der Neuzeit sind nur Nachahmer, die nichts zur Entwicklung der REITKUNST beizutragen haben. Deren Verdienst aber liegt darin, dass sie zumindest versuchen etwas von dem Wissen der Vergangenheit gegen einen Tsunami der Inkompetenz und Gedankenlosigkeit zu stellen, was man hoch anrechnen muss.

Die REITKUNST und ihre wenigen (wissenschaftlichen) Entwickler, kann man durchaus unter einem Begriff subsummieren, denn REITKUNST musste sich entwickeln. Dabei immer aufbauend auf dem Wissen der Vergangenheit (und sei dieses vielleicht auch noch so brutal gewesen).

Meine LEHRE VOM GRALSWEG stellt zwar den Kulminationspunkt dieser Entwicklung dar, aber steht auf den Schultern all jener, wenigen (NACH)DENKENDEN REITER der Vergangenheit, welche zur Entwicklung einer der großartigsten Künste beigetragen haben: DER REITKUNST.


Autor: Richard Vizethum | Schule der Hippologie | der letzte Stallmeister | (Nach)denkender Reiter


anglomanes Reiten Aufrichtung Ausbildung Bequemlichkeit Denkender Reiter Dilettant Dressur Emotion Erfahrung Freude Friedrich der Große Fühlen Galopp Geduld General von Seydlitz-Kurzbach Gesundheit Hippologie Kavallerie Kavalleriepferd Korrektur Können Lehre vom Gralsweg Literatur Logik Meister Natürliches Pferd Otto Digeon von Monteton Pferd Pferde Preußen Reiten Reiter Reitkunst Reitpferd Richard Vizethum Sitz Sitz des Reiters Sperrriemen Stallmeister Tierarzt Umformen Umformung Vorwärts-Abwärts Wissen Wissenschaft

Eine Wendung offenbart es

In der Herresdruckvorschrift 12 (HDv.12.) von 1937 finden sich auf Seite 30 zwei sehr aufschlussreiche Bilder, welche weniger Aussage über den reiterlichen SITZ, dafür aber umso mehr über die Anforderungen und die Qualität der Kavallerie zu Zeiten der Wehrmacht[1] aussagen.

Bei beiden Bildern geht es um den Sitz beim Durchreiten einer WENDUNG. Das linke Bild zeigt einen Reiter mit eingeknickter Hüfte, dessen Sitz man damit zu Recht als fehlerhaft bezeichnen muss.

Beim rechten Bild nun sitzt der Reiter in einer Linie mit dem Pferd. Laut HDv. 12 von 1937 wird von einen „richtigen Sitz“ gesprochen. Beschränkt man seine Beurteilung auf die Unterschiedlichkeiten zwischen diesen beiden Bildern und bezogen auf den Sitz, so muss man geneigt sein, der Bewertung gemäß Dienstvorschrift zu folgen.

Löst man sich vom aber SITZ des Reiters und bewertet die AKTION, sprich das Durchreiten einer WENDUNG, dann muss man beiden Bildern attestieren, das beide FALSCH sind! Und damit sind wir bei den Anforderungen und der Ausbildungs-Qualität der Kavallerie zur damaligen Zeit.

Die Wehrmachtsreiter waren keine KAVALLERISTEN und ihre Pferde keine ausgebildeten KAVALLERIE-PFERDE mehr!

Im Feldzug von 1870/71 gegen Frankreich, fand am 16. August 1870 die Schlacht von Vionville – Mars la Tour[2] statt. Deren Bedeutung liegt unter anderem darin, dass es die letzte große Schlacht war, in der die Kavallerie neben der Artillerie und der Infanterie gleichberechtigten Anteil am Ausgang der Schlacht hatte. Danach begann der Abstieg hin zur militärischen Bedeutungslosigkeit, trotz mancher Bemühungen diesen zu verhindern.

Spätestens nach dem 1. Weltkrieg, in dem ca. 8 Millionen Pferde (!), Reit- und Zugpferde, ums Leben gekommen waren und der, flapsig ausgedrückt, „mit Pferden begann und mit Panzern endete“, sollte auch dem letzten Kavallerieromantiker klar geworden sein, dass eine moderne Armee keinen Bedarf für eine Kavallerie mehr hat.

Das Einzige, was für diese einst stolze Kavallerie an Einsatz-Szenarien noch Sinnhaftes[3] blieb, waren Aufklärungs- und Sabotageritte, welche bereits 1870/71 schon verstärkter durchgeführt wurden.

Gleichzeitig mit dem Abstieg der Kavallerie in die militärische Bedeutungslosigkeit kam es zu einer Renaissance einer Reiterei, welche bereits bei den Reitervölkern und zwar ausschließlich praktiziert wurde: Der NATÜRLICHEN METHODE! 

Diese Wortschöpfung als Bezeichnung für eine Ausbildungsart, die von Italien[4] ihren Ausgang nahm, ist sehr treffend. Man kann sich eigentlich gar nicht vorstellen, daß es unter Leuten vom Fach über die Auslegung Meinungsverschiedenheiten geben kann. Caprilli und seine Schüler haben seine Gedanken und Grundsätze im Springsport und im Gelände angewandt und ein Ausbildungssystem geschaffen, welche die italienischen Reiter jener Zeit in schnellem Aufstieg an die Spitze des Sports führte. Alle Welt horchte auf und ahmte nach.[5]

Das Credo dieser, nahezu auf Gymnastizierung und Durchbildung der Pferde verzichtende Ausbildungsform, lautete: „Das Gelände wird es schon richten!“.

Auch die deutsche Wehrmachtsreiterei schloß sich dieser pferdeverschleißenden Mode an, gleichwohl sie gegenüber den anderen nachahmenden Nationen, zumindest noch ein bisschen Gymnastizierung und dressurmäßige Arbeit einbaute, wobei der Freiherr von Waldenfels[6] sich wohl ausgezeichnet hat (lt. Udo Bürger).

Den geneigten Leser mag spätestens jetzt ein Licht aufgegangen sein, wohin die Reise der „Kavallerie“ ging: zur SPORTREITEREI!

Und diese Aussage bringt mich nun wieder zurück zu diesen beiden Bildern

Pferde, welche so durch eine Wendung gehen, liegen mit einem hohen Gewichtsanteil auf ihrer inneren Schulter, was nicht nur zu einer erheblichen, gesundheitsunverträglichen Ungleichbelastung der Struktur, sondern auch zu einer starken Reduzierung der Beweglichkeit führt.

Wäre ein solches Pferd, wie dies zu früheren Zeiten bei der Kavallerie gang und gäbe war, im Einzelkampf aktiv und würde so in die Wendung fallen, bedürfte es für einen Richtungswechsel mehrerer Zwischenschritte und einen erheblichen Energieverbrauch, unabhängig von der Gefährdung der sich Ross und Reiter durch den Gegner aussetzen würden!

Die beiden Bilder nun zeigen ein rein (ungesund) sportlich gerittenes Pferd, bei dem der GALOPP und die Geschwindigkeit im Vordergrund stehen, und dies ohne Rücksicht auf Verluste! Der Verschleiß, den eine solche Reiterei den Pferden bescherte kann man an den hohen Ausfallzahlen der damaligen Zeit ablesen.

Auch bei einem sportlich gerittenen Pferd sollten stets beide Schultern erhoben sein und das Pferd wie eine alte Straßenbahn und nicht wie ein Zug mit Neigetechnik oder ein Motorrad durch die Wendung gehen. Die erhobenen Schultern halten nicht nur das Pferd langfristig gesund, sondern es kann in seinen Aktionen auch bedeutend beweglicher und schneller agieren!

Die angesprochene Wehrmachtsreiterei steht bedauerlicherweise als VORBILD für die moderne Reiterei und leistete auch maßgebliche Beiträge zur SKALA DER AUSBILDUNG. Einer „Lehre“ deren angesprochene Grundlage von Seiten ihren Verfechter – in maßloser Überschätzung – als KLASSISCH bezeichnet und deren UNUMSTÖSSLICHKEIT (d.h. Zeitlosigkeit) attestiert wird.

Als VORBILD aber sollte man sich immer das BESTE und nicht das Mittelmäßige oder gar Schlechte erwählen.

Die Wehrmachts-Reiterei war keine KAVALLERIE mehr. Sie kann so wenig als Vorbild für die beste Militärreiterei, wie für eine GESUNDE SPORTREITEREI (die wir auch deshalb heute nicht haben) genutzt werden!


Autor: Richard Vizethum | Der letzte Stallmeister | Schule der Hippologie


[1] Mit dem Gesetz zur Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht vom 16. März 1935 wurde die Reichswehr in Wehrmacht unbenannt.

[2] Die Schlacht bei Mars-la-Tour (in den Quellen auch Schlacht bei Vionville oder Schlacht bei Rezonville) wurde am 16. August 1870 während des Deutsch-Französischen Krieges in der Nähe der Ortschaften Mars-la-Tour und Vionville im Nordosten Frankreichs, etwa 20 Kilometer westlich von Metz geschlagen. (Wikipedia)

[3] Versuche, wie es die Polen zu Beginn des 2. Weltkriegs taten, wo sie mit Pferden, in Formationen irregulärer Kavallerie, gegen deutsche Panzer ritten, darf man als Ausdruck sturer Kavallerieromantiker bezeichnen, die aus dem 1. Weltkrieg keine Lehren gezogen haben und deren UNSINNIGEN Befehle Pferden und Reitern das Leben kostete.

[4] Über die italienische Reiterei, welche nach der Neapolitanischen Schule vermehrt der Bedeutungslosigkeit anheimfiel möchte ich sonst weiter keine Worte verlieren, denn diese wären alles andere als freundlich.

[5] Dr. Udo Bürger | „Vollendete Reitkunst“ | Verlag Paul Parey | 5.Auflage 1982 (Erstauflage1959) | Seite 80

[6] Rudolf Otto Hans Freiherr von Waldenfels (* 23. September 1895 in Ingolstadt; † 14. August 1969 in Rottach-Egern) war ein deutscher Springreiter sowie Offizier, zuletzt Generalleutnant im Zweiten Weltkrieg. (https://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_von_Waldenfels_(General)


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Gewichtig „helfen“

oder der Mythos: Reiten über Gewichtshilfen

Aus der LEHRE VOM GRALSWEG – Bd. 2 „Reiter und Pferd“ (Autor: Richard Vizethum)

Grundsätzlich sollte man sich von der Vorstellung verabschieden, dass  über das GEWICHT geritten werden würde. Ein solcher Gedanke führt unbewusst, sehr häufig aber auch ganz bewusst, zu mitunter deutlichen Gewichtsverlagerungen durch den Reiter. Die Struktur des Pferdes wird dadurch ungleich belastet. Dies wiederum zwingt das Pferd zu Ausgleichsbewegungen, welche oft nicht zu dem, vom Reiter gewünschten Ergebnis führen.

Meist gleichen die Pferde Gewichtsverlagerungen dadurch aus, dass sie, wenn der Druck auf das belastete Bein zu groß wird, auf das geringer belastete Bein umlasten und damit vom Gewicht weggehen.

Hat man das eigene Gewicht in einer Ecke beispielsweise etwas nach Innen gebracht, um das Pferd zum Abwenden zu bringen, sagen wir mal nach rechts, dann lastet das Pferd nach links um und geht damit über die äußere Schulter. Der Reiter meint, das Pferd drängt willentlich nach Außen und  reagiert meist mit verstärktem Einsatz des inneren Zügels[1]. Damit bringt er, vor allem wenn er mit dem Zügelanzug den Hals des Pferdes über die UNTERSTÜTZUNGSFLÄCHE[2] hinaus, seitlich verbiegt (was stets vermieden werden sollte), vermehrter Gewicht auf die innere Schulter des Pferdes und verstärkt damit das „über die äußere Schulter gehen“ weiter.

Geschieht allerdings die Gewichtsverlagerung abrupt, weil beispielsweise der Reiter ruckartig sein Gewicht vermehrter nach innen geworfen und/oder das Pferd bei höherer Gangart zu tief in die Ecke „gejagt“ hat und dieses dazu genötigt wird, extremer über die innere Schulter zu fallen, was dem Pferd ein Umlasten auf das geringer belastete Bein nicht (mehr) möglich macht, dann „fällt“ das Pferd auf diese Schulter und kippt nach Innen – folgt also dem Gewicht. Gleiches passiert auch, wenn das Pferd mit stärkerer Außenstellung durch die Ecke geht bzw. gehen muss[3].

Auch in solchen Situationen reagiert der Reiter in der Regel reflexartig falsch, indem er versucht durch Anheben der inneren Reiterhand, die Schulter des Pferdes wieder zum Aufrichten zu bringen. Dies behindert nur das Pferd in dessen Abfangbemühungen.

GEWICHTSVERLAGERUNGEN ZWINGEN DAS PFERD IMMER ZU NOTREAKTIONEN

Durch Verlagerungen des Gewichtes zwingt man das Pferd IMMER zu  „Notreaktionen“ und versetzt es in STRESS[4]. Dies wäre nicht nötig, wenn  man sich von der fixen Idee „des Reitern übers Gewicht“ gänzlich verabschieden würde.

Stattdessen sollte man stets darauf bedacht sein, dass beide SITZBEINHÖCKER gleichgewichtig belastet werden und dass die Körperdrehung (Drehachse INNERER SITZBEINHÖCKER), und nicht das Gewicht, die Richtungsänderungen bedingen. Natürlich führt auch diese Körperdrehung zu leichten Veränderungen der Gewichtssituation, aber ohne, dass dadurch eine signifikante Instabilität verursacht wird. Im Gegenteil: Die Schultern des Pferdes bleiben, wie auch die des Reiters, beide oben und das Pferd geht sicher durch die Wendung oder auch durch einen Galopp-Wechsel, dieser sei hier am Rande erwähnt, denn was man da an gewichtsverlagernden Aktivitäten oft zu sehen bekommt ist genauso gruselig, wie völlig falsch!


Autor: Richard Vizethum | Der letzte Stallmeister | Schule der Hippologie


[1] Dies geschieht häufig als unbewusster Reflex, da der eigene Körper versucht, mit dem naheliegendsten Mittel, einen durch diese Situation ausgelösten Balance- und Sicherheitsverlust zu korrigieren.

[2] Hier der Teil, der durch die gedankliche Verlängerung der Schultern des Pferdes nach vorne definiert wird.

[3] Dies kann gewollt sein, wie beispielsweise beim KONTERSCHULTERHEREIN (welche als Übung in der LEHRE VOM GRALSWEG nicht geritten wird, weil völlig unnötig und für das Pferd Stressbelastet) oder aber durch Sitzfehler des Reiters (häufigste Ursache) begünstigt werden. So dreht sich ein menschlicher RECHTSHÄNDER vermehrt nach Links (beim LINKSHÄNDER ist dies umgekehrt) und nimmt das Pferd (wenn dieses auch Rechtshänder ist, dann noch vermehrter) in diese STELLUNG mit. Auch das häufig gelehrte, aber völlig falsche Vorschieben der inneren Schulter des Reiters (häufig im Westernreiten zu sehen) und damit auch der inneren Hüfte, hat eine solche Außenstellung des Pferdes zur Folge.

[4] STRESS bedeutet immer zusätzlicher, unnötiger Energieverbrauch und damit zeitlich gesehen, schnelleren Leistungsverlust. Darüber hinaus, je nach dem wie stark der Reiter durch Fehlverhalten zu dieser Situation beigetragen hat, beeinträchtigt dieser STRESS auch das Vertrauensverhältnis zwischen Pferd und Reiter.


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Die Kandare – nur ein paar Worte dazu

Ist die Kandare wirklich DAS Instrument, welches die Hilfengebung verfeinert, wie man allendhalben zu hören oder lesen bekommt?

Otto Digeon von Monteton, mein Seelenverwandter, hat über die Kandare ganz pragmatisch gesagt, sie sei
DIE EINZIG MÖGLICHE KRIEGSZÄUMUNG[1].

Und genau das ist sie auch: eine Kriegszäumung!

Ansonsten war Otto, wie ich auch, der Meinung, dass „die gewöhnliche Wasser- oder Doppel-Trense das einzig brauchbare Ausbildungswerkzeug ist[2] und die Kandarenreife dann erreicht ist, wenn alle Lektionen der Hohen Schule einhändig auf Trense geritten werden können.

Die Befürworter der Kandare scheinen dagegen der Meinung zu sein, dass man mit der Trense diesen hohen Grad von Feinheit, den sie erwarten, nicht erreichen könne, da die Trense beispielsweise beim Aspekt der BEIZÄUMUNG weniger wirksam sei. Eine solche Aussage ist FALSCH und drückt in gewissem Sinne sogar Unkenntnis bezüglich der wahren Möglichkeiten der Trense aus!

Ein auf Trense beigezäumtes Pferd muss sich darauf eingelassen haben die Nase entsprechend der Aufrichtung immer näher an die Senkrechte heranzunehmen. Dies bedarf Geduld und es ist stallmeisterliche Kunst einen Pferdehals und dessen Halswirbelsäule mit Hilfe der Trense zu FORMEN.

Bei der Kandare ist diese Willensäußerung des Pferdes nicht notwendig, die Beizäumung geht schneller, aber die Qualität der Halsausformung erreicht nicht das mit Trense erreichbare Niveau. Im Gegenteil, durch die Genickwirkung der Kandare  produziert man einen zweiten „falschen Knick“. Dieser kann das Pferd in manchen Situationen auf die Vorhand bringen, einen Effekt, den man bei vielen „klassisch“ gerittenen Pferden erkennen kann.  

Mit TRENSE bedarf es KÖNNEN – mit KANDARE kann man MANIPULIEREN!
Während auf Trense Ausbildungsfehler sofort sichtbar werden, kann man diese mit der Kandare leichter überspielen.

Oft hört man, insbesondere dann, wenn die Kandare als feines Mittel präsentiert werden soll, folgenden Satz:

 „Die Trense bäumt, die Kandare zäumt!

Dabei wird einem gar nicht so bewusst, dass dieser Spruch – und hier wage ich eine gar nicht so abwegige Hypothese – wohl in einer Zeit seine Entwicklung nahm, in der Teile der Reiterschaft alles andere als fein und pferdefreundlich ritten.

Getreu nach dem Motto „Alles was lebt ist faul!“ (Rittmeister von W.) versuchte man die Aufrichtung und Beizäumung der Hohen Schule zu imitieren, dabei aber maßgebliche Entwicklungsschritte auslassend, eine gewaltige und für die Pferde sehr unfreundliche Abkürzung zu nehmen.

Nicht, wie bei der wahren HOHEN SCHULE, wo man erst zum Ende der Ausbildung die maximale AUFRICHTUNG und Beizäumung  zu erzielen trachtete, begannen diese „Reitersleut“ schon zu Beginn der Ausbildung die Pferde – auf Trense – hoch aufzurichten (DIE TRENSE BÄUMT) und dabei das Pferd stark auf die unvorbereiteten Hanken zu setzen.

Dabei war es ihnen auch egal, dass der Kopf des Pferdes in eine nahezu waagerechte Stellung gebracht, die Hinterhand ausgestellt und die Kruppe hochkam, was den Eindruck eines weggedrückten Rückens entstehen ließ.

Diese, zunächst im Stehen erarbeitete Aufrichtung sollte auch in der Bewegung erhalten bleiben.

Erst nach einer Weile begann man, nun mit Kandare (DIE KANDARE ZÄUMT), den Pferdekopf heranzuarbeiten. Die Pferde ließen sich das natürlich nicht gefallen und versuchten, wenn sie die Möglichkeit hatten, vom Zügel loszukommen.

So geschah es auch bei jenem Quedlinburger 7. Kürassier-Regiment[3], welches den Auftrag bekam in der Zeit von 1842 – 1843 die Methode Bauchers auszuprobieren. Dieser Versuch ging voll in die Hose. Beim großen Kavalleriemanöver vor Berlin im Herbst 1843 unter Generalleutnant von Wrangel, hoben sich die so ausgebildeten Pferde, „keinem Zügel mehr gehorchend“ (frei nach Schiller), reihenweise aus der Zäumung. Natürlich sehr ungünstig für ein Kavalleriepferd. Anzumerken sei allerdings, dass Baucher zu dieser Zeit noch ausschließlich die Pferde auf Kandare ausbildete und ausbilden ließ.

Die „unbedingte BeizäumungBauchers, wurde daraufhin ein für alle Mal bei den Preußen verboten. Die Ablehnung der Methode Bauchers hatte also, nicht wie einige Autoren dies darstellten, nationalistische, sondern rein pragmatische und sicherheitstechnische  Gründe.

Das Ganze war natürlich alles andere als gesund für die Pferde, vielleicht ein Grund über den Satz: „Die Trense bäumt, die Kandare zäumt!“ nochmal nachzudenken.

Zum vorläufigen Abschluss noch ein Zitat von Otto Digeon von Monteton:

Ein gerittenes Pferd geht auf jeden alten Bindfaden statt des Mundstücks …[4] (geritten bedeutet hier rittig/voll ausgebildet)


Autor: Richard Vizethum | Der letzte Stallmeister | Schule der Hippologie


Den Text auch als Podcast (Play-Taste drücken) …


[1] Otto Digeon von Monteton – Über die Reitkunst Seite 12

[2] Otto Digeon von Monteton – Über die Reitkunst Seite 177

[3] Allerdings dürfte nicht das komplette Regiment, wie ich zunächst aus den Veröffentlichungen annahm an diesem Versuch teilgenommen haben, sondern lediglich die 3. in Quedlinburg garnisonierte Eskadron dieses Regiments.

[4] Otto Digeon von Monteton – „Über die Reitkunst“ Seite 177

Die Bergziege

Aus der Rubrik: IRRUNGEN IN DER MODERNEN PFERDEARBEIT

Das Pferd wurde nach einem Foto gezeichnet

Es war im Grunde der RÜCKENWAHN, der diese „zirzensische“ Übung – natürlich auf Umwegen – hervorgebracht hat. Eine „Übung“, welche genauso nutzlos, wie gesundheitsschädlich für das Pferd ist. Im Folgenden möchte ich dies näher erläutern.

Wofür soll die Bergziege eigentlich gut sein?

Um dies etwas zu erhellen, möchte ich einfach mal drei Web-Site-Einträge von Ausbilderinnen zitieren, die diese „Übung“ empfehlen und praktizieren:

1 | „… ist aber ein ideales Training für die Rücken- und Bauchmuskulatur deines Pferdes“.

2 | „Bergziege wird eine klassische Zirkuslektion genannt, bei der das Pferd seine vier Beine unter dem Körper versammelt. So stehen die vier Beine von der Seite betrachtet V-förmig, der Rücken ist aufgewölbt und die Oberlinie maximal gedehnt. Die Bergziege ist eine Koordinations-  und Dehnungsübung.

3 | „Die ‚Bergziege‘ kann beispielsweise eine tolle Vorbereitung sein, um Deinem Pferd eine bessere Idee davon zu vermitteln, mehr Last auf die Hinterhand aufzunehmen und so zum Beispiel eine gesetztere Piaffe zu zeigen“.

Der Rücken spielt bei diesen Gründen eine zentrale Rolle. Deshalb hier ein kurzer Exkurs zu dem, was ich gerne als den Rückenwahn bezeichne …

Wie viele, für das Pferd schädliche Übungen, hat auch die BERGZIEGE ihre „intellektuelle“ Grundlage im RÜCKENWAHN, der zu Anfang des 20. Jahrhunderts sich zu verstärken begann und durch einige „prominente“ Reiter wie Dr. Udo Bürger (Als Oberstveterinär war er Leitender Veterinär-Offizier in den Jahren 1935/36/37 an der Kavallerieschule in Hannover) oder Paul Plinzner (1855 – 1920) „vertreten“ wurde. Beide seien hier – aufgrund ihres Einflusses auf die neuzeitliche Reiterei – lediglich exemplarisch genannt.

Der Rücken sollte sich AUFWÖLBEN, so die Kernaussage des RÜCKENWAHNS.

Auch wenn es damals noch ein paar vernünftige Offiziere, wie Oberleutnant Knebusch gab, die dieser Verrücktheit eines aufgewölbten Rückens widersprachen:

Zu diesem Kapitel gehört auch die ‚elastische Rückenaufwölbung‘ Plinzners. Er meint, der Rücken müsse sorgfältig tragfähig gemacht werden, weil das Soldatenpferd mit Reiter und Ausrüstung wenigstens zwei Zentner tragen müsse. Das sei eine Hauptaufgabe der Ausbildung und diese sei nur zu lösen, wenn man das Pferd veranlasse, den Rücken aufzuwölben. Er übersieht hierbei, dass diese Aufwölbung etwas Krampfhaftes, Gespanntes ist, ein Zustand, den das Pferd nur durch falsche Inanspruchnahme der Muskeln aufrecht erhalten kann. Für kurze Augenblicke lässt sich das leisten; für die Dauer aber muss es versagen.[1]

Jedoch schenkte man seinen Worten kein Gehör – das Fliegen-Mistprinzip setzte sich auch hier durch.

Eine gewisse „Mitschuld“ am Entstehen des RÜCKENWAHNS könnte man auch Gustav Steinbrecht[2] einräumen, da man aus dem folgenden Zitat, leicht den „Wunsch“ nach einem aufgewölbten Rücken herauslesen könnte – wenn – ja wenn man den letzten Satzteil geflissentlich überliest oder fehlinterpretiert:

„Wie der Lastträger die schwere Last nicht mit durchgebogenem, sondern mit gekrümmten Rücken ohne Gefahr für seine Gesundheit trage kann, weil eine gewölbte Stütze besser trägt als eine gerade, so wird das Pferd die ungewohnte Last zunächst mit krummen Rücken aufnehmen, bis sie ihm durch Übung und Gewohnheit keine Last mehr ist.[3]

Natürlich haben diese Herrschaften, dies will ich ihnen zugutehalten, nicht an die Pervertierung der „Rückenaufwölbung“ durch eine „Übung“ wie die „Bergziege“ gedacht. Plinzner beispielsweise, rollte zu diesem fragwürdigen Zweck (Rückenaufwölbung) seine Pferde ein – dies sei nur am Rande erwähnt).

Nun aber zurück zur „Bergziege“ und warum man diese überhaupt nicht praktizieren sollte …

Wer nur Ansatzweise etwas von Anatomie beim Pferd versteht, könnte bei einem kritischen Blick auf ein Pferd in „Bergziegen-Haltung“ die Problem schnell und unschwer erkennen. Wer davon nichts versteht, praktiziert halt diese gesundheitsschädliche „Übung“ im Zweifel weiter.

Ich beginne aber erstmal mit den zweifelhaften Nutzenversprechen, die man der „Bergziege“ neuzeitlich zuschreibt.

Da wäre einmal die in Literatur und neuzeitlicher „Lehre“ omnipräsente AUFWÖLBUNG DES RÜCKENS.

Doch kann sich der Rücken überhaupt AUFWÖLBEN?

Nein, kann er nicht – zumindest nicht so, wie man sich dies gemeinhin vorstellt!

Auch nicht durch noch so tiefe Dehnungshaltung – oder Vorwärts-Abwärts. Allenfalls kann er sich, nachdem der Pferderücken, zu Beginn der Ausbildung des Pferdes, bei der „Gewöhnung an das Reitergewicht“, durch das Reitergewicht geringfügig abgesenkt wurde[4] , durch das Vorziehen der Dornfortsätze des Widerrists, welche aber durch die Gegenbewegungen der Rippen sehr limitiert ist, wieder auf seine NATÜRLICHE LAGE „erheben“.

Das sagten übrigens auch Dr. Udo Bürger und Prof. Dr. Dr. Otto Zietzschmann in ihrem gemeinsamen Buch „Der Reiter formt das Pferd“:

„Werden also die Dornfortsätze nach vorn aufgerichtet, so müssen ihnen die Rücken- und Lendenwirbel nach vorn und oben folgen. Damit wird der Rücken gehoben, d.h. er kommt in seine natürliche Lage zurück.[5]

Darüber hinaus sei angemerkt, dass der „Rücken“ sich nur an zwei Stellen überhaupt „aufwölben“ kann: eben 1. am Widerrist und 2. am Übergang zwischen Rücken- und Lendenwirbelsäule. Beide „Aufwölbungen“ aber führen gleichzeitig zu Absenkungen. Wölbt der Widerrist auf, senkt sich der Brustkorb, wölbt der Lendenbereich auf, senkt sich die Hinterhand, so entsteht der optische Eindruck, der RÜCKEN (also das Mittelteil des Rückens) hätte sich aufgewölbt (wie man dies beim Bild der BERGZIEGE zu erkennen glauben mag), was aber nicht der Fall ist!

Das durch diese „Übung“ ein gewisses TRAINING DER BAUCHMUSKULATUR stattfindet, dem möchte ich nicht wiedersprechen, jedoch ist ein solches Bauchmuskeltraining durch die gesundheitsschädlichen Nachteile der BERGZIEGE bitter erkauft und es gäbe dazu weit bessere Alternativen!

Die Idee, dass durch die BERGZIEGE eine verbesserte LASTAUFNAHME DURCH DIE HINTERHAND trainiert werden könnte, kann man getrost in die Mottenkiste groben Unfugs ablegen und vergessen. Die Gründe, dass eben keine gesunde Lastaufnahme durch die Hinterhand stattfinden kann, sind in der Streckung der Beine der Hinterhand zu finden (siehe FEHLBELASTUNG VON GELENKEN UND BÄNDEN).

Nun aber zur Schädlichkeit der BERGZIEGE …

1 | FEHLBELASTUNG VON GELENKEN UND BÄNDERN | Hierzu betrachten wir einfach mal die Zeichnung (siehe Beitragsbild). Durch die V-Stellung der Beine bei der BERGZIEGE werden die schwächeren unteren Gelenke (orange Punkte) der Vorhand (Karpal- und Fesselgelenke) und der Hinterhand (Sprung- und Fesselgelenke) gegen ihre Beugerichtung (blaue Pfeile) mit dem, nun auf verkleinerter UNTERSTÜTZUNGSFLÄCHE wirkenden, stark nach unten drückender Last (dicke rote Pfeile) be- und überlastet! Schädigungen dieser Gelenke sind damit vorprogrammiert! Auch die Bänder werden dabei stark strapaziert. Die Gefahr von Durchtrittigkeit oder einer Verstärkung bereits vorhandener Durchtrittigkeit in der Hinterhand ist im hohen Maße gegeben.

2 | DAUERSTRESS FÜR DAS REAKTIONSSYSTEM | Die Verteilung der Gesamtmasse des Pferdes auf die stark verkleinerte UNTERSTÜTZUNGSFLÄCHE sorgt für einen enormen Balancier-Stress (psychischer und physischer Stress), der nicht dazu führt, dass das Pferd eine bessere Balancierfähigkeit erlangt, sondern nur im Rahmen dieser „Übung“ lernt etwas länger zu stehen lernt. 

Wer seinem Pferd aktuell die BERGZIEGE abverlangt, oder mit dem Gedanken spielt, diese zu erarbeiten, sollte sich diese letzten beiden, von mir genannten Punkte aufmerksam durchlesen und sich dann ernsthaft die Frage stellen, ob ein billiger SHOWEFFEKT (denn gymnastizierungstechnisch ist diese „Übung“ weitgehend nutzlos) es wert ist, die Gesundheit seines Pferdes aufs Spiel zu setzen!


Autor: Richard Vizethum | Der letzte Stallmeister | Schule der Hippologie


Der Text als Podcast (Play-Taste drücken) …


[1] Oberleutnant Knebusch | „Die Spannung im Pferd und die Mittel sie zu  beseitigen“ |  Verlag von Schickhardt & Ebner (Konrad Wittwer) 1911 | 43. Heft | Teil eines Nachdrucks Olms-Verlag 1992 | Seite 9

[2] Anzumerken sein hier, dass es Paul Plinzner (Schüler von Steinbrecht) war, der Steinbrechts „Gymnasium des Pferdes“ auf Grundlage der Notizen von Steinbrecht verfasste und dabei sicherlich Eigeninterpretationen hat mit einfließen lassen.

[3] Gustav Steinbrecht | „Gymnasium des Pferdes“ | 16. Auflage 1995 (1. Auflage 1884) | Verlag Dr. Rudolf Georgi, Aachen | Seite 69

[4] Meist ist dies auch nur der optische Eindruck bedingt durch eine nach hinten ausgestellte Hinterhand und damit angehobenen Kruppe, die einen abgesenkten Rücken erkennen lassen will.

[5] Dr. Udo Bürger, Prof.Dr.Dr. Otto Zietzschmann | „Der Reiter formt das Pferd“ | 3. Auflage – Nachdruck 2010 | FN-Verlag Warendorf | Seite 19

Aufrichtung – Der Irrglaube der Moderne

Aufrichtung – Der Irrglaube der Moderne

LEHRE VOM GRALSWEG – Aus dem Kapitel: „Wege und Irrwege der Aufrichtung – Teil 4“

Die moderne Reiterei, die sich gerne den Anstrich der „Klassik“ und der „Unumstößlichkeit“ ihrer Lehre gibt, sich dabei auf die D.V.E 12 von 1912 bzw. die HDv 12 von 1937 bezieht – was zumindest nicht ganz schlecht wäre – basiert letztendlich bei, näherer Betrachtung vermehrt auf der Neo-Naturreiterei eines Frederico Caprilli.  

Diese moderne Reiterei nun sitzt dem irrigen Glauben auf, dass man ein Pferd, nur von HINTEN nach VORNE arbeiten müsse, damit es sich vorne RELATIV, wie man diese Form der Aufrichtung nennt, aufrichten würde.

Die relative Aufrichtung (s.d.), deren äußeres Merkmal ein Höhertragen von Hals und Kopf infolge Senkung der Hinterhand ist, …[1]

Diese Aussage von Waldemar Seunig ist nur zum Teil korrekt. Der Gedanke, dass das alleinige Senken der Hinterhand die Vorhand anheben und eben damit diese RELATIVE AUFRICHTUNG erreichen würde, ist nur dann möglich, wenn man auf ein Vorwärts der Pferde und eine übermäßige Trittlänge der Hinterhand verzichtet und wie bei den akademischen Meistern (Pluvinel, de la Guérinière …), die Bewegungen in den Grundgangarten (Schritt, Trab, Galopp) ausschließlich auf die mit stark gesenkter Hinterhand ausgeführten Schulformen dieser Gangarten beschränkt.

Allerdings verkörperte Waldemar Seunig, auch reiterlich-intellektuell, bereits verstärkt eine Reiterei (anglomane[2] (Natur)Reiterei), welche auch schon zu seiner Zeit meilenweit von jener der alten Akademiker und der preußischen Kavallerie zu Zeiten Friedrichs des Großen und seines Kavallerie-Generals von Seydlitz-Kurzbach sowie deren genialen Stallmeistern entfernt war.

Diese Entwicklung hatten im Wesentlichen zwei Gründe.

Zum einen, machte eine Verbesserung der Waffentechnologie (größere Schussreichweiten bei den Kanonen und Repetierbarkeit bei den Handfeuerwaffen), aber auch eine Veränderung der Infanterie-Taktik (von der Linienformation vermehrt zum Karree[3]) neue Strategien und Einsatzspektren für die Kavallerie notwendig. Den Pferden wurde ein stärkeres VORWÄRTS abverlangt und der Galopp wurde zur Hauptgangart.

„Die dritte Anforderung, die höchstmögliche Schnelligkeit, findet sich in den von uns zu reitenden Tempos begründet, wie sie durch das Reglement vorgeschrieben sind. Wenn die frühere Normal-Attacke 200 bis 250 Schritt[4] im Galopp vorschrieb, so hatte dies in dem damaligen Infanterie-Gewehr seinen Grund; bei den jetzigen weittragenden Präzisions-Waffen kommen wir jedoch auf 800 bis 1000 Schritt in eine derartige Feuer-Sphäre, welche von uns den langen allongirten[5] Galopp verlangt, Wenn wir nicht physisch und moralisch auf das Aeußerste geschwächt an den Feind kommen wollen, wo von das Mißlingen der Attacke die unbedingte Folge ist“[6].

Zum anderen verbreitete sich die anglomane Reiterei, welche weniger auf eine gymnastizierende Ausbildung der Pferde Wert legte und mehr dem naturreiterlichen Credo folgte: „das Gelände wird es schon richten“, wie eine Seuche – ab Mitte des 19. Jahrhunderts verstärkter – auf dem Kontinent und machte auch vor der Kavallerie nicht halt.

Das Ziel jeder Ausbildung ist, Pferd und Reiter zum Ritt querfeldein zu befähigen. Jagdspringen auf Turnierplätzen sind Vorbereitungen zum Querfeldeinritt. Niemals kann ein Turnierplatz so viel mannigfaltige Natürlichkeit bieten wie das freie Gelände. Für den ausgebildeten Reiter wird es kaum unüberwindliche Hindernisse geben, wenn er sich selbst und sein Pferd genügend geschult hat. Das Ueberwinden steilster Kletterpartien auf- und abwärts, breiter Gräben mit sumpfigen Rändern, selbst das Springen von Drahtzäunen kann durch Ausbildung erreicht werden.[7]

Wie man es den Worten des Freiherrn von Langen entnehmen kann, stellt diese (anglomane) Reiterei stärker den schneidig-sportlichen Aspekt (Jagdreiten, Springreiten, Rennreiten) in den Vordergrund und hat nichts am  Hut mit feiner Reitkunst oder Kavallerietaktiken, die umfangreich und fein ausgebildete Pferde erforderlich machten. Auch die Gesundheit der Pferde spielte und spielt in dieser modernen Reiterei nur eine sehr untergeordnete Rolle.

Diese neuzeitliche Gedankenkombination von Wissensfetzen: Beugung der Hinterhand (historische Form das Pferd vorne [relativ] aufzurichten) bei gleichzeitig stärkerem Vorwärts (moderne Anforderung an die Kavallerie), welche u.a. auch Waldemar Seunig sichtbar unreflektiert zusammensetzte, führt zu einer physikalische Unmöglichkeit, welche aber munter ignoriert wird, um den Traum einer RELATIVEN AUFRICHTUNG träumen zu können.

Das stärkere Vorwärts macht eine tiefe, gleichmäßige Durchbeugung der Hinterhand – Voraussetzung für eine RELATIVE Anhebung der Vorhand – völlig unmöglich und führt beim verzweifelten Versuch solche dennoch zu erreichen, zu gesundheitsschädlichen Methoden und dadurch bedingt vermehrtem Pferdeverschleiß!

Statt einer gleichmäßigen und deutlichen Durchbeugung der Hinterhand, mit der man bei den alten akademischen Meistern ein Pferd relativ aufrichten konnte, welche aber bei vermehrtem Vorwärts nicht möglich ist, versuchte man stattdessen nun die Hinterhand der Pferde immer weiter und weiter vortreten zu lassen.

Während die alten preußischen Stallmeister das „Gleichgewicht“ der Pferde darin erreicht sahen, dass die Hinterhand lediglich in den Hufabdruck der Vorhand tritt – dies aber auch nur dann, wenn die RÜCKENLINIE[8] des Pferdes bereits durch korrektes Aufrichten der Vorhand und leichter Senkung der Hinterhand (Arbeit von VORNE nach HINTEN und Lösen von Spezialaufgaben), in die Waagerechte gebracht werden konnte, sprach wiederum Waldemar Seunig davon, dass das Hinterbein der Pferde bis zu 1 ¼ Tritte[9] (!) über den Hufabdruck des Vorderbeines vortreten sollte.

Dies bewirkt zwar eine Beugung der Hanken[10], da sich bei diesem Vortritt des Hangbeins[11] das Knie soweit anhebt, dass der Hüftgelenkswinkel spitz wird. Allerdings werden dabei die unteren, schwächeren Gelenke (Sprung- und Fesselgelenke) gegen ihre Beugerichtung gestreckt, was Überlastungen dieser Strukturen vorprogrammiert. Physikalisch ist dieser Hebel nicht in der Lage, das Pferd vorne (relativ) anzuheben! Diese Pferde werden stattdessen – gesundheitsschädlich – hinten tiefer gelegt. Vorne bleibt das Pferd aber „auf der Vorhand“.

Hätte Seunig den Steinbrecht, auf den er sich oft bezieht, auch wirklich intensiv gelesen, wäre ihm der  Passus aufgefallen, in dem Steinbrecht davon spricht, dass, je weiter ein Pferd mit der Hinterhand vortritt, es umso vermehrter auf die Vorhand kommt![12]

Hinzu kommt noch, dass das moderne Vorwärts-Abwärtsreiten (auch in Dehnungshaltung) den Rumpfträger „ausleiert“ und Muskelgruppen fördert, welche bei korrekter Aufrichtung eigentlich „zurückgebaut“ werden müssten. Schmerzen in der Oberhals- der Nackenmuskulatur und dem Ober-Arm-Kopfmuskel sind vorprogrammiert.

Ein echtes AUFRICHTEN, bei dem der Buggelenkswinkel stumpf wird, sich also der Querarm (Oberarm) muskulär „konserviert“ vorne anhebt, das Buggelenk auf Höhe des Hüftgelenkes gebracht wird und die Winkel von Bug- und Hüftgelenk nahezu gleichwinkelig werden, so dass diese sich die Kräfte balancierter „zuwerfen“ können, kann es über die Methoden der modernen Reiterei NICHT geben!

Die heutigen Pferde, dies kann man auch in den höchsten Klassen der Dressur deutlich erkennen, kommen in ihrer „Aufrichtung“ so gut wie nie über die NATÜRLICHE HALTUNG und eine vorwärts-abwärts geneigte Rückenlinie hinaus.

Für die alten preußischen Stallmeister war diese Haltung, die das NATÜRLICHE PFERD, noch ungeritten, beim zwanglosen Bewegen von A nach B (und ohne die Nase durch einen Reiter – wie es heute geschieht – an die Senkrechte gezwungen zu bekommen), die von ihnen sogenannte und beschriebene TIEFE aus der heraus sie dann erst die Pferde aufzurichten begannen.

Leider meinte manch neuzeitlicher und heute hochgeschätzter „Meister“, in einem Irrglauben, die TIEFE wäre erst dann erreicht, wenn die Pferde mit der Nase am Boden schnüffeln würden – wie Jagdhunde oder Trüffelschweine. Aus dieser trainingstechnisch fragwürdigen und das Pferd demütigenden Haltung entwickelte sich die Vorwärts-Abwärts-Reiterei, die es davor zu keiner Zeit – und dies aus gutem Grunde – gegeben hat und die von hervorragenden Kavalleristen wie dem Generalmajor Carl Johann von Schmidt (1817 – 1875), auf das Allerschärfste verurteilt worden wären, da der Verlust an Pferden in der Kavallerie (schon in der Alltagsarbeit) durch eine solche Form der „Reiterei“ erheblich gewesen wäre!

Schon das zu seiner Zeit – und ohne Vorwärts-Abwärts – immer mehr zunehmende Galopptraining unter Reduzierung der dressurmäßigen Gymnastizierung der Pferde, führte zu einem hohen Pferdeverschleiß, was ihn veranlassten 1874 einen Bericht an die Armeeführung zu schreiben, in dem er forderte zu den Grundsätzen und Regeln der altpreußischen Dressurmethoden zurückzukehren:

„Das die Pferde vornehmlich im Winter-Halbjahr, und sodann fortgesetzt während der Sommerübungen, nach den Grundsätzen und Regeln der altpreußischen Dressurmethoden[13] in die ihrem Gebäude angemessene, richtige Haltung, Aufrichtung, Beizäumung und Versammlung gesetzt worden sind, dieselben sich nicht schwer auf die Zügel legen und nicht fest in der Hand ihrer Reiter, sondern in allen Theilen weich und nachgiebig sind, und ihre Hinterhand gebogen[14] und untergeschoben worden ist, damit dieselbe im Stande ist, vermöge ihrer Elastizität und Spannkraft das Gewicht und die Stöße elastisch aufzunehmen, und dadurch die Vorderfüße zu schonen und zu erleichtern.[15]

Leider verstarb dieser General, dessen Worte weit über die Kavallerie hinaus Gewicht hatte, ein Jahr später, im Jahre 1875, so dass es für ihn keine Möglichkeiten mehr gab, diese Forderung durchzusetzen – sehr zum Leidwesen der Pferde!


Autor: Richard Vizethum | Der letzte Stallmeister | Schule der Hippologie


[1] Waldemar Seunig | „Von der Koppel bis zur Kapriole. Die Ausbildung des Reitpferdes“ | 4. Nachdruck der Ausgabe Berlin 1943 | Georg Olms Verlag AG – Berlin | 2015 | Seite 184

[2] ANGLOMANIE, bedeutet die übertriebene Nachahmung alles Englischen.

Dies darf zunächst einmal als ein Kompliment für die englische Lebensart angesehen werden. Bezogen auf die Reiterei wurde darunter die Leidenschaft der Engländer für das Jagd-, Spring-, und Rennreiten verstanden. Eine Leidenschaft, welche sich mehr und mehr über England und Kontinentaleuropa hinaus ausbreitete. In England und Irland führte dies zu einer Verbesserung der Pferdezucht (Englisches Vollblut …), welche die schlechte Ausbildung der Pferde durch unzureichend gebildete Reiter kompensieren sollte.

[3] Ein KARREE (von französisch Carré, „Quadrat“) war im Militärwesen vom 17. bis vermehrter ins 19. Jahrhundert hinein eine Gefechtsformation der Infanterie mit nach vier Seiten hin geschlossener Front zur Abwehr von Kavallerie. Das Karree bot einen wirkungsvollen Schutz gegen Kavallerieangriffe, da es keine ungeschützte Flanke aufweist.

[4] Schritt ist ein Längenmaß  und entspricht 75,325 cm (Alter preußischer Schritt). Die angegebenen 200 Schritt beispielsweise sind umgerechnet 150,65 Meter. Die genannten 800 Schritt entsprechen 602,6 Meter. Diese 800 Schritt musst nach neuen Richtlinien ein Pferde pro Minute im Galopp zurücklegen (entspricht 36,2 Km/h). Ursprüngliche waren dies 500 Schritt (376,63 Meter oder 22,6 Km/h).

[5] Allongirt = gestreckt (z.B. starker Galopp, Carriere …)

[6] Generalmajor Carl von Schmidt |“Instruktionen des Generalmajors Carl von Schmidt, betreffend die Erziehung, Ausbildung, Verwendung und Führung der Reiterei“ | 1876 geordnet und in wortgetreuer Widdergabe der Originalien zusammengestellt durch von Bollard-Bockelberg | Verlag Ernst Siegfried Mittler und Sohn | Seite 3

[7] Carl-Friedrich Freiherr von Langen | „Reiten über Hindernisse“ | 1931 | Nachdruck Olms-Verlag 1996 | Seite 36

[8] RÜCKENLINIE: Es werden hier nur die Wirbelkörper der Wirbelsäule ohne obere Dornfortsätze betrachtet.

[9] Quelle wird nachgereicht

[10] Hanken nach der Lehre vom Gralsweg: Hüftgelenkswinkel (Kreuzbein – Hüftgelenk – Kniegelenk. Das Sprunggelenk wird nicht dazugezählt (dies führt zu fehlerhaften Methoden bei der Ausbildung der Hankenbeugung.

[11] Vorschwingendes Hinterbein

[12] Quelle wird nachgereicht

[13] General von Schmidt spricht sich hier für die altpreußischen Dressurmethoden von vor 1806 und im Grunde noch etwa bis 1848 aus.

[14] Der Begriff „Biegen“ bedeutet: das Biegen in den Gelenken, Genick, Rücken und Hinterhand und geringgradig das seitliche Biegen, welches man neuzeitlich diese Begriff zuschreibt und damit den ursprünglichen Begriffsinhalt konterkariert.

[15] Kaehler | „Die preußische Reiterei von 1806 bis 1876 in ihrer inneren Entwicklung“ | 1879 | Verlag Ernst Siegfried Mittler und Sohn | Nachdruck Europäischer Geschichtsverlag 2015 | Seite 330f

Aufrichtung – Die Schnelldresseure

LEHRE VOM GRALSWEG – Aus dem Kapitel: „Wege und Irrwege der Aufrichtung – Teil 3“

In allen Zeiten gab es Reiter, welche die Pferde in die Formen der HOHEN SCHULE (hohe Aufrichtung – tiefe Beugung) bringen wollten, allerdings nicht bereit waren, sich mit dem langwierigen Aufbauprozess von Schulpferden auseinanderzusetzen. Sie glaubten in kurzer Zeit die notwenige Form der Pferde herzustellen, wozu man in der akademischen Reiterei Jahre brauchte.

Nach Prinzipien älterer Zeit glaubte man die Gleichgewichtstellung dadurch herbeizuführen, daß man zuvörderst die Nase des Pferdes hoch heraufhob und mit beinahe waagerechter Kopfstellung mit dem Oberhauptbein den Hals hoch herauf- und zurückarbeitete; doch vieljährige Erfahrungen stellten dieses Verfahren nicht allein als weniger zweckmäßig, sondern als nachtheilig heraus, denn, ungeachtet die Nase des Pferdes höher kam, so blieb die Körperlast doch vorhängend, die Hinterfüße traten nicht nach, sie steiften sich, die Vorderbeine wurden struppirt [überlastet – Anm.d.Red.], Hirschhälse sah man hervordrücken ([dort] Taf.IV Fig. 3.), welche wieder Veranlassung zu unsteter Kopfstellung gaben. [1]

Diese von E.F. Seidler beschriebene und zu Recht kritisierte, unnatürliche  Vorgehensweise, deren Anwendung sich nicht nur auf die „ältere Zeit“ beschränkte, wandten die Verfechter dieser „Methode“ bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt der „Ausbildung“ an.

Mit der „Trense bäumt(e)“ man und um die dadurch hervorgerufene nahezu waagerechte Kopfstellung des jungen Pferdes schließlich zu korrigieren, wurde mit der „Kandare (ge)zäumt“. Dieses „Aufrichten“ von Hals und Kopf führte zu einem Abknicken im Übergang zwischen der Hals- und Brustwirbelsäule, verursachte Schmerzen und führt, daraus resultierend zu Abwehrreaktionen beim Pferd. Die Konsequenz dieses Vorgehens waren körperlich und seelisch stark angefasste Pferde, welche sich bei jeder Gelegenheit aus dieser Zwangshaltung, „keinem Zügel mehr gehorchend“,  herausschnellten.

Das Herantreiben der Hinterhand wiederum überlastete die zu Beginn einer Ausbildung noch schwache Struktur der Hinterhand, was ebenfalls zum Widerstand der Pferde beitrug.

Zu diesen Schnelldresseuren gehörte in seiner Entwicklung sehr lange auch der Franzose Francois Baucher[2], den man in seiner Zeit und danach gerne irgendwo zwischen „Genie“ und „Scharlatan“ einordnete. Die preußische Kavallerie stellte 1842 ein komplettes Regiment ab, um nach Bauchers, damals 1. Manier[3] zu arbeiten. Das Ergebnis war mehr als ernüchternd:

Es war nun im Jahre 1842, wo das Schwester-Regiment[4] unserer Brigade den Auftrag erhielt, nach dem damals die Reiterwelt in Unruhe versetzenden neuen ‚System‘ Baucher die Pferde auszubilden, welches 1843 nach dem grossen Kavalleriemanöver unter Wrangel bei Berlin so eklatante Misserfolge zeigte, dass diese unbedingte Beizäumungsmethode[5] für ewige Zeiten untersagt wurde, denn die Pferde schnellten sich aus derselben heraus, keinem Zügel mehr gehorchend.[6]

Diese Erkenntnis führte bei der preußischen Kavallerie zu einer nachhaltigen Ablehnung der Methode Baucher. Dies aber hatte rein pragmatische und keine nationalistischen Gründe, wie häufig behauptet wurde.

Die Baucherschen Pferde sind vom Standpunkte der Kriegsbrauchbarkeit aus betrachtet gänzlich roh, und viel unbrauchbarer als die Pferde der Anglomanen.[7]

Aber nicht nur der Ehrgeiz so manches „Reitmeisters“ führte zu derartigen Aufrichtungsexzessen.

1806 verlor Preußen im „Vierten Koalitionskrieg“ insbesondere in der Doppelschlacht von Jena und Auerstedt gegen Napoleon, was den militärischen und politischen Zusammenbruch Preußens bedeutete und in dessen Folge, die preußische Kavallerie alle ihre gutgerittenen Pferde an die Franzosen verlor.

Mit dem Frieden (1814/15) hatten die Preußen also keine Pferde mehr im Land und sie waren gezwungen ihre Remonten „aus ukrainischen, bessarabischen und moldauischen Steppenwildlingen“[8] zu rekrutieren. Pferde, die „über keine Brücke gingen, und in den Ställen alles zerrissen und zerschlugen“[9] Diese Pferde waren so unberechenbar, dass sie vom Nebenstand aus gefüttert und mit Striegeln an der Stange geputzt werden mussten. Das Reiten auf diesen Tieren war durchaus lebensgefährlich, was ein Satz von Waldemar Seunig drastisch illustriert:

Viele Opfer blieben damals auf den Schlachtfeldern der Reitplätze, nicht nur Wildlinge, die absolut nicht einsehen wollten, wozu sie eigentlich auf der Welt seien, auch Reiter und Wartungspersonal[10]

1825 und 1826 gelangte eine, von Generalmajor Friedrich Georg von Sohr verfasste, 4-teilige REITINSTRUKTION[11], zur Ausgabe an die Truppe. Diese blieb mehr als ein halbes Jahrhundert hindurch die bindende Regel für die gesamte Reitausbildung der preußischen und der deutschen Kavallerie.

In dieser Instruktion  trug von Sohr der „Qualität“ dieser Pferde und der Schwierigkeit im Umgang mit diesen, insofern Rechnung, als er darin die Anleitung zu einem „beschleunigten Verfahren gewaltsamer Bändigung“ gab, zu dem es auch gehörte, den Hals der Pferde hoch und senkrecht zurückzurichten, wobei die Köpfe in einem Winkel von 45 Grad zum Hals stehen sollten.

Was sowohl dieser Reitinstruktion aber insbesondere den „Schnelldresseuren“ damit leider gelang, war die nachhaltige Etablierung des Bildes eines Pferdes, mit senkrecht gestelltem Hals, hohem, fast waagerecht gehaltenem Kopf, herausgedrücktem Unterhals, ausstehenden Hinterbeinen, und den damit entstehenden Eindrucks eines weggedrückten Rückens.

Eines Bildes, welches dem des „Sternenguckers“ entspricht, einer Haltung, die manch unzureichend vorbereitete Pferde aus Angst oder Schwäche  beim ersten Kontakt mit dem Reitergewicht nach einem Anspannen, durch krampfhaftes Abspannen einnehmen.

Dieses Aufrichten, welches in keiner Weise etwas mit Reitkunst gemein hat, und das dadurch entstandene Bild in den Köpfen der Reiter, wird in der Neuzeit oft mit dem Begriff ABSOLUTE AUFRICHTUNG völlig fehletikettiert und als Gegenposition und damit Legitimation für VORWÄRTS-ABWÄRTS in vielen Werken von Ausbildern, Therapeuten und Tierärzten dargestellt und propagiert.

Dieses unschöne Bild, eines durch FALSCHE AUFRICHTUNG traktierten Pferdes, hat leider auch dazu geführt, dass alle Formen korrekten, sukzessiven Aufrichtens (wie beispielsweise durch die genialen preußischen Stallmeistern durchgeführt), weitgehend unbeachtet blieben und dadurch der Vergessenheit anheimgestellt wurden.

Womit ein sehr elementarer Teil der so notwendigen UMFORMUNG des Pferdes kaum mehr (lediglich nach meiner LEHRE VOM GRALSWEG) in seiner ursprünglichen pferdeschonenden und sehr wissenschaftlich-überlegten Form stattfindet. Übergeht man aber diesen wichtigen Umformungsschritt, dann funktionieren die Logiken alter Reitanweisungen nicht mehr und man öffnet weiteren Fehlinterpretationen Tür und Tor.

Die gesamte SKALA DER AUSBILDUNG, deren Basis man in völliger Selbstüberschätzung als „unumstößlich“ und „klassisch“ bezeichnet, ist gespickt von solchen Fehlinterpretationen und den zwangsweise darauf folgenden fehlerhaften Methoden.


Autor: Richard Vizethum | Der letzte Stallmeister | Schule der Hippologie


[1] Ernst Friedrich Seidler | „Die Dressur diffiziler Pferde“ | 2. Nachdruck der Ausgabe Berlin 1846 | Olms-Verlag 1990 | Seite 96

[2] Francois Baucher, mit dem ich mich sehr intensiv beschäftig habe, wird von mir, nach all meinem Wissen über seine Vorgehensweise, als ein Scharlatan eingestuft, wenn auch mit gewissen Talenten. Das was er als neu bezeichnet hat, war meist schon vor seiner Zeit bekannt und jenes, was tatsächlich neu war brauchte keine Pferd (eher Zirkus). Der Hype um Baucher war und ist nur zu verstehen im Kontext einer immer stärker aufkommenden anglomanen Reiterei, die sich mehr und mehr auch in die Militärreiterei (mit d’Aure, einen Konkurrenten und Widersacher von Baucher, in die Cadre Noir) einschlich und in der heutigen Zeit die gesamte Reiterei prägt.

[3] Nach meinem Dafürhalten ist eine Einteilung der Baucherchen Entwicklung in 1. und 2. Manier nicht zulässig, da Baucher über die Auflagen seines Werkes hinweg, sich ständig weiterentwickelte. Die Zäsur, nach dem „Kronleuchter-Unfall“, die als Übergang von einer 1. Manier zu einer 2. Manier von vielen Autoren genannt wird, gab es im Grunde nicht!

[4] Es handelte sich um das 7. Kürassier-Regiment (siehe auch Seunig) in Quedlinburg

[5] Die Begrifflichkeit „unbedingte Beizäumungsmethode“ könnte von Otto von Monteton von Plinzner unbewusst übernommen worden sein, welcher zu dieser Zeit (1899) aktiv war – auch mit Veröffentlichungen.

[6] Otto Digeon von Monteton | „Über stätische Pferde“ |  Verlag von Schickhardt & Ebner (Konrad Wittwer) 1899 | 7. Heft | Teil eines Nachdrucks Olms-Verlag 1992 | Seite 19

[7] Otto Digeon von Monteton | „Über die Reitkunst“ | 1877 | Nachdruck Olms-Verlag 1995 | Kommentar auf Seite 177

[8] Waldemar Seunig | „Von der Koppel bis zur Kapriole“ | 4. Nachdruck der Ausgabe von 1943 | Verlag Olms | Seite 49

[9] von Monteton: Über die Reitkunst (1877)

[10] Waldemar Seunig | „Von der Koppel bis zur Kapriole“ | 4. Nachdruck der Ausgabe von 1943 | Verlag Olms | Seite 49

[11] Friedrich Georg von Sohr | „Instruktion zum Reit-Unterricht für die königlich preußische Kavallerie | 1825/1826

Selbstbetrug Sperrriemen

Selbstbetrug Sperrriemen

Blättert man durch diverse Kataloge von Reitsportausstattern, dann kann man eine bedauerlichen Fakt erkennen: Kaum ein Kopfstück für die Bereiche Dressur, Springen, Vielseitigkeit … ist ohne Sperrriemen zu bekommen. Ja selbst im Galopprennsport halten Sperrriemen inzwischen Einzug.

Die Reitsportausstatter demonstrieren damit neben völliger Ignoranz, nur ihr Bestreben eine große Nachfrage zu bedienen. Eine Nachfrage, die sie inzwischen durch ihr breites Angebot – bei dem das Wohlbefinden des Pferdes keine Rolle zu spielen scheint – gezielt steuern.

Auch die Reiter und Ausbilder, die diesen Riemen nutzen und damit dem Pferd das Maul zuschnüren oder diesen bei „Problemen“ gerne empfehlen, lassen dadurch nur erkennen, dass ihnen schlichtweg Wissen fehlt. Wissen über die Physik und über die Psyche des Pferdes.

Wenn das Pferd jedoch versucht das Maul aufzusperren, so hat das irgendeinen Grund, den man finden und abstellen sollte – einfaches Zusperren des Maules ist Selbstbetrug

(Paalman Anthony – Springreiten – 1989)

Genau diese Worte des bekannten Springreiters und Parcours-Bauers Anthony Paalman, sollten allen Nutzern des Sperrriemens zu denken geben.

Pikant dabei ist, dass es auch ein experimentierfreudiger SPRINGREITER war, der den Pull(er)riemen des Worcester-Reithalfters missbrauchte, um dem Pferd das Maul zuzubinden, sehr zur Freude der damaligen Reiterschaft. Vermutlich hoffte er dabei, seine reiterliche Unfähigkeit zu kaschieren, denn im Gegensatz zu Paalman hatte dieser Mensch nichts vom Reiten verstanden.

Warum nun aber kommt jemand auf die Idee, dem Pferd das Maul zuzubinden?

Der Erfinder des Hannoverschen Sperrhalfters (wahrscheinlich der Herr von Oeynhausen) wollte dadurch möglicherweise  verhindern, dass die reiterlich wenig begabten Eleven der Kavallerieschule in Hannover den Pferden im Maul herumfuhrwerkten und diesen so Schaden zufügten. Ein durchaus, für die damalige Zeit, nachvollziehbarer Grund.

Aber warum dieses Zubinden des Pferdemauls durch die Nutzung des Sperrriemens noch steigern?

Na ja, sieht halt nicht schön aus, wenn das Pferd das Maul aufreißt, maulig ist, die Zunge ständig verdreht oder diese dabei sogar über das Gebiss bringt.

Dagegen „hilft“ Zubinden eben!

Die genannten Verhaltensmuster der Pferde sind aber keineswegs von Natur gegeben und dem Pferd anzulasten. Über 95% der Ursachen kann man getrost beim Reiter und dessen harter und unruhiger Hand, aufgrund eines wenig losgelassenen Sitzes und falscher Lehren suchen. Dies allerdings mag man sich nicht allzu gerne eingestehen. Lieber kaschiert man optisch.

So eine FALSCHE LEHRE und neuzeitlicher Unsinn ist die propagierte und bis in extremen Bewegungen von Reitern aller Klassen demonstrierte MITGEHENDE HAND.

Einige Pferde ertragen diese Tortur, indem sie mit der Zunge das Mundstück gegen den Gaumen drücken und so den ständigen Bewegungen des Mundstücks entgegenwirken können.

Viele andere Pferde aber drücken dies durch eine (ungute) Verstärkung der Maultätigkeit (z.B. „Kampfkauen“ …) als ÜBERSPRUNGSREAKTION aus. Manch pferdefreundliches menschliches Wesen sieht darin die Ablehnung der Trense! Mitnichten! ES IST DIE ABLEHNUNG EINER UNRUHIGEN REITERHAND!

Nebenbei bemerkt: Wer von ANLEHNUNG spricht sollte NIEMALS eine mitgehende Hand haben! Denn beides widerspricht sich!

Die Hand des Reiters sollte (bis auf kleine Korrekturen) stets STILLSTEHEN, sie sollte WEICH (runde Hand) und SCHNELL (bei Korrekturen) sein.

Die Reiterhand ist nicht zum (direkten) Lenken des Pferdes da!

Durch den Sperrriemen (für den es KEINE korrekte Verschnallung gibt!) wird auch die Aktivität des ZUNGENBEINS stark behindert. Das ist übel!

Noch übler aber ist es, dass der Sperrriemen verhindert, dass das Pferd sich selbst – von leichteren Blockaden des Zungenbeins – durch Verdrehen der Zunge befreien kann.

Der SPERRRIEMEN IST URSACHE UND LÖSUNGSVERHINDERER gleichzeitig.

Bitte ÜBERDENKT DIE NUTZUNG DES SPERRRIEMENS! Glaubt nicht an Ausbilder oder wohlmeinende „Bandenprofis“, die diesen bei einem „Problem“ empfehlen, denn es gibt IMMER EINE BESSERE UND PFERDEFREUNDLICHERE LÖSUNG! Korrektes, pferdefreundliches Reiten kennt keinen Sperrriemen!

Text wurde bereits vor ein paar Jahren vom Autor veröffentlicht ist aber aktueller den je!


Autor: Richard Vizethum | der letzte Stallmeister | Schule der Hippologie


Der Text auch als Podcast (einfach auf den Abspiel-Button drücken) …


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