Rücken- und Schenkelgänger

Rücken- und Schenkelgänger

1882 erschien in 1.Auflage im Hahnverlag das Buch „Die Bearbeitung des Reit- und Kutschpferdes zwischen den Pilaren“ Autor war Bernhard H. von Holleuffer (*1827- † 1888)[1].

Er gilt bei vielen als derjenige, der die Begriffe „RÜCKENGÄNGER“ und „SCHENKELGÄNGER“ erstmalig erwähnte. An anderer Stelle werden die Gebrüder Günther (1859) sowie d´Elpons (1877) genannt.

In seinem Buch schrieb von Holleuffer:

Man unterscheidet deshalb Rückengänger und Schenkelgänger. Die letzteren verrichten die Bewegungen ohne Mitgebrauch der Wirbelsäule, die Bewegungen sind hart oder gespannt, nicht raumgreifend, entweder übereilt oder träge, sie richten ihre Beine und die Reiter zugrunde, sie stehen entweder hinter dem Zügel oder liegen tot auf demselben und sind nicht zuverlässig im Gehorsam“[2].

Die Rückengänger bedienen sich dagegen bei allen Bewegungen der Schwingungen nach vorn und nach unten: je kräftiger und spielender diese sind, je aktiver und raumgreifender, je weicher und elastischer, frischer und entschlossener sind die Bewegungen, die Pferd und Reiter gesund erhalten und das Erstere dem Letzteren in vollkommenem Gehorsam in die Hand spielen.“[3]

Allerdings irrte sich von Holleuffer in seinem Glauben, dass diese Schwingungen in einem sich bei jeder Bewegungsfolge wiederholenden Auf- und Abwölben der Wirbelsäule bestehen.

Dies aufzuklären blieb Gustav Steinbrecht in seinem 1885 erschienenen und von Paul Plinzner aus Steinbrechts Notizen verfassten Werkes „Das Gymnasium des Pferdes“,  sowie dem Schweizer Pferdearzt Hermann Schwyter mit seiner 1907 erschienenen Arbeit „Über das Gleichgewicht des Pferdes“ vorbehalten. Sie führten Holleuffers Theorie „auf ihr richtiges Maß – den HERGEGEBENEN RÜCKEN – zurück“. Aber auch diese Herren brachten nur altes Wissen zu neuen Geltung. Der HERGEGEBENE RÜCKEN und das genaue Verständnis darüber was man darunter zu verstehen hatte, existierten, als feststehende Begrifflichkeit, schon lange vor ihnen, war aber durch Ignoranz der Vergessenheit anheimgestellt worden.

Dieser HERGEGEBENE RÜCKEN war schon bei  E.F. Seidler elementar. Dieser widmete in seinem Werk „Die systematische Bearbeitung des Campagne- und Gebrauchs-Pferdes“ (1837) dem „hergegebenen Rücken“ viel Raum[4]. Auch wies er, ohne den Begriff „Schenkelgänger zu gebrauchen, auf die Gefahr eines „KRAMPFHAFT ANGESPANNTEM  RÜCKEN“[5] hin:

Den Stichtrab muß man bei jungen Pferden in erster Zeit unterdrücken, weil sie diesen nur mit krampfhaft angespanntem Rücken hervorbringen.“ [6]

Was nun aber ist dieser „hergegebene Rücken“ eigentlich?

Ganz schlicht und einfach gesagt: ER IST NICHT KRAMPFHAFT ANGESPANNT – nicht mehr, aber auch nicht weniger!

Was er aber NICHT ist, er ist KEIN AUF- UND ABSCHWINGENDER Rücken, welchem die Rückenfanatiker – die Biomechanik des Pferdes völlig ignorierend – huldigen.

Diese fragwürdige Aussage des Herrn von Holleuffer hat sich leider tief in die Köpfe einiger neuzeitlicher anglomaner Reitergenerationen gefräst und führt zu völlig unsinnigen Trainingsmethoden – wie beispielsweise VORWÄRTS-ABWÄRTS, aber auch ROLLKUR!

Und es führt dazu, dass wirklich gut ausgebildete und gut gehende Pferde mit Kritik überhäuft und diffamiert werden und damit besteht die große Gefahr, dass die GUTEN BILDER mehr und mehr aus unseren Köpfen verschwinden werden.

REITEN UND REITKUNST ADE!


[1] Bernhard Hugo von Holleufer war ein Königlich Preußischer Stallmeister am Militärreitinstitut Hannover

[2] Bernhard Hugo von Holleufer (oder auch Bernhard Hugo von Holleuffer) | „Die Bearbeitung des Reit- und Kutschpferdes zwischen den Pilaren“ | 1882 | Hahn ’sehe Buchhandlung – Hannover | Seite 37

[3] Bernhard Hugo von Holleufer (oder auch Bernhard Hugo von Holleuffer) | „Die Bearbeitung des Reit- und Kutschpferdes zwischen den Pilaren“ | 1882 | Hahn ’sehe Buchhandlung – Hannover | Seite 37

[4] Ernst Friedrich Seidler | „Die systematische Bearbeitung des Campagne- und Gebrauchs-Pferde“ | Ernst Siegfried Mittler Verlag | 1837 | Seiten: 6, 10, 32, 39, 40, und viele Seiten mehr

[5] Ernst Friedrich Seidler | „Die Dressur diffiziler Pferde“ | 2. Nachdruck der Ausgabe Berlin 1846 | Olms-Verlag 1990 | Seite 137f

[6] Ernst Friedrich Seidler | „Leitfaden zur systematischen Bearbeitung des Campagnen- und Gebrauchspferdes“ | Eigenverlag – Gedruckt in der Dietericischen Buchdruckerei (E.G. Mittler) – Berlin | 1837 | Seite 41


Autor: Richard Vizethum | Schule der Hippologie

Buckeln Pferde aus Freude?

Buckeln Pferde aus Freude?

13.3.1. | Machen Pferde „Freudenbuckler“, wie dies oft in so manchen „Ausbruch“ eines Pferdes hineininterpretiert wird? Um diese Frage zu beantworten ist es erforderlich, sich zunächst noch einmal zu vergegenwärtigen, wie sich die Emotion FREUDE [10.2.8.2.3.] definiert. Freude leitet sich aus der Ur-Emotion WUT ab, die dazugehörige Reaktionsoption ist ANGRIFF. Betrachten wir nun im Folgenden verschiedene Situationen, in denen es zu vermeintlichen „Freudenbuckler“ kommt.

13.3.1.1. | Pferde, die früher über Nacht in Ständern oder später dann auch in Boxen aufgestallt waren, zeigten mitunter „Temperamentsausbrüche“, wenn sie frühmorgens zur Arbeit geholt wurden. Dies wurde als STALLMUT bezeichnet, deren Ursache man in der nächtlichen Bewegungseinschränkung sah. SPANNUNGEN und der Wunsch diese zu lösen, sind hier der Grund für den einen oder anderen Bocksprung. In den Sprüngen selbst richtet sich die „WUT“ des Pferdes gegen eine innere Spannung, welche das Pferd durch einen „Angriff“ (Bocksprung) abzuwehren sucht.

13.3.1.2. | Während die Gründe für STALLMUT damals, als die Pferde noch viele Stunden des Tages arbeiten mussten, ihre Berechtigung gehabt haben mögen, denn der Stillstand der Nacht sorgte für SPANNUNGEN, die das Pferd nun durch Buckler zu lösen suchte, kommt in der heutigen Zeit ein weiterer Aspekt hinzu:  Immer noch stehen Pferde lange Zeit – oft tagelang – in Boxen weggesperrt, weil deren Besitzer, in sträflicher Weise, nur gelegentlich mal vorbeikommen. Die Fütterungszeiten stellen dabei für ein solches Pferd die wenigen Highlights, eines ansonsten eintönigen Tages dar. Holt man nun das Pferd aus der Box, so wird es beim Verlassen des Stalles erstmal nach vielen Stunden wieder, mit einer Vielzahl von Reizen konfrontiert, auf welche es zunächst mehr oder weniger stark mit Nervosität (Emotion ANGST) und mit der Reaktionsoption FLUCHT reagieren wird. Buckelt das Pferd dabei allerdings, dann hat ein Wechsel vom Flucht- zum Angriffsmodus (Ur-Emotion Wut oder Ableitung davon) stattgefunden. Von Freude keine Spur!

13.3.1.3. | Immer wieder kann man beim SPRINGREITEN Pferde sehen, welche nach dem Überspringen eines Hindernisses, einen oder mehrere Buckler zeigen. Solches Verhalten hat überhaupt nichts mit FREUDE zu tun, sondern ist die Konsequenz von Schmerzen (Rücken etc.) oder „nur“ von Spannungen, auf welche das Pferd nun instinktiv reagiert. Das Pferd ist im Angriffsmodus gegen den Schmerz oder die (Ver)Spannungen.

13.3.1.4. | Werden Pferde zum erste Mal, nach der langen Winterpause auf die Weide gelassen, dann rennen sie erst eine Weile und es kommt dabei auch zu dem einen oder anderen Bocksprung. Was wir nun als „Freudensprünge“ interpretieren, ist schlicht das Auflösen einer Spannung. Eine angespannte Phase des KÖRPERLICH UNWOHLFÜHLENS, weil der Zugang zu frischen Gras versperrt war, löst sich nun auf. Auch an der Mimik der Pferde kann man erkennen, dass sie näher an der Ur-Emotion Wut, als an der, daraus abgeleitete, Emotion FREUDE stehen. Mitunter sieht man auch ein gewisses kurzes Angriffsverhalten wenn zwei Pferde sich einander annähern. Hier versuchen Pferde einen „territorialen Anspruch“ auf ein Stück Grasland deutlich zu machen, d.h. es findet ein, mehr oder weniger spielerischer Ressourcen-Konflikt statt.

13.3.1.5. | Man mag nun einwenden, dass Fohlen schon mal gerne über die Weide oder im Spiel mit anderen Jungtieren buckeln – vermeintlich aus Freude. Doch auch hier ist nicht (Lebens-)Freude das auslösende Momentum, sondern und dies überwiegend bei Hengsten (Wallachen), das Kennenlernen des eigenen Körpers, die instinktive, natürliche Vorbereitung auf den Kampf. Bei Stutfohlen (Ausnahme: hengstige Stutfohlen) sieht man ein derartiges Verhalten so gut wie überhaupt nicht.

13.3.1.6. | Was man immer bei der Beurteilung solchen Verhaltens beachten sollte, ist das Grundgesetzt, welches dieses Verhalten bestimmt und dies ist der SINN DES LEBENS [2.], sprich das ÜBERLEBEN! Zuviel Bewegung macht sichtbar! Für ein Flucht- oder Beutetier kann dies den Tod, für ein Raubtier den Verlust der potenziellen Beute bedeuten. Der menschliche Wahn: Veränderung bedeutet Leben ist in Wahrheit für das Überleben kontraproduktiv!

13.3.2. | Nein, Pferde machen keine „Freudenbuckler“! Zumindest nicht in der Form, die wir uns gemeinhin darunter vorstellen (Jubel, Trubel, Heiterkeit), sondern sie zeigen mehr oder weniger starke Abstufungen zwischen der Ur-Emotion WUT und der aus dieser über die SCHADENFREUDE abgeleiteten Emotion FREUDE.

Auszug aus der Rohfassung meines Buches
Emotion – Überlebenshelfer und Störenfriede


Autor: Richard Vizethum | Schule der Hippologie

Curriculum Vitae | Lebenslauf

KURZPROFIL

Langjährig, bis April 2003, in verantwortlichen Positionen im Controlling der Versandhäuser Quelle AG und Neckermann Versand AG tätig. Vom April 2003 bis November 2009 in der Quelle als Leiter Informationsmanagement und Einkaufservice der Warenwirtschaft leitender Angestellter.

Mitglied des Oberen Führungskreises der Quelle GmbH, der Neckermann Versand AG und der Primondo GmbH. Des Weiteren, Expertise im Beratungsgeschäft. Visionär und Entwickler u.a. des hochinnovative und mit dem Business-Intelligence-Best-Practice-Award 2008 ausgezeichnete Web-Informations- und Wissensmanagementkonzept „Business@Times“, das die Informationsversorgung der Entscheider auf allen Ebenen eines Unternehmens professionell sicherstellt.

Herausragende Versandhandelskenntnisse, ein hohes mathematisch-analytisches Verständnis. Darüber hinaus ausgeprägte Kenntnisse in System- und Chaostheorie und ein großes pädagogisches Geschick. Führungspersönlichkeit, mit der Fähigkeit Höchstleistungsorganiationen zu schaffen und in Krisen- und Extremsituationen motivierend und erfolgreich zu führen. Langjährige Erfahrung in erfolgreicher Korrektur körperlich diffiziler sowie verhaltensauffälliger Pferde unterschiedlichster Rassen (vom Zwerg-Pony bis zum Shire Horse).

Neben einem Studium der Betriebswirtschaft an der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie wurde ein Gaststudium der Philosophie an der Fernuniversität Hagen absolviert. Erfolgreicher Speaker auf verschiedenen Konferenzen und Workshops.

BERUFSPRAXIS


09/2011 – Heute

SCHULE DER HIPPOLOGIE
Ausbildung von Pferd und Reiter nach meiner LEHRE VOM GRALSWEG
A.R.T. LEADERSHIP
Führungs- und Individual-Coaching

01/2010 – 12/2010

coretelligence GmbH & Co. KG, Bad
Senior Management Berater und Kennzahlen-Profiler, Zuständig für die Entwicklung von neuen, innovativen Beratungsformaten und Informations- und Wissenskonzepten.

01/2006 – 12/2009

Quelle Gmbh, Fürth
Bereichsleitung Informationsmanagement und Einkaufsservice der Warenwirtschaft.
Leitender Angestellter der Quelle GmbH und Mitglied des oberen Führungskreises der Primondo-Versandhandels-Holding GmbH.

04/2003 – 12/2005

Quelle GmbH, Fürth und Neckermann Versand AG, Frankfurt a.M.
Bereichsleitung Informationsmanagement und Einkaufsservice der Warenwirtschaft.
Leitender Angestellter der Quelle GmbH, der Neckermann Versand AG und Mitglied des oberen Führungskreises der Primondo-Versandhandels-Holding GmbH.

06/2002 – 03/2003

Quelle GmbH, Fürth und Neckermann Versand AG, Frankfurt a.M.
Leitung Planung und Controlling Vertriebswege und Marketing
Stellvertretender Bereichsleiter Controlling Ressort Vertrieb Quelle und Neckermann.

02/1998 – 06/2002

Quelle Versand AG, Fürth
Leitung Planung und Controlling Systemkunden

09/1992 – 01/1998

Quelle Versand AG, Fürth
Referent Planung und Controlling Quelle Shops

07/1990 – 08/1992

Quelle Versand AG, Fürth
Wissenschaftlicher Mitarbeiter Planung und Controlling Einkauf Technik und Hartwaren

07/1988 – 08/1991

Quelle Versand AG, Fürth
Mitglied des Junior-Controller-Kreises

10/1986 – 06/1990

Quelle Versand AG, Fürth
Sachbearbeiter Planung und Controlling Quelle Technik-Center

12/1983 – 09/1986

Quelle Versand AG, Fürth
Rampenmeister Wareneingang Werbemittelversand

01/1982 – 11/1983

Quelle Versand AG, Fürth
Lager und Transportarbeiter
Werbemittelversand

01/1978 – 12/1981

Bundeswehr – Zeitsoldat
Ausbilder, Gruppen- und Zugführer, Batterietruppführer.
08/1979 Beförderung zum Unteroffizier
10/1980 Beförderung zum Stabsunteroffizier


STUDIUM UND AUSBILDUNG

09/1991 – 07/1994

Fernuniversität Hagen
Fakultät Philosophie
Gaststudium der Philosophie

09/1987 – 04/1991

Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie Nürnberg
Studium Betriebswirtschaft, Volkswirtschaft, Recht.
Abschluss: Betriebswirt VWA

10/1979 – 07/1980

Berufsförderungsdienst der Bundeswehr
Abendkurs Bürokaufmann
Abschluss: Bürokaufmann IHK


AUSGEWÄHLTE WEITERBILDUNGEN

  • Hauser-Consulting
    Management-Forum (über 1 Jahr) – Führungscoaching für Mitglieder des oberen Führungskreises (Quelle, Neckermann).
  • St. Galler Business School
    Intensivseminar General-Management und Strategisches Management
  • Controller-Akademie
    Kurse 1+2 und OLAP-Datenbank-Management

KENNTNISSE UND FÄHIGKEITEN

  • Führungsbefähigung in Krisensituationen und unter Extrembedingungen
  • Entwicklung von Höchstleistungs-Organisationen
  • Chaos- und Systemtheorie
  • Große analytische Fähigkeiten („brillanter messerscharfer analytischer Verstand“ Zitat aus Führungskräftebewertung)
  • (Semantische) Business Intelligence
  • Competititv Intelligence
  • Supply-Chain-Management
  • Komplexitätsmanagement
  • Entwicklung lernender Organisationen
  • Systemtheoretische Analysen von Gesellschaften, ökonomischen und ökologischen Systemen
  • Herausragende Versandhandelskenntnisse
  • Konflikt-Management

AUSZEICHUNGEN

Business Intelligence Best Practice Award 2008

Dieser Award wird seit 2005 jährlich durch eine Jury aus anerkannten und unabhängigen Experten aus Wissenschaft nd Praxis vergeben.

                                       

VORTRÄGE AUF KONFERENZEN UND WORKSHOPS

  • Controllerverein – Arbeitsgruppe Franken März 2011 (Hann.Münden)
  • BI Best Practice Workshop – Universität St.Gallen / MAN – Oktober 2010 (München)
  • Technische Universität Bergakademie Freiberg Januar 2010 (Freiberg)
  • Konferenz Stammdatenmanagement 2008 (Bad Homburg)
  • TDWI BARC – Kongress 2008 (München)
  • DW Konferenz 2008 (St.Gallen)
  • Zukunftswerkstatt IT (Nürnberg)
  • BI-Tagung BMW Group 2009 (München)
  • Gesellschaft für Operations Researche e.V. – Arbeitsgruppe Prognoseverfahren 2009 (Nürnberg)
  • Controllerverein – Arbeitsgruppe Franken 2006 (Nürnberg)  
  • Juror TDWI BARC – Best Practice Award 2009                          

Gedanken über die Reitkunst

Reitkunst ist die aus Wissen und Erfahrung erwachsene Kunst jedes Pferd schöner, stolzer und stärker zu machen, als die Natur es schuf.

Richard Vizethum

Von allen Künsten ist die Reitkunst wohl die Anspruchsvollste.

Sie gehört, will man sie einordnen, sowohl zu den bildenden Künsten (durch die Umformung eines natürlichen Pferdes zu einem Reitpferd – also die räumlichen Verhältnisse der Kunst) aber auch zu den mimischen Künsten (durch den Ausdruck des Tanzes, als räumlich, zeitliche Verhältnisse).

In der REITKUNST ist das Kunstwerk – jenes vergängliche Werk – das zum Reitpferd umgeformte, rittige und ich möchte noch hinzufügen, an Körper und Geist dauerhaft gesunde Pferd.

Wahre Kunst offenbart sich nicht im Ausdruck grenzenloser Kreativität, sondern einer Kreativität die innerhalb von Grenzen zur maximal möglichen Entfaltung gelangt. Grenzen stellen für die Kreativität des Künstlers eine weit größere Herausforderung dar, als sich kreativ im Grenzenlosen zu artikulieren.

Die REITKUNST ist die einzige Kunst unter allen Künsten, welche seine Kreativität immer nur in einem begrenzten, durch die körperlichen und geistigen Möglichkeiten des Pferdes limitierten, Raum ausdrücken kann. Auch dies macht sie zur Herausforderndsten aller Künste und stellt hohe Anforderungen an Wissen und Können des Künstlers. 

Während eine Partitur, ein Gemälde oder eine Skulptur letztendlich durch die Kreativität eines Künstlers aus toter Materie entstehen, lebt das Ausgangsmaterial der REITKUNST und ist bei weitem nicht so fügsam wie die Grundelemente eines Komponisten, Malers oder Bildhauers. Auch kann jeder der genannten Künstler sein Werk ohne moralische Bedenken, bei Nichtgefallen nach Belieben zerstören.

Nun gut, in der Reiterei wird dieses Werk der Pferdezerstörung tagtäglich, auf allen Ebenen reiterlicher Aktivität von Dilettanten durchgeführt, ohne dass diese es überhaupt geschafft hätten, über die Stufe groben Bearbeitens des Ausgangsmaterials – oft bemerkenswerter, nahezu perfekter Produkte aus der Zucht – hinausgekommen zu sein.

Gleichwohl betrachten diese, an Wissen und Fähigkeiten eingeschränkten Personen ihr Tun als Kunst und versteigen sich sogar soweit, dieses, ihr Tun, mit KLASSISCH zu etikettieren, obwohl die Epoche aus der sie ihr „klassisches“ Wissen ziehen weit von dem entfernt ist was die wahren KLASSIKER des Reitens ausmacht und dazu noch in vielen Teilen auf einer Entwicklung beruht, welche der Reitkunst diametral entgegensteht: der anglomanen Reiterei. Einer Reiterei, die dem Gelände und dem Sport mehr Wert beigemessen hat, als der seriösen Ausbildung eines Pferdes.

Die Meinung derjenigen, welche die Theorie in der Reitkunst für unnütz achten, wird mich nicht abhalten, zu behaupten, daß dies eins der nothwendigsten Stücke ist, zur Vollkommenheit zu gelangen. Ohne diese Theorie ist die Ausübung immer ungewiß.

Francois Robichon de la Guérinière | „Reitkunst“

Autor: Richard Vizethum | der letzte Stallmeister | Schule der Hippologie


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Die Geschichte der goldenen Kugel

Die Geschichte der goldenen Kugel

Es war einmal vor sehr langer Zeit, da gab es in einem Land eine Kugel aus purem Gold. Jeder, der sie erblickte, war voll der Bewunderung und des Lobes ob dieser vollendeten Handwerkskunst.  Sie galt als strahlendes Zeichen für Klarheit und reinem Wissens. Das gemeine Volk sagte dieser Kugel sogar Wunderkräfte nach.

Die Jahre des Glücks vergingen, dunkle Zeiten brachen an. In deren Wirren und Wandlungen die goldene Kugel verloren ging. Diejenigen, wenigen, die über die Kugel gewacht hatten starben und die Kugel verschwand. Niemand sah sie mehr – niemand suchte nach ihr.

Jedoch erinnerte sich manch einer dunkel an die Wunderkräfte dieser Kugel und man fragte nach ihr, um an ihrer Wunderkraft wieder teilhaben zu können. Nach einer Weile wurden die Nachfragen immer lauter und lauter. Die neuen Fürsten, die nichts von der Glorifizierung der goldenen Kugel hielten und die dereinst gar nicht so unglücklich darüber gewesen waren, dass die goldene Kugel verschwunden war, mussten etwas tun, wollten sie sich nicht den Unmut des Volkes zuzuziehen.

So ließen sie eine neue goldene Kugel herstellen. Da sie aber in diese weder viel Zeit, noch viel Geld investieren wollten, begnügte sie sich damit, eine Kugel, mit einem Kern aus Holz und einer Ummantelung aus Gold herstellen zu lassen. Das gemeine Volk merkte den Schwindel nicht und glaubte die alte Kugel mit den Wunderkräften sei wiedergefunden worden.

Die Zeit verging. Die Fürsten gingen nicht sehr pfleglich mit der neuen Kugel um, es war ihnen zu viel Arbeit. Durch Unachtsamkeit fiel die Kugel immer wieder zu Boden und die Goldbeschichtung bekam Riefen und Schrammen. Damit sie aber dennoch in schönem Glanze erstrahlte, gab man den Handwerkern die Anweisung sie immer wieder abzuschleifen.

Dadurch wurde aber die Goldschicht immer dünner und dünner. Irgendwann  schimmerte plötzlich das Holz durch. Um dies vor dem gemeinen Volk zu verbergen, entschlossen sich die Fürsten die Beschichtung erneuern zu lassen. Da für sie die Bedeutung der Kugel im Laufe der Zeit immer weiter gesunken war, gaben sie, unter dem Siegel der Verschwiegenheit, die Anweisung anstelle des Goldes Messing zu verwenden.

Man polierte die Kugel so geschickt, dass sie wie Gold glänzte und man konnte die Menschen, die immer noch die wahre goldene Kugel mit den Wunderkräften vermuteten, erneut täuschen. Sie ließen sich auch nur allzu gern täuschen, war doch ihre Erinnerung an die wahre Kugel verblasst und nur noch der Glaube daran vorhanden.

Die neuzeitlichen Bewahrer der Kugel, die nichts mehr von der vergangenen goldenen Kugel und ihrer wahrhaftigen Wunderkraft wussten, machten sich so lange vor, dass IHRE Kugel diese ursprüngliche Kraft in sich trüge, bis sie selbst daran glaubten. Und sie verbreiteten ihren Glauben, der zur unumstößlichen Lehre erhoben wurde. Das Volk aber, bequem geworden, schloss sich dieser Lehre nur allzu gerne an.  

Die wahre goldene Kugel mit den Wunderkräften aber, sie liegt noch irgendwo da draußen und wartet auf ihre Wiederentdeckung und ihre ruhmreiche Auferstehung.

Was das nun mit der Reiterei und der Reitkunst zu tun hat? Nun, das darf sich der geneigte Leser selbst beantworten.


Autor: Richard Vizethum | Der letzte Stallmeister | Schule der Hippologie | 2019


Der Text als Podcast …


Virus Pferdebesitzer

Virus Pferdebesitzer

Eine kleine, humorige Geschichte, die während einer Ausbildungseinheit mit einem wunderbaren Friesen x Warmblut – Wallach, zwischen dem lernwilligen Besitzer (BS) des Pferdes und mir (RL) entstand (etwas nachgearbeitet).

Eine kleine, humorige Geschichte, die während einer Ausbildungseinheit mit einem wunderbaren Friesen x Warmblut – Wallach, zwischen dem lernwilligen Besitzer (BS) des Pferdes und mir (RL) entstand (etwas nachgearbeitet).

Schon bei der 2. Übung dieser Einheit, zeigte der sonst durchaus kooperative Wallach ein so nicht vermitteltes Verhalten.

RL: „Was hast Du mit ihm gemacht? Das Programm läuft nicht mehr!

BS: „Ich weiß es nicht! Er macht das seit ein paar Tagen.

RL: „Seltsam! Ich denke, da werden wir wohl einen Reset des Programms durchführen müssen.

BS: „Ich hab aber wirklich nichts gemacht! Es passierte einfach so.

RL: „Von wegen ‚es passierte einfach so‘. Hast Du irgendwelche Fremdsoftware aufgespielt?

BS: „Nein, nein, hab ich nicht!

RL: „Oder irgendwelche Spiele? Ich hab Dich gewarnt: Du sollst keine Spiele hochladen!

BS: „Nein, nein, hab ich ganz bestimmt nicht!

RL: „Das glaube ich Dir nicht. Da ist irgendwas verstellt! Scheint als ob die Spracheinstellung verändert wurde.

BS: „Aber ich hab wirklich nichts gemacht!“ (schon etwas geknickter).

RL: „Ja, es ist die Spracheinstellung. Wie kommt es das da Suaheli steht?

BS: gesenkter Kopf und Schulterzucken

RL: „Gut, läuft wieder! Für die Zukunft: KEINE FREMDSOFTWARE UND SCHON GAR KEINE SPIELE!

BS: reuiges Nicken


Bild zeigt ein anderes Pferd mit Reiterin

Autor/RL: Richard Vizethum | Schule der Hippologie