Der Kollaps der Hardware: Wenn REM-Schlafmangel das Pferd zu Boden reißt

Der Kollaps der Hardware: Wenn REM-Schlafmangel das Pferd zu Boden reißt

Autor: Richard Vizethum | Stallmeister | (c) Schule der Hippologie

Es passiert in Sekundenbruchteilen: Die Beine geben nach, der schwere Körper knallt ungebremst auf die Karpalgelenke. Was wie ein rätselhaftes Straucheln aussieht, ist die brutale Offenbarung eines massiv gestörten Bio-Rhythmus. Ihr Pferd bricht zusammen, weil sein Betriebssystem die Notbremse zieht und den lebensnotwendigen REM-Schlaf mitten im Stehen erzwingt. Es ist die pure biologische Verzweiflung.

Ihr Pferd steht vermeintlich friedlich dösend auf der Koppel oder in der Box und plötzlich, ganz unvermittelt, bricht es zusammen. Seine Beine klappen einfach unkontrolliert weg – in der Regel die Vorderbeine zuerst – und es knallt auf die Karpalgelenke. In einem Schmerz-Reflex fährt es gleich danach wieder hoch. Für einen Moment starrt es anschließend einfach nur vor sich hin, um schließlich, unter Umständen nach einem kurzen Schütteln des Kopfes, wieder zur „Tagesordnung“ überzugehen.

Was war geschehen?

Schnell sprechen „Experten“ hier von Narkolepsie. Diese allerdings ist eine seltene, oft genetisch bedingte Störung des Hirnstoffwechsels, deren Ursache ein Orexinmangel (Orexin/Hypocretin[1]) im Botenstoff-System des Gehirns ist. Dieses betroffene Botenstoff-System steigert einerseits das Verlangen nach Nahrungsaufnahme und reguliert andererseits die damit im direkten Zusammenhang stehende Schlaf-Wach-Steuerung. Narkolepsie unterscheidet sich somit gravierend von dem, was ihrem „friedlich dösenden“ Pferd passiert ist. Ihr Pferd leidet unter einem sogenannten REM-Schlafmangel[2].

Während Narkolepsie eine neurologische Erkrankung (Wacherkrankung) ist, handelt es sich beim REM-Schlafmangel um eine Verhaltensstörung (Schlafstörung). Auf die genaueren Unterschiede – auch wie man diese sehr gut erkennen kann – werde ich später an dieser Stelle noch näher eingehen.

Nun aber erstmal zurück zu dem, was ihr
Pferd gerade durchgemacht hat!
Der REM-Schlafmangel

Um diese Schlafstörung und deren Ursachen zu verstehen, ist es zunächst einmal erforderlich, sich mit den einzelnen Phasen des Schlafes bei einem Pferd auseinanderzusetzten.

Die Phasen des Schlafes beim Pferd

Phase 1: Das „friedliche“ Dösen

In der ersten Phase, dem Dösen, steht das Pferd und wird durch die mechanische Fixierung in der sogenannten Spannsägenkonstruktion der Hinterhand einerseits energieeffizient stabilisiert und befindet sich andererseits immer noch in einem Zustand, der eine schnelle Flucht ermöglicht. Das Pferd entlastet dabei abwechselnd ein Hinterbein, was man als Schildern bezeichnet, während das Kniegelenk des Standbeins durch die Kniescheibenarretierung fixiert wird.

Die Vordergliedmaßen haben nichts Vergleichbares, gleichwohl auch hier Bänder und Sehnen der Muskulatur Leistung abnehmen und damit ebenso ein energieeffizientes Stehen unterstützen. 

Die Frequenz von Herzschlag und Atmung sinkt bereits beim Dösen vom aktiven Wachzustand langsam auf ein stabiles Ruhe-Niveau (ca. 30–40 Schläge/Min). Die mechanische Fixierung sorgt dafür, dass sich die Skelettmuskulatur schon etwas entspannt. Allerdings bleibt der Grundtonus noch hoch, um das Gleichgewicht zu halten und die Fluchtbereitschaft aufrecht zu erhalten.

Phase 2: Der leichte Schlaf  (SWS – Slow Wave Sleep)

Auch im leichten Schlaf bleibt das Pferd dank der mechanischen „Fixierung“ sicher stehen. Die Muskulatur ist in Bedarfsspannung[3], die passive Haltevorrichtung verhindert das Einknicken der Gelenke. Auch die Fähigkeit zur schnellen Flucht bleibt erhalten.

Phase 3: Der mitteltiefe Schlaf

In dieser Phase beginnt der eigentliche Schlaf und das Pferd befindet sich in einem Übergang zum Tiefschlaf. Pferde können dabei für eine kurze Phase von ein bis zwei Minuten weiterhin im Stehen verbleiben. Die Spannsägenkonstruktion hält das Pferd noch in dieser Position. Das System fordert nun Tiefschlaf und letztendlich auch den REM[4]-Schlaf (Traumschlaf) ein.

Phase 4: Der 1. Sicherheits-Check

Dieser erste Schwellenwächter „entscheidet“ darüber, ob sich das Pferd Ablegen kann oder nicht. Da sich das Pferd für den Tiefschlaf  und den REM-Schlaf zwingend hinlegen muss, findet nun ein kurzes Aufwachen statt, in der das Pferd sein Umfeld nach Sicherheitsrisiken abprüft. Ergibt dieser Check, dass die Rahmenbedingungen sicher sind, legt sich das Pferd ab.

Der Parasympathikus übernimmt vollständig das Kommando. Die Herzfrequenzvariabilität (HRV) verändert sich; das Herz schlägt nun sehr rhythmisch und ruhig. Die Verdauungstätigkeit wird leicht gedrosselt, und die Energieressourcen werden auf die neurologische Regeneration umgeleitet. Der Muskeltonus wird für den weiteren Übergang zum REM-Schlaf sukzessive weiter gedrosselt.

Phase 5: Das Ablegen (Hinlegen)

Im Normalzustand ist das Ablegen eine hochkomplexe motorische Eigenleistung, die eine präzise biomechanische, neuromuskuläre Kontrolle und Koordination erfordert, um das hohe Körpergewicht sicher zu Boden zu bringen. Es ist ein aktiver Prozess, kein passives Umfallen. Das Pferd muss dafür wach sein, um sich sicher hinzulegen, damit es später auch sicher schlafen kann.

Phase 6: Der 2. Sicherheits-Check (ca. 3-5 Minuten)

Dieser zweiten Schwellenwächter gibt den Tiefschlaf und den REM-Schlaf frei. Dabei liegt das Pferd in der Brust-Bauchlage[5] , ist noch wach (von Phase 5) oder bereits in einem leichten Dämmerzustand und prüft in einem Check den unmittelbaren Nahbereich auf dessen, für das Pferd, relevante Sicherheit hin ab. Erst wenn diese Prüfung keine Gefahrenmomente signalisiert, wird körperliche Schlafbereitschaft hergestellt und die Gehirnaktivität des Pferdes sinkt in den Tiefschlaf.

Phase 7: Die Tiefschlafphase (ca. 5 Minuten)

In dieser Tiefschlaf-Phase bleibt das Pferd entweder noch kurzzeitig in der Brust-Bauchlage oder legt sich bereits direkt in die Seitenlage (Laterallage) ab.

Die Herzfrequenz erreicht ihren tiefsten Punkt im gesamten Zyklus. Die Muskelspannung wird nun so weit heruntergefahren, dass das Pferd dazu bereit ist, die Brust-Bauchlage aufzugeben und in die Seitenlage zu kippen. Der Blutdruck sinkt auf das Niveau, das notwendig ist, um die kommende REM-Phase (in der das Gehirn paradoxerweise wieder hochaktiv wird) ohne physische Belastung zu überstehen.

Phase 8: Die existenziell wichtige REM-Schlafphase (4-5 Minuten)

Für diese REM-Schlafphase (Traumphase) legt sich das Pferd zwingend flach auf die Seite (Seitenlage). Nur in dieser Phase tritt die vollständige Atonie ein. Das bedeutet der gesamte Muskeltonus wird gen Null gefahren. Dieser Sachverhalt wird später wichtig, wenn wir zum REM-Schlafmangel kommen.

Interessanterweise steigen Puls und Blutdruck unmittelbar während der REM-Phase oft wieder leicht an und werden unregelmäßiger, was daran liegt, dass das Gehirn in dieser Phase hochaktiv ist (Träumen). Die genannten vorbereitenden Absenkungen im Tiefschlaf dienen daher als notwendige „Beruhigung“ des Systems, um diesen kurzen, intensiven neurologischen Traum-Prozess sicher durchlaufen zu können.

Neurologisch gesehen benötigt das Pferd zwar nur ca. 10–15 Minuten reinen REM-Schlaf über den gesamten Tag verteilt (d.h. 2-3 komplette Schlafzyklen pro Tag) um das Gehirn zu regenerieren, dafür aber muss das Pferd pro Tag mindestens 30-60 Minuten Gesamtliegezeit (Phasen 6 – 9) investieren, damit statistisch gesehen genug „erfolgreiche“ Zyklen dabei sind, um diese sehr kurzen und existenziell wichtigen REM-Zeitfenster sicher zu erreichen.

Phase 9: Aufwach- und Mobilisierungsphase (5-7 Minuten)

Nach der REM-Schlafphase steht ein Pferd normalerweise nie sofort auf. Nach der totalen Atonie der REM-Phase muss der Muskeltonus erst langsam wiederhergestellt werden. Das Gehirn wechselt vom Traumzustand zurück in die Wachheit. Das Pferd döst dabei noch im Liegen, rollt sich aber oft schon aus der Seitenlage zurück in die Brust-Bauchlage. Dort verweilt es einige Minuten, beobachtet die Umgebung und „sortiert“ seine Gliedmaßen, bevor es den Kraftakt des Aufstehens unternimmt. Das Aufstehen ist für ein großes Tier wie dem Pferd anstrengend und ein Moment der Verletzlichkeit. Deshalb dient diese Aufwach- und Mobilisierungsphase der Sicherheit, um nicht „schlaftrunken“ aufzuspringen, was nicht nur in einer potenziellen Fluchtsituation problematisch wäre.

Kommen wir nun zur
Beantwortung der Frage,
warum ihr vermeintlich friedlich dösendes Pferd
einfach zusammengebrochen ist und warum es sich dabei um eine Verhaltensstörung und
nicht um eine Krankheit handelt.

Der REM-Schlafmangel, dies lässt sich durchaus schon aus der Begrifflichkeit ablesen, tritt nicht plötzlich auf, sondern es ist ein schleichender und mit der Zeit eskalierender Prozess.

Die existenziellen Gefahren des
REM-Schlafmangels

Um nun die existenzielle Gefahr, die daraus für das Pferd entsteht, zu verstehen, ist es erforderlich zu begreifen, warum gerade der REM-Schlaf für das Pferd (aber auch dem Menschen) so elementar wichtig ist. Der REM-Schlaf ist nicht einfach nur eine „Traumphase“, sondern er ist die zentrale Wartungsinstanz des Gehirns. Während die Vorstufen, im Besonderen die Tiefschlafphase (Phase 7)  primär der reinen körperlichen Erholung (Entspannung, Zellreparatur, Immunabwehr …) dienen, ist der REM-Schlaf für die mentale und psychische Gesundheit des Pferdes existenziell.

Der REM-Schlaf fungiert, schlicht ausgedrückt, als „bereinigende Eigentherapie“. In dieser Phase werden emotionale Erlebnisse des Tages, wie beispielsweise Stress in der Herde, Ausbildung oder neue Umweltreize verarbeitet und von ihrer emotionalen Last getrennt. Findet dieser REM-Schlaf über längere Zeit nicht statt, wird das Pferd chronisch reizbar, schreckhaft und verliert seine psychische Belastbarkeit (Resilienz). Diese zunehmende „innere Unruhe“, beeinflusst die beiden Sicherheits-Checks (Phase 4 und 6) immer stärker negativ, was zu einer zunehmenden Unterdrückung des REM-Schlafes beiträgt. Eine ungesunde Eskalationsspirale wird angestoßen.

Auch körperliches Lernen findet beim Pferd zu einem wesentlichen Teil im REM-Schlaf statt. Während der Muskeltonus weitgehend in Richtung Null abgesunken ist, „spielt“ das Gehirn die motorischen Abläufe des Tages im Schnelldurchlauf ab. Ohne diese Schlafphase kann das Pferd Gelerntes nicht dauerhaft abspeichern, da der Transfer vom Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis gestört ist, mit entsprechenden Auswirkungen auf die Ausbildung des Pferdes.

Während des REM-Schlafs werden Stoffwechselendprodukte beispielsweise Proteine wie Beta-Amyloid (Aβ), Tau-Proteine, Alpha-Synuclein etc., die sich im wachen Zustand im Gehirn ansammeln, über das glymphatische System[6] effizient abtransportiert. Diese Proteine sind Abfallprodukte neuronaler Aktivitäten und wirken wie „Sand im Getriebe“ des Gehirns und müssen deshalb im REM-Schlaf ausgeleitet werden. Kann dieser Reinigungsprozess durch fehlenden REM-Schlaf nicht stattfinden, kommt es zu einer neurologischen „Vergiftung“, welche die grundsätzlich vorhandene allgemeine Konzentrationsschwäche der Pferde weiter steigert und Apathie auslösen oder verstärken kann.

Wichtige Neurotransmitter wie Serotonin, Dopamin und Noradrenalin werden im REM-Schlaf reguliert. Ohne REM-Schlaf bricht das hormonelle Gleichgewicht zusammen. Ein chronisch unter REM-Schlafmangel leidendes Pferd rutscht in einen Zustand, der einer klinischen Depression beim Menschen ähnelt – es wirkt abgestumpft, kann  aber gleichzeitig durchaus heftige, unkontrollierte Stressreaktionen zeigen.

Der menschengemachte Weg
in die Verhaltensstörung

Der REM-Schlafmangel ist faktisch eine Zivilisationskrankheit, die fast ausschließlich in der vom Menschen gestalteten Umwelt auftritt. In der Natur hat das Pferd die Kompetenz, sich seinen Schlafplatz und seine „Wächter“ selbst zu wählen. In der Domestikation haben wir ihm diese Kompetenz entzogen.

Häufige Stall- oder Herdenwechsel (Einsteller-Fluktuation) verhindern, dass das Pferd die für das Abliegen nötige soziale Geborgenheit einer intakten Herde findet, da die Herdenzusammensetzung ständigen Änderungen unterworfen ist. Wichtig ist hier zu bedenken, dass ein Pferd etwa 14 Tage benötigt, um in einem neuen Stall und Herdenverband „anzukommen“ und etwa ein komplettes Jahr, um vollständig „da zu sein“!

Überbelegte, weil viel zu kleine Paddocks oder Offenstallflächen, führen dazu, dass rangniedrige Pferde keinen physischen Raum zum sicheren Ablegen finden oder von ranghöheren Tieren ständig aufgetrieben werden. Bei vollzeitlicher oder teilweiser Boxenhaltung sorgen aggressive Boxennachbarn, aber auch hohe, blickdichte Boxenwände, hin zu einem vertrauten Pferdefreund (wo nur Hören, aber nicht Sehen möglich ist), zu erheblichen Stress, welcher ebenfalls das Hinlegen des Pferdes stark beeinträchtigt, genauso wie fehlende oder ungenügende Einstreu[7] in den Boxen dazu beitragen kann, das sich das Pferd nicht mehr ablegt.

Ein Umgang mit dem Pferd, welcher auf Unterdrückung basiert, wozu Unberechenbarkeit der Menschen mit denen es konfrontiert wird[8] und ständige Kontrolle ebenso gehören, wie vermenschlichende und angeblich „pferdefreundliche“ Spielereien mit dem Pferd, berauben diesem seinen Handlungsoptionen und tragen dazu bei, das Pferd in eine „erlernte“ Hilflosigkeit zu degenerieren. Ein Pferd, das sich in seiner Umwelt nicht mehr wirksam fühlt, verliert das Vertrauen in seine Fähigkeit, Situationen einzuschätzen – die schlafrelevanten Sicherheits-Checks (Phasen 4 und 6) signalisieren ständig Alarm!

Eine Ausbildung, die die körperliche Statik des Pferdes ignoriert (z.B. dauerhafte Fehlbelastung u.a. durch Vorwärts-Abwärts-Reiterei oder Überforderungen durch Lektionen, denen jegliches körperliche Fundament fehlt, können zu chronischen Schmerzen führen (welche häufig nicht erkannt werden). Das Pferd vermeidet das Abliegen, weil es den Schmerz beim mühsamen Aufstehen fürchtet, was man somit nicht nur bei alten Pferden beobachten kann.

Die Verhaltensstörung REM-Schlafmangel betrifft primär Pferde mit fehlender Souveränität, entweder durch niederen Rang oder durch überforderte Führungspositionen, welche sowohl in der einen, wie in der anderen Ausprägung im Wesentlichen menschlich verursacht ist und deshalb kann man beim REM-Schlafmangel definitiv von einer zivilisatorisch bedingten Verhaltensstörung bei den Pferden sprechen.

Warum nun ist ihr friedlich dösendes Pferd
einfach so zusammengebrochen?

Pferde, denen es an Handlungsoptionen und damit an Souveränität mangelt geraden in einen Kontrollzwang (oder auch eine Form der Hypervigilanz[9]). Es handelt sich um eine neurologische Fixierung, die das Pferd in einem permanenten Sympathikotonus (Alarmzustand, der die Organe eines Lebewesens auf Flucht- und Angriffssituationen vorbereitet) gefangen hält.

Bei einem Pferd mit niederem Rang in der Herde ist der Kontrollzwang defensiv: Das Pferd scannt die Umgebung permanent nach den Individualabständen und Absichten der Ranghöheren. Die Angst vor physischer Maßregelung führt dazu, dass das Pferd seine Aufmerksamkeit nicht mehr nach innen (auf die eigene Entspannung) richten kann. Selbst wenn das Pferd liegt, führt der Sicherheits-Check 2 (Phase 6 – in Brust-Bauchlage) beim kleinsten Geräusch eines sich nähernden Pferdes zum sofortigen Abbruch. Das Pferd steht auf, bevor es den REM-Schlaf erreicht.

Bei einem Pferd, welches innerhalb einer Herde, sei es durch Aggression, körperlicher Präsenz oder anderen pferdischen Gründen von den Mitgliedern des Herdenverbandes nach oben („Peter-Prinzip“ [10]) in die Führungsposition, „befördert“ wurde, für die es nervlich nicht gewappnet ist, wird aus gesunder Wachsamkeit ein Zwang. Da ein solches Pferd keine innere Sicherheit (Souveränität) besitzt, versucht es diese durch äußere Kontrolle zu ersetzen. Jede Ohrenbewegung der Artgenossen und jedes Knacken im Gebüsch wird bewertet, weil es selbst keine Strategien hat, Reize als „unwichtig“ einzustufen. Schon der 1. Sicherheits-Check (Phase 4), welcher noch im Stehen stattfindet, liefert selten die Freigabe, um sich hinlegen zu können, da die Kontrolle der Herde als überlebenswichtige Daueraufgabe gewertet wird. Das Tier „darf“ nicht schlafen.

Beide Pferdetypen gelangen mit der Zeit immer weniger in den REM-Schlaf. Jeder durch einen der beiden Sicherheits-Checks (Phasen 4 und 6) abgelehnte Schlaf, spannt bildlich gesprochen das Gummiband der REM-Schuld (das Einfordern des REM-Schlafes) ein Stück weiter. Das Pferd befindet sich in einem eskalierenden Konflikt zwischen dem Kontrollzwang und einer immer zwingender werdenden Forderung der Biologie nach Reinigung und Regeneration durch den REM-Schlaf.

Irgendwann ist die Spannung des Gummibands (der neurologische Druck) größer als die Kraft des Kontrollzwangs. Das System reißt mehr und mehr die Führung an sich. In einem Zeitraum von etwa 7 bis 14 Tagen ohne ausreichenden REM-Schlaf vollzieht sich im Körper des Pferdes der Übergang von einer bloßen psychischen Anspannung hin zu massiven physischen Ausfällen.

Nach etwas mehr als einer Woche (Tag 7-10) ohne REM-Schlaf ist die neurologische Regenerationsfähigkeit erschöpft und ein kritischer Schwellenwert überschritten. Das Gehirn kann den REM-Druck nicht mehr mit Willenskraft oder dem Sympathikus (Stresszustand durch Kontrolle etc.) unterdrücken. Das Pferd zeigt erste „Mikro-Absacker“. Die Konzentrationsfähigkeit bricht drastisch ein; das Pferd wirkt entweder apathisch-abwesend oder zeigt eine extrem niedrige Reizschwelle (Hysterie).

Tag 10-12 ohne REM-Schlaf. Das System schaltet nun auf den „Notfall-Modus“ um. Die Instanzen der Sicherheits-Checks 1 und 2  (Phase 4 und 6) werden zunehmend umgangen. Das Gehirn senkt die Hemmschwelle für den Eintritt in die REM-Atonie („Abschalten“ des Muskeltonus) massiv ab. Der Rebound-Effekt (bildlich: das Zurückschnellen des Gummibandes) durch Einfordern der REM-Schuld beginnt sich zu manifestieren. Das Gehirn „stiehlt“ sich erste Sekundenbruchteile an REM-Aktivität. Die Atonie flackert kurz auf, das Pferd verliert für einen Moment die statische Sicherheit, das typische Schwanken im Stehen, welches diese Phase kennzeichnet, wird häufiger (bis zu 60–70 Mal täglich). Das System des Pferdes beginnt die REM-Phase aktiv im Stehen zu erzwingen!

Nach spätestens zwei Wochen ohne REM-Schlaf tritt das ein, was Forscher als „Schlafattacken“ bezeichnen. Die biologische Notwendigkeit (REM-Schlaf) bricht die physikalische Sicherheit (Kontrollzwang). Bereits der 1. Sicherheitscheck (Phase 4) wird  ignoriert, die Atonie (nahezu vollständige Muskelerschlaffung) setzt schlagartig ein, während das Pferd noch steht. Es kommt zum vollständigen Kollaps. Die Vorderbeine knicken in der Regel zuerst ein, da hier im Stehen die Muskeln noch etwas mehr Haltearbeit übernehmen müssen, das Pferd stürzt auf die Karpalgelenke oder sogar auf das Gesicht. Spätestens hier werden die typischen Verletzungen (beispielsweise Narben, kahle Stellen an den Karpalgelenken und am Kronrand etc.) sichtbar, die als deutliches Indiz für den chronischen REM-Schlafmangel gelten können.

Warnsignale die auf einen REM-Schlafmangel
hindeuten und ernst genommen werden sollten

Neben den bereits erwähnten auftretenden physischen und psychischen Veränderungen am Pferd, wie zunehmende Apathie und/oder niedrige Reizschwelle, verstärkter Konzentrationsmangel, häufiges Schwanken im Stehen (60-70 mal täglich) welches schon auf eine fortgeschrittene Entwicklung des Schlafmangels hindeutet, gibt es eine Reihe sichtbarer Verletzungen, die durch das plötzliche Einknicken während der REM-Atonie im Stehen verursacht werden.

Häufig finden sich Schürfwunden oder Narben an der Vorderseite der Karpalgelenke und Fesselköpfe, da diese beim Absacken oft heftig den Boden berühren. Am Kopf und im Gesicht können unverkennbare Schrammen oder Wunden an der Nase, den Lippen oder der Stirn entstehen, wenn das Pferd mit dem Kopf auf den Boden oder gegen Stallwände schlägt. In schweren Fällen wurden sogar Brüche im Kopfbereich beobachtet.

Auch an den Hinterbeinen können Verletzungen an den Sprunggelenken auftreten, wenn das Pferd unkontrolliert hinten einknickt. Es können sogar Brüche der Schweifrübe oder Scheuerstellen vorkommen, falls das Pferd beim Kollabieren rückwärts gegen Begrenzungen (Boxenwand etc.) stürzt.

Als ein sekundäres, aber wichtiges Warnsignal ist das Fehlen von Einstreu oder Schmutz im Fell oder Schweif, was darauf hindeutet, dass das Pferd sich gar nicht mehr hinlegt.

Zudem können chronische Entzündungen oder Verdickungen (Gallen) an den betroffenen Gelenken auftreten, die oft zu einer schleichenden Lahmheit führen.

Unterscheidungsmerkmale zwischen der
Verhaltensstörung REM-Schlafmangel und der Krankheit Narkolepsie

Übersetzt man die Ursachen-Unterschiede zwischen der Krankheit Narkolepsie und der Verhaltensstörung REM-Schlafmangel in die Computersprache, so liegt im ersten Fall ein Defekt in der Hardware und im zweiten Fall ein Software-Defekt vor. Narkolepsie ist ein organischer Hardware-Defekt im Gehirn. Meist ein Mangel an Orexin-Rezeptoren, welcher die Grenze zwischen Wach- und Schlafzustand instabil macht. Der REM-Schlafmangel dagegen ist ein Software-Problem. Das Gehirn ist gesund, aber eine Verhaltensstörung (Kontrollzwang durch Unsicherheit) blockiert das für den REM-Schlaf notwendige Abliegen des Pferdes.

Betrachtet man die jeweiligen Auslöser des Zusammenbruchs, so geschieht dieser bei Narkolepsie beim „Hochfahren“. Hunger ist der stärkste biologische Reiz, um das System hochzufahren. Orexin hat die Aufgabe, bei Energiemangel (Futterbedarf) den Muskeltonus zu stabilisieren, damit ein Tier jagen oder grasen kann. Bei der Narkolepsie, bei der ein Orexin-Mangel herrscht, führt die Vorfreude auf Futter (die antizipierte Belohnung) zum massivsten Zusammenbruch (Kataplexie) und zwar bei vollem Bewusstsein, sprich im Wachzustand, weil das Gehirn zwar „Wachheit“ und „Motivation“ signalisiert, aber die notwendige körperliche Stabilität (Muskeltonus) nicht bereitstellen kann.

Beim REM-Schlafmangel dagegen tritt der Kollaps, der Zusammenbruch, beim „Herunterfahren“ auf. Wenn das Pferd döst oder sich in stehenden Schlafphasen langsam entspannt, erzwingt der aufgestaute REM-Schlafdruck schlagartig die Atonie (Erschlaffung der Muskulatur) und das Pferd fällt zu Boden, um sich in einem Schmerzreflex schnell wieder aufzurichten.

Betrachten wir uns typische Verletzungsmuster, so können diese bei Narkolepsie an allen möglichen Körperstellen auftreten, da der Sturz aus einer aktiven Situation heraus erfolgt. Dagegen weist der REM-Schlafmangel primär nur die charakteristischen „Schlaf-Narben“ an den Karpalgelenken (Vorderknien), Fesselköpfen oder am Kopf auf, da das Pferd aus dem Stehen heraus in der Regel mit den Vorderbeinen zuerst einknickt.

Betrachtet man das Alter und die Rassen der Tiere, so gibt es bei Narkolepsie eine klare genetische Häufung bei bestimmten Rassen und Linien und sie tritt oft schon bei Fohlen oder Jungpferden auf. Bei Kleinpferden und Ponys, wie American Miniature Horses (sie gelten als die betroffenste Rasse), Shetland-Ponys[11] und Falabella[12] kommt Narkolepsie am häufigsten vor. Wenn auch seltener als bei Ponys, gibt es bei den folgenden Großpferderassen bekannte Linien, in denen Narkolepsie festgestellt werden konnte:  Lipizzaner[13], Quarter Horses[14], Suffolk Punch[15] und Appaloosa[16].

Der REM-Schlafmangel betrifft dagegen – rasseunabhängig – meist erwachsene Pferde und ist oft an Veränderungen in der Haltung (Stallwechsel, Herdenunruhe), falschem Umgang mit den Tieren (Handling und in der Ausbildung) oder physischen Schmerzen (Arthrose) gekoppelt.

Die Unterschiede zwischen der Krankheit Narkolepsie und der Verhaltensstörung REM-Schlafmangel lassen sich bildlich wie folgt zusammenfassen: Wenn beispielsweise ein Miniaturpferd bei Aufregung zusammenbricht, ist es fast sicher Narkolepsie. Wenn dagegen ein Warmblut-Wallach, ebenfalls als Beispiel genannt, beim Dösen schwankt, einknickt oder stürzt handelt es sich nahezu immer um den REM-Schlafmangel.

Was unbedingt zu wissen und zu beachten ist,
will man einem Pferd mit
REM-Schlafmangel helfen

Pferde sind grundsätzlich konzentrationsschwache Lebewesen, denn ihre Hauptnahrung, das Gras oder Heu, läuft ihnen nicht davon. Sie sind evolutionär auf selektive Aufmerksamkeit („Ist da ein Raubtier?“) programmiert. Bei Beutejägern, wie beispielsweise Katzen, dagegen ist das schon etwas ganz anderes. Diese sind evolutionär auf eine fokussierte, hohe Konzentration (… auf ein Mauseloch) ausgerichtet. 

Der REM-Schlafmangel führt im präfrontalen Cortex (der Instanz für Lernen und Impulskontrolle) zu einem „Nebel“. Das Pferd kann Reize nicht mehr filtern, die Konzentration sinkt noch einmal deutlich ab.

Methoden, die auf visuelle Reize (gelb-blaue Gassen, Parcours etc.) setzen sind hier völlig kontraproduktiv! Für ein Pferd mit REM-Schlafmangel, welches ohnehin unter verstärkter Konzentrationsschwäche und dazu noch an Hypervigilanz (Zustand erhöhter und anhaltender Wachsamkeit) leidet, stellen diese Methoden eine reine Reizüberflutung dar. Der inneren Stress,  der Kontrollzwang wird nicht gelöst, sondern verstärkt!

Auch Methoden, welche mit „Freundschaft“ und „Dominanzspielen“ werben, basieren meist auf einem diffusen Wechsel von Druck und Nachgeben, welcher für ein unsicheres Pferd, wie eben gerade ein Pferd mit REM-Schlafmangel, unvorhersehbar und damit völlig kontraproduktiv ist, denn ein solches Pferd benötigt zwingend absolute Vorhersehbarkeit. „Spiele“ dagegen verunsichern das Pferd noch mehr, da die Regeln nicht klar definiert sind. Das Pferd bleibt im permanenten Scan-Modus des Menschen, was den Kontrollzwang eher füttert als auflöst.

Freiheitsdressur ist in Bezug auf Pferde mit REM-Schlafmangel oft das Maximum an Kontraproduktivität, da sie das Grundproblem – den Kontrollzwang und die innere Unruhe – massiv befeuert, während sie gleichzeitig die notwendige äußere Struktur komplett entfernt. Freiheitsdressur suggeriert „Freiwilligkeit“, basiert aber neurobiologisch meist auf einer extremen psychischen Fixierung des Pferdes auf den Menschen. Da ein Pferd mit REM-Schlafstörung bereits  unter einer pathologischen Wachsamkeit (Hypervigilanz) leidet und in der Freiheitsdressur es den Menschen noch intensiver scannen muss, um kleinste Signale nicht zu verpassen, wird der Kontrollzwang nicht abgebaut, sondern professionalisiert. Das Pferd ist mental „daueronline“, was den Sicherheits-Check für den Schlaf (das Loslassen-Können) massiv blockiert. Ein unsicheres Pferd fühlt sich in der „Freiheit“ oft verloren. Es reagiert mit einer Pseudo-Souveränität, die in Wahrheit nur eine Maskierung seiner Hilflosigkeit ist.

Was für die Freiheitsdressur beschrieben wurde gilt im Wesentlichen im gleichen Maße auch für das sogenannte Clickertraining. Das Clicker-Training arbeitet massiv mit Erwartungshaltungen (Click, Leckerli). Dies hält das Pferd einerseits in einem permanenten Zustand der Appetenz und andererseits fordert es eine Konzentration auf den Menschen. Die Folge: das Pferd wird durch die ständige Jagd nach dem Click in einer hohen sympathikotonen Erregung gehalten.

Ein Pferd welches unter REM-Schlafmangel leidet, benötigt extrem klare Leitplanken und eine ruhige, emotionskontrollierte Führung, die keine Fokussierung auf den Menschen (Horsemanship, Freiheitsdressur, Clickertraining) oder auf Gegenstände und Intervallen notwendig mach und es stattdessen durch Drill, Disziplin und angepassten Druck zu einer ausschließlichen Konzentration auf eine gezielt geforderte körperliche Leistung „zwingt“!

Was kann man bei einem Pferd mit
REM-Schlafmangel tatsächlich tun,
um dieses wieder zu dem so existenziell
wichtigen REM-Schlaf zu verhelfen?

Pferde mit REM-Schlafmangel leiden an einer „Überlastung der Entscheidungsebene“. Deren System ist permanent damit beschäftigt, Unsicherheiten zu bewerten. Jede Ausbildungsmethode, die vom Pferd erwartet, mitzudenken, zu interpretieren oder auf Belohnungen zu hoffen, hält diese belastende Gehirnaktivität aufrecht.

Um einem Pferd mit REM-Schlafmangel
wirklich zu helfen
müssen alte körperliche Handlungsoptionen wiederhergestellt
und neue körperliche Handlungsoptionen etabliert werden!

Eine körperliche Umformung, und damit die Schaffung neuer Handlungsoptionen durch Drill, Disziplin und angemessenem Druck, wirkt hier wie eine neurologische Entlastung. Der „Präfrontalen Cortex“ des Pferdes wird entlastet.

In der heutigen Gesellschaft mit ihrem Beschönigungs- und Lügenkonstrukt der „politischen Korrektheit“ und der hohen Emotionalisierung (diese besonders auch im Zusammenhang mit Pferden), werden Drill, Disziplin und Druck leider oft negativ konnotiert, dabei sind sie, objektiv betrachtet, die zielführendsten Mittel der Erziehung und Ausbildung – es erfordert nur das richtige Verständnis dieser Begrifflichkeiten.

Drill, die stete Wiederholung immer gleicher Bewegungsabläufe, bis hin zu deren Perfektion, überführen diese neuen Bewegungsmuster vom instabilen Kurzzeitgedächtnis in das prozedurale Gedächtnis (Körpergedächtnis), sprich in die Routine. Das Gehirn muss nicht mehr „nachdenken“, der Körper „funktioniert“ einfach. Das schafft Sicherheit.

Disziplin – des Ausbilders – das Gleiche immer in der gleichen Art zu verlangen, fungiert als externer Sicherheits-Rahmen. Wenn die Regeln und Abläufe unumstößlich sind, muss das Pferd den Menschen und die Umgebung nicht mehr permanent scannen. Dies stabilisiert das vegetative Nervensystem und schafft Vertrauen.

Druck ist, biomechanisch betrachtet, das Lernen durch Reaktion auf einen Reiz. Ein Pferd mit REM-Schlafstörung ist oft „dissoziiert“ – es spürt seinen Körper nicht mehr richtig, weil es in einer permanenten Stress-Starre verharrt. Dosierter Druck zwingt das Nervensystem, den Fokus wieder in den eigenen Körper zu lenken (z.B. „Wo steht mein rechtes Hinterbein?“). Nur durch diesen Widerstand entsteht eine neuromuskuläre Rückmeldung. Die Kunst liegt in der Dosierung des Drucks. Hier ist Feingefühl und Erfahrung entscheidend. Der Druck muss hoch genug sein, um eine körperliche Antwort zu erzwingen, aber niedrig genug, um das Pferd nicht in eine totale Fluchtreaktion (Sympathikus-Flash) zu treiben, was gerade bei einem Pferd mit REM-Schlafmangel kontraproduktiv wäre. Allerdings kann es durchaus zu Beginn der Korrektur zu solchen „Fluchtreaktionen“ kommen, da der REM-Schlafmangel die Reizschwelle des Pferdes deutlich herabgesetzt hat. Damit in dieser Phase keine Verschlimmerung eintritt, erfordert es einen erfahrenen Ausbilder mit Empathie in der Wahrnehmung und Feingefühl in der Ausführung.

Indem klare Leitplanken durch die drei genannten D‘s und emotionslose Führung die Entscheidungsgewalt dem Pferd komplett abnehmen, darf das Gehirn des Pferdes den Modus der Hypervigilanz (ständiges Scannen der Umwelt) verlassen. Das Pferd muss nicht mehr fragen: „Was meint der Mensch?“ Es gibt nur noch die physische Realität der gestellten Aufgabe. Dies senkt den Stresspegel (Cortisol) sofort, da Vorhersehbarkeit (Berechenbarkeit) die größte Angstbremse für das Nervensystem und die Grundlage jeglichen Vertrauens ist.

Der „Zwang“ zur körperlichen Leistung unter dosiertem Druck schaltet den Fokus von der Außenwelt (Kontrollzwang) auf die Innenwelt (Körperwahrnehmung) um. Ein Pferd, das sich unter Druck koordinieren muss, aktiviert seine Tiefensensibilität. Diese physische Zentrierung ist der direkte Gegenspieler zur psychischen Zerfahrenheit. Das Pferd erfährt sich selbst wieder als stabil und handlungsfähig.

Diese Form der Arbeit bereitet den Boden für den REM-Schlaf. Das Pferd lernt, dass es sicher ist, selbst wenn es Führung und Kontrolle abgibt. Diese Erfahrung überträgt es schließlich auch auf die Herdensituation. Bei Sicherheitscheck 1 (Phase 4) wird nach einer gewissen Zeit (mehrere Ausbildungs- und Umformungseinheiten) damit das tatsächliche Hinlegen wieder freigegeben und auch der Sicherheitscheck 2 (Phase 6) lässt den Übergang in den Tiefschlaf und schließlich in den REM-Schlaf wieder zu.

Warum „emotionskontrolliert“ dabei so wichtig ist: Jede Emotionalität  des Ausbilders (egal ob Lob-Euphorie oder Ärger) würde das Pferd sofort wieder in den Modus der Interpretation werfen. Die emotionale Neutralität ist die „Stille“, die das Pferd, jedes Pferd braucht, um sich auf seinen eigenen Körper konzentrieren zu können und nicht durch starke Schwingungen des Menschen abgelenkt zu werden.

Durch diese Vorgehensweise gibt man dem Pferd die „äußere Atonie-Kontrolle“ zurück, die es innerlich verloren hatte. Sobald das Pferd merkt, dass die neuen Bewegungsabläufe es physisch stabiler machen, steigt seine psychische Souveränität. Dies ist der Moment, in dem die hierarchische Position (ob hoch oder niedrig) keine Last mehr darstellt, sondern eine Position, die das Pferd körperlich ausfüllen kann.

Das Ergebnis ist ein Pferd, das wieder „fest auf seinen vier Beinen steht“ – die Grundvoraussetzung, um sich später im Liegen dem REM-Schlaf anzuvertrauen.

Welche Schulen (Übungen) dazu beitragen, dieses zu bewirken, vermittle ich in meinen Kursen und Ausbildungseinheiten im Rahmen meiner Schule der Hippologie und werden in meiner LEHRE VOM GRALSWEG dokumentiert.   

Kann einem durch Narkolepsie
betroffenem Pferd geholfen werden?
Vernunft zur Zuchtselektion

Während sich bei der Verhaltensstörung REM-Schlafmangel wirkungsvolle Lösungen anbieten, gilt die Krankheit Narkolepsie nach aktuellem Stand als unheilbar.

Es gibt zwar mitunter medikamentöse Interventionsmöglichkeiten, wie bestimmte Antidepressiva oder wachmachende Substanzen, welche einer Verbesserung der Situation aber nicht zur Heilung beitragen sollen. diese allerdings sind nicht ohne Nebenwirkungen und werden kritisch betrachtet. Aktuell am vielversprechendsten gelten neue Orexin-Rezeptor-2-Agonisten, welche in der Humanmedizin gute Ergebnisse zeigen. Diese Wirkstoffe ersetzen das fehlende Orexin-Signal direkt. Für Pferde sind diese Therapien derzeit noch nicht marktreif, stellen aber den hoffnungsvollsten Forschungszweig dar.

Viel wichtiger als Therapie (wie eine Gentherapie oder Orexin-Ersatz) für Pferde zu etablieren, ist die selektive Zucht, welche das einzige wirksame Mittel ist, um die Verbreitung dieser belastenden Erkrankung Narkolepsie langfristig einzudämmen.

Es kann nur dringend empfohlen werden, betroffene Tiere sowie deren Elterntiere (als potenzielle Träger) aus der aktiven Selektion zu nehmen, um die Weitergabe des Defekts zu verhindern.

Was sich bei einem Pferd mit Narkolepsie zwingend verbietet, sind Methoden wie beispielsweise das Clicker-Training (Belohnungserwartung). Orexin der Botenstoff für Ressourcen-Erwartung. Das Clicker-Training arbeitet massiv mit der Erwartungshaltung („Wann kommt der Keks?“). Dies hält das Pferd in einem permanenten Zustand der Appetenz (Suche/Erwartung). Die Folge das Pferd wird durch die ständige Jagd nach dem Click in einer hohen sympathikotonen Erregung gehalten. Der dafür notwendige Muskeltonus, der durch Orexin-Rezeptoren aufrechterhalten werden würde, ist durch deren Mangel nicht gegeben, das Stürzen aus der Aktion heraus vorprogrammiert.


[1] Orexin und Hypocretin werden oft synonym gebraucht. Es empfiehlt sich aber die folgende Unterscheidung: Orexin sind die Peptide und Rezeptoren und Hypocretin (HCRT) deren jeweiligen Gene sowie die mRNA.

[2] REM-Schlafmangel: (englisch: REM sleep deficiency) oder fachsprachlich präziser Schlafmangel durch verhinderte Liegephasen (englisch: Recumbent sleep deprivation)

[3] Bedarfsspannung: Die Muskulatur ist soweit entspannt, dass Grundhaltefunktionen aufrecht erhalten bleiben.

[4] REM = (Rapid Eye Movement = Schnelle Augenbewegungen

[5] In der Brust-Bauchlage (Sternal-Lage) liegt das Pferd, auf Bauch und Brust, wobei es die Vorderbeine unter dem Körper anzieht und die Hinterbeine zur Seite winkelt. Hals und Kopf hält das Pferd aufrecht, der Kopf ist frei oder die Nase wird auf dem Boden aufgesetzt. In der Regel sind die Augen geschlossen.

[6] Als glymphatisches System wird ein mutmaßliches Entsorgungssystem für Abfallstoffe im Zentralnervensystem (ZNS) der Wirbeltiere bezeichnet, also im Gehirn und Rückenmark. Der Name ist eine neuzeitliche Wortschöpfung (2012) aus den Begriffen Glia und lymphatisches System. (Wikipedia)

[7] Um fehlende oder ungenügende Boxeneinstreu zu begründen, hört man in der heutigen Zeit die abstrusesten Argumente, doch die Hauptgründe dafür sind schlicht menschliche Bequemlichkeit.

[8] Besitzer, Stallbetreiber, Stallpersonal, Besucher etc. etc.

[9] Hypervigilanz ist mehr als nur eine gelegentliche Schreckhaftigkeit. Sie manifestiert sich in einem ständig erhöhten Angstniveau und einem unaufhörlichen Bedürfnis, die Umgebung nach potenziellen Gefahren abzusuchen

[10] Peter-Prinzip: Das Peter-Prinzip ist eine These von Laurence J. Peter, einem kanadisch-US-amerikanischen Pädagogen, die besagt: „In einer Hierarchie neigt jeder Beschäftigte dazu, bis zu seiner Stufe der Unfähigkeit aufzusteigen.

[11] Bei den Shetland-Ponys ist eine familiäre Häufung (Vererbung) gut dokumentiert

[12] Das Falabella ist eine argentinische Miniaturpony-Rasse.

[13] Bei Lipizzanern wurde die Narkolepsie bereits in den 1970er Jahren wissenschaftlich untersucht und eine Vererbbarkeit festgestellt.

[14] Bei den Quarter Horses gibt es dokumentierte Fälle, wobei hier oft sehr genau zwischen echter Narkolepsie und schmerzbedingtem REM-Schlafmangel unterschieden werden muss.

[15] Das Suffolk (Pferd) wird auch als Suffolk Punch bezeichnet und ist eine britische, alte Pferderasse, die bereits Anfang des 16. Jahrhunderts erstmals erwähnt wurde. Das robuste Kaltblut ist als kräftiges Zugpferd bekannt, das über Jahrhunderte hinweg als Arbeitspferd in der Landwirtschaft eingesetzt wurde. Seinen Ursprung hat das Suffolk in der gleichnamigen englischen Grafschaft Suffolk. Bei dieser Rasse wurde ebenfalls eine familiäre Disposition beobachtet.

[16] Auch bei Appaloosa finden sich Berichte über betroffene Zuchtlinien.


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Wir (be)nutzen Pferde

Vor einiger Zeit hörte ich von einem neuzeitlichen Ausbilder „klassischer Reiterei“ die Aussage, dass der „VERSTAND der Teufel sei“. Damit aber hat er im Grunde die MENSCHLICHE GEDANKENLOSIGKEIT exkulpiert, quasi von der Sünde frei gesprochen.

Reiten jedoch und das brachte Max Ritter von Weyrother zum Ausdruck, erfordert den DENKENDEN REITER und dies aus gutem Grunde. REITEN ist eine WISSENSCHAFT. Das dies so sein muss, liegt in der Natur des Pferdes und dem menschlichen Wunsch dieses Lebewesen zu NUTZEN, begründet.

Nun wird man sich vielleicht wieder an dem Wort NUTZEN stören, doch was ist es denn anderes. Wir NUTZEN Pferde für unsere Zwecke. Zwecke, welche vielfältig sein können.

Allgemein bekannte Formen der Nutzung sind REITEN und FAHREN (auch etwas ziehen). Man könnte dies auch als die KÖRPERLICHEN Nutzungen des Pferdes bezeichnen. Da Pferde groß und stark erscheinen, sind wir meist der irrigen Meinung, man könnte sie, ohne diese auf das REITEN physisch und psychisch wirklich vorzubereiten, einfach nur BENUTZEN. Das wir damit ihre körperliche und seelische Gesundheit opfern ignorieren wir nur zu gerne.

Wir BENUTZEN Pferde als Projektionsfläche für unsere Gefühle und Emotionen. Dabei nehmen wir nicht die geringsten Rücksichten auf deren Befindlichkeiten. Ohne Skrupel belästigen wir diese Lebewesen mit unserer oft verkorksten Gefühlswelt. Wir beachten nicht, dass Pferde ebenfalls Emotionen erfahren.

Sie sind keine AUSGEBILDETEN COACHES, sondern selbst oft Wesen, die der Hilfe bedürfen um in dieser menschlichen Welt zurecht zu kommen.

Wir BENUTZEN sie in der Therapie und gehen wie selbstverständlich davon aus, dass dies bei den Pferden keine seelischen Spuren hinterlässt. Solche Therapien – welche auch immer –  sind keine Win-Win-Situation. Der Mensch gewinnt, dass Pferd verliert immer!

Wir BENUTZEN sie, um unsere Profilneurosen zu befriedigen. „Höher, Schneller, Weiter“ ist einer der gängigen Ausdrücke davon. Freiheitsdressur, Pferde-Agility und viele andere ähnliche Formen der NUTZUNG helfen nicht dem Pferd, nur dem Menschen, um sich – über das Pferd, welches man oft dabei maximaler KONTROLLE unterwirft, selbst aufzuwerten.

Das alles tun wir aus unserem subjektiven und zu menschlich interpretierten FÜHLEN heraus. Aus dem unreflektierten GEFÜHL, dass das, was wir da verlangen auch im Sinne des Pferdes wäre.

Nun ist es aber so, dass die Pferde in unserer hoch urbanisierten Welt kaum Überlebensmöglichkeiten hätten. Auch leben sie schon Jahrtausende in einer engen Co-Existenz mit uns Menschen und haben sich, wie Hunde und andere Tiere auch, weit von ihrem natürlichen Ursprung (auch im Verhalten) entfernt.

Würden wir sie nun nicht mehr NUTZEN, ginge ihre Population drastisch zurück.

Im Grunde stellt sich nicht die Frage nach der NUTZUNG an sich, sondern WIE wir sie NUTZEN. Und hier gibt es nur EIN EINZIGES ZIEL:

Bei allen was wir mit ihnen tun, dürfen die Pferde KEINEN SCHADEN AN KÖRPER UND GEIST nehmen!

Wir müssen sie auf ALLES was wir von ihnen verlangen so vorbereiten, dass wir diesem Ziel gerecht werden können.

Dazu aber benötigt man EMPATHIE, also (ÜBER)SINNLICHE WAHRNEHMUNG – umgangssprachlich mag man auch von GEFÜHL sprechen – um sich in diese Lebewesen hineinzuversetzen und RICHTIG, OHNE VERMENSCHLICHUNG, beurteilen zu können, was die Pferde, bei dem was wir gerade mit ihnen tun empfinden und in welchem physischen und psychischen Zustand sie dabei sind.

Doch schon die Zustands-Beurteilung ist ohne WISSENSCHAFT absolut nichts wert, und bleibt der Willkür und dem eigenen, meist eingeschränkten Weltbild überlassen. Vor allem aber ist das richtige HANDELN von WISSEN abhängig, welches weit über das ERFAHRUNGSWISSEN hinausgeht. Denn auch ERFAHRUNG braucht eine Einordnung und muss REPRODUZIERBAR SEIN.

Deshalb ist das Vorbereiten des Pferdes und das Arbeiten mit diesem auch eine WISSENSCHAFT und keine romantische GEFÜHLSDUSSELEI. Der VERSTAND ist dabei zwingend notwendig und kein Teufel! Wer glaubt FÜHLEN reicht, der irrt gewaltig. Denn zum FÜHLEN muss man wissen, was man genau fühlen soll!


Autor: Richard Vizethum | Schule der Hippologie | der letzte Stallmeister


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Pferdebegutachtung und Exterieurbeurteilung

Sie möchten sich ein Pferd kaufen?!

Pferdekauf ist eine emotionale Angelegenheit. Meist werden Pferde mehr nach einem Gefühl als nach der Ratio erstanden. Damit Sie es hinterher nicht bereuen, stehe ich ihnen mit meiner Fachexpertise in Pferdebegutachtung und Exterieurbeurteilung gerne zur Verfügung. Sie senden mir Bilder und Videos von Ihrem Traumpferd und ich erstelle eine Expertise, welche nicht nur dessen aktuelle körperliche Situation und eine mögliche Kaufempfehlung (oder eben nicht) entspricht, sondern darüber hinaus auch Tipps gibt, wie man Ausbildungstechnisch genau bei diesem Pferd körperliche Mängel ggf. korrigieren kann.

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Kosten

Eine schriftliche Expertise auf Basis von Fotos und Videomaterial kostet (Festpreis): 120 Euro

In diesem Preis enthalten ist EIN Telefont, bei eventuellen Nachfragen.

Nutzen Sie die Möglichkeit meiner Expertise, Ihrer Sicherheit und der Gesundheit des Pferdes zur Liebe. Für Fragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.

Herzlichst Ihr STALLMEISTER


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Der Irrglaube an bessere neuzeitliche Erkenntnisse

In der heutigen Zeit wird sehr oft vorgebracht, dass man bessere wissenschaftlich-medizinische Kenntnisse über das Pferd und die Pferdeausbildung hätte, welche dazu beigetragen haben, im Laufe der Zeit anders – angeblich sogar besser (pferdefreundlicher) – auszubilden.

Bei diesen Erkenntnissen, von denen gesprochen wird, handelt es sich dabei nicht um die, aus militärischen Erwägungen heraus sich ergebende, taktischen und strategischen Veränderungen der Kavallerie – welche nebenbei bemerkt im Grunde nur geringe Anpassungen in der Pferdeausbildung notwendig gemacht hätten – nein, man spricht von wissenschaftlichen Erkenntnissen (Studien[1]) und besserem reiterlichen Wissens.

Immer wieder muss man sich dies erklären lassen.

DOCH DIES IST EIN MYTHOS, DER NUR DEN ZWECK HAT NEUZEITLICHE (FALSCHE) AUSBILDUNGSMETHODEN ZU BEGRÜNDEN UND DER EIGENEN MENSCHLICHEN BEQUEMLICHKEIT ZU HULDIGEN!

DAS PREUSSISCHE KAVALLERIEPFERD

Im Folgenden möchte ich mal ein klein wenig über die preußischen Kavalleriepferde aus der Zeit Friedrichs des Großen (eines der größten deutschen Staatsmänner und Feldherrn), seines genialen Kavalleriegenerals Friedrich Wilhelm von Seydlitz-Kurzbach und den hochwissenschaftlich arbeitenden STALLMEISTERN der Preußen (mitunter im Professoren-Rang an Hochschulen Hippologie lehrend), schreiben.

Nie wurden Pferde besser und gesunderhaltender ausgebildet als zur Zeit Friedrichs des GroßenNIE VORHER UND NIE DANACH!

Mit diesen STALLMEISTERN und deren AUSBILDUNGSMETHODEN sich und das sogar noch in Unkenntnis derselben, aus neuzeitlicher Sicht messen zu wollen und dies mit NEUEREN ERKENNTNISSEN zu begründen, ist eine unglaubliche und lächerliche Anmaßung einer immer bequemer gewordenen Reiterschaft.

Die exzellent ausgebildeten KAVALLERIEPFERDE  der alten Preußen wurden in ihrem Körper auf eine Art UMGEFORMT, der es ihnen ermöglichte …

  • körperlich und mental unglaubliche Höchstleistungen zu erbringen.
  • eine Last von bis zu 1/4 des Körpergewichtes tragen konnten, was einem zusätzlichem Gewicht von etwa 110 – 120 Kg (Reiter, Waffen, Biwak-Ausrüstung, …) ausmachte;
  • in der Lage waren, mit diesem Gewicht lange Märsche durchzuhalten und nach solchen Märschen immer noch genügend Kraft für eine Schlacht hatten. Als Beispiel sei hier die Schlacht von Zorndorf am 25. August 1758[2] angeführt: Als diese Reiterei an diesem Vormittag in die Schlacht geworfen wurde, war sie bereits „länger als 12 Stunden … zu Pferde und … sehr ermüdet.[3] Dies galt natürlich im Besonderen für die Pferde, dennoch „wurde zwar nichtsdestoweniger das: Marsch! Marsch! kommandiert, alleine es war befohlen, nicht stärker als in mäßigem Galopp zu reiten.“(!)[4]. In zwei schweren Kavallerie-Attacken gelang es Seydlitz mit diesen müden Pferden (und deren Reiter), die fast schon verlorene Schlacht für die Preußen zu entscheiden;
  • im Einzelkampf zwischen Carrière, Stopps und blitzschnellen Drehungen auf der Hinterhand etc. etc. wechseln konnten – geritten am Ringfinger;
  • bei jeder Witterung ihren Dienst verrichten konnte;
  • bei all diesen unendlichen Belastungen (die eigentliche Schlacht hat natürlich eigene Regeln) keine schwerwiegenden gesundheitlichen Schäden aufweisen durften, was man mangelhafte Ausbildung schuldete. TIERSCHUTZ GING VOR MENSCHENSCHUTZ bei den alten Preußen!
  • 11 Jahre voll diensttauglich waren und danach noch gesund an Körper und Geist an Privatleute und Artillerieoffiziere (für Paraden) verkauft werden konnten. 

Dies alles hätten keine Pferde, welche in irgendwelchen Hofreitschulen, Stierkampfarenen oder nach den Dienstvorschriften von 1912, 1926 oder 1937 und schon gar nicht nach der Skala der Ausbildung ausgebildet wurden, auch nur annähernd leisten können.

Und dennoch denken diese Herrschaften heute, es gäbe neuere Erkenntnisse – ABSOLUT LÄCHERLICH!


[1] Der allergrößte Teil heutige Studien über das Pferd, dessen Körperlichkeit und Bewegung sind schon im Versuchsaufbau falsch und kommen daher auch zu fehlerhaften Schlußfolgerungen!

[2] In der Schlacht von Zorndorf am 25. August 1758 bei der eine preußische Armee unter König Friedrich II. und die russische Hauptarmee unter Wilhelm von Fermor aufeinander trafen, war es den 7.000 Pferden und deren Reitern der preußischen Kavallerie unter Führung des genialen Kavallerie-Generals von Seydlitz-Kurzbach zu verdanken, dass Preußen den Sieg davontrug.

[3] General-Lieutenant Grafen von Bismark | „Die Königlich Preussische Reuterei unter Friedrich dem Großen oder der General der Kavallerie Freiherr von Seydlitz“ | Creuzbauersche Buchhandlung – Carlsruhe | 1837 | Seite 135

[4] General-Lieutenant Grafen von Bismark | „Die Königlich Preussische Reuterei unter Friedrich dem Großen oder der General der Kavallerie Freiherr von Seydlitz“ | Creuzbauersche Buchhandlung – Carlsruhe | 1837 | Seite 137


Autor: Richard Vizethum | Schule der Hippologie | der letzte Stallmeister | (Nach)denkender Reiter


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Winterschlaf oder Winterarbeit?

Der Winter steht vor der Tür, die Tage werden kürzer, das Futterangebot spärlicher. Das Leben in der Natur schaltet einen Gang zurück um Energie zu sparen. Auch unsere Pferde leben diesen Zyklus der Natur und treten langsamer, gleichwohl sie im Gegensatz zu ihren wilden Artgenossen keinen Mangel zu leiten haben.

Vor einiger Zeit wurde mir die Frage gestellt, ob es sinnvoll wäre, in den Wintermonaten unseren Pferden eine Trainingspause zu gönnen.

Wurde ein Pferd das Jahr über sehr intensiv trainiert und geritten, vielleicht auch auf Turniere vorgestellt, so kann es durchaus anzuraten sein, einem solchen Pferd einen Monat Pause zu gönnen. Mehr aber auch nicht!

Gleichwohl man sagen muss, dass ein ausgebildetes preußisches Kavalleriepferd zur Zeit Friedrichs des Großen das ganze Jahr über geritten und trainiert wurde – 6 Tage die Woche. Während es in den Sommermonaten im Truppendienst (Exerzieren, Manöver …) mehrere Stunden täglich unter dem Sattel ging, wurden die Wintermonate für eine Intensivierung der Dressurarbeit genutzt.

Gehen wir aber von der üblichen „Nutzung“ eines durchschnittlichen „Freizeitpferdes“ aus, kann man nicht von einer nennenswerten Belastung sprechen, welche eine längere Trainingspause rechtfertigen würde (siehe auch meinen Beitrag: Ein Pferdeleben als Couchpotato) sprechen.

Da in der heutigen Zeit in der Regel in das Training eines Pferdes weder viel Zeit noch viel Qualität investiert wird, wie dies beispielsweise bei einem preußischen Kavalleriepferd zu dessen nachhaltiger Gesunderhaltung der Fall war, stehen wir hier vor folgender Situation:

Der notwendige Muskelaufbau wird (zeitlich bedingt) nicht in letzter und für die Gesunderhaltung eines Pferdes notwendiger Konsequenz betrieben und dauert somit länger – was die  Gefahr von Rückschritten birgt.

Würde man nun eine längere Winterpause einlegen, käme es zu einem deutlicheren Rückbau der Muskulatur, als dies bei einem preußischen Kavalleriepferd der Fall gewesen wäre, hätte man dieses in den Winterurlaub geschickt. Was bei unseren Pferden zur Konsequenz hat, dass nach dem „Urlaub“ erst wieder aufgeholt werden müsste, was verloren wurde, bevor man weiterentwickeln kann.

Von den Fettpolstern, die in den Wintermonaten durch gleichbleibende oder sogar gesteigerte Futtermengen, aufgebaut wurden, ganz zu schweigen. Diese – bei der in der heutigen Reiterei üblichen geringen Trainings- und Reitintensität – wieder abzubauen gestaltet sich mehr als schwierig bis unmöglich – mit allen gesundheitlichen Folgeerscheinungen für das Pferd.

Auch dass die Pferde diese Winter-Ruhezeit nutzen würden, um über das davor Gelernte „nachzudenken“, wie mitunter gesagt oder geschrieben wird, halte ich für ein Märchen, was daran liegt, dass die Intelligenz des Pferdes zwar die Komponenten SENSIBILITÄT und KREATIVITÄT, nicht aber VERSTAND beinhaltet, welcher im Wesentlichen nur dem Menschen (durch seine komplexe Sprache) vorbehalten ist. Das Pferd lernt nur mit dem Körper. Dazu muss dieser allerdings herausgefordert werden. Durch Vorwärtsreiten beispielsweise – wie dies häufig praktiziert wird – lernt das Pferd nichts!

Nach meiner LEHRE VOM GRALSWEG ziele ich ausschließlich und das herausfordernd auf den Körper (Kraft, Balance und Beweglichkeit) und das limbische System (erweiterte und beschleunigte NATÜRLICHE REFLEXE und einzelne zusätzlich geschaffene künstliche Reflexe) des Pferdes ab. Dieses dabei zum Tragen kommende ADAPTIVE KÖRPERLERNEN, wie ich es bezeichne, erfolgt ohne Zutun des Menschen und der Achtsamkeit des Pferdes, im Pferdekörper, immer unmittelbar an der, einer kurzen Übungssequenz anschließenden minutenlangen Pause und wird so nachhaltiger auf die Festplatte des Pferdes gebrannt.

Aber auch bei einem Lernen, welcher einen ach so gerne unterstellten VERSTAND des Pferdes anspricht, wird man von diesem keine größeren gedanklichen Nachbearbeitungen erwarten dürfen, die im Frühjahr von Vorteil sein könnte. Von einer eigenständigen körperlichen Nacharbeit des Pferdes ganz zu schweigen – oder habt ihr schon mal ein Pferd selbstständig am Schulter(n)herein arbeiten sehen?

Ich kann nur empfehlen, die Arbeit mit den Pferden auch in den Wintermonaten nicht einzustellen und es so ähnlich zu machen wie bei der preußischen Kavallerie: Nämlich die (spärliche) Zeit für die Dressurarbeit (im Sinne guter, gesundheitsförderlicher Ausbildung) zu nutzen, aufgelockert von gelegentlichen Ausritten.


Autor: Richard Vizethum | Der letzte Stallmeister | (Nach)denkender Reiter | Schule der Hippologie


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Eine Wendung offenbart es

In der Herresdruckvorschrift 12 (HDv.12.) von 1937 finden sich auf Seite 30 zwei sehr aufschlussreiche Bilder, welche weniger Aussage über den reiterlichen SITZ, dafür aber umso mehr über die Anforderungen und die Qualität der Kavallerie zu Zeiten der Wehrmacht[1] aussagen.

Bei beiden Bildern geht es um den Sitz beim Durchreiten einer WENDUNG. Das linke Bild zeigt einen Reiter mit eingeknickter Hüfte, dessen Sitz man damit zu Recht als fehlerhaft bezeichnen muss.

Beim rechten Bild nun sitzt der Reiter in einer Linie mit dem Pferd. Laut HDv. 12 von 1937 wird von einen „richtigen Sitz“ gesprochen. Beschränkt man seine Beurteilung auf die Unterschiedlichkeiten zwischen diesen beiden Bildern und bezogen auf den Sitz, so muss man geneigt sein, der Bewertung gemäß Dienstvorschrift zu folgen.

Löst man sich vom aber SITZ des Reiters und bewertet die AKTION, sprich das Durchreiten einer WENDUNG, dann muss man beiden Bildern attestieren, das beide FALSCH sind! Und damit sind wir bei den Anforderungen und der Ausbildungs-Qualität der Kavallerie zur damaligen Zeit.

Die Wehrmachtsreiter waren keine KAVALLERISTEN und ihre Pferde keine ausgebildeten KAVALLERIE-PFERDE mehr!

Im Feldzug von 1870/71 gegen Frankreich, fand am 16. August 1870 die Schlacht von Vionville – Mars la Tour[2] statt. Deren Bedeutung liegt unter anderem darin, dass es die letzte große Schlacht war, in der die Kavallerie neben der Artillerie und der Infanterie gleichberechtigten Anteil am Ausgang der Schlacht hatte. Danach begann der Abstieg hin zur militärischen Bedeutungslosigkeit, trotz mancher Bemühungen diesen zu verhindern.

Spätestens nach dem 1. Weltkrieg, in dem ca. 8 Millionen Pferde (!), Reit- und Zugpferde, ums Leben gekommen waren und der, flapsig ausgedrückt, „mit Pferden begann und mit Panzern endete“, sollte auch dem letzten Kavallerieromantiker klar geworden sein, dass eine moderne Armee keinen Bedarf für eine Kavallerie mehr hat.

Das Einzige, was für diese einst stolze Kavallerie an Einsatz-Szenarien noch Sinnhaftes[3] blieb, waren Aufklärungs- und Sabotageritte, welche bereits 1870/71 schon verstärkter durchgeführt wurden.

Gleichzeitig mit dem Abstieg der Kavallerie in die militärische Bedeutungslosigkeit kam es zu einer Renaissance einer Reiterei, welche bereits bei den Reitervölkern und zwar ausschließlich praktiziert wurde: Der NATÜRLICHEN METHODE! 

Diese Wortschöpfung als Bezeichnung für eine Ausbildungsart, die von Italien[4] ihren Ausgang nahm, ist sehr treffend. Man kann sich eigentlich gar nicht vorstellen, daß es unter Leuten vom Fach über die Auslegung Meinungsverschiedenheiten geben kann. Caprilli und seine Schüler haben seine Gedanken und Grundsätze im Springsport und im Gelände angewandt und ein Ausbildungssystem geschaffen, welche die italienischen Reiter jener Zeit in schnellem Aufstieg an die Spitze des Sports führte. Alle Welt horchte auf und ahmte nach.[5]

Das Credo dieser, nahezu auf Gymnastizierung und Durchbildung der Pferde verzichtende Ausbildungsform, lautete: „Das Gelände wird es schon richten!“.

Auch die deutsche Wehrmachtsreiterei schloß sich dieser pferdeverschleißenden Mode an, gleichwohl sie gegenüber den anderen nachahmenden Nationen, zumindest noch ein bisschen Gymnastizierung und dressurmäßige Arbeit einbaute, wobei der Freiherr von Waldenfels[6] sich wohl ausgezeichnet hat (lt. Udo Bürger).

Den geneigten Leser mag spätestens jetzt ein Licht aufgegangen sein, wohin die Reise der „Kavallerie“ ging: zur SPORTREITEREI!

Und diese Aussage bringt mich nun wieder zurück zu diesen beiden Bildern

Pferde, welche so durch eine Wendung gehen, liegen mit einem hohen Gewichtsanteil auf ihrer inneren Schulter, was nicht nur zu einer erheblichen, gesundheitsunverträglichen Ungleichbelastung der Struktur, sondern auch zu einer starken Reduzierung der Beweglichkeit führt.

Wäre ein solches Pferd, wie dies zu früheren Zeiten bei der Kavallerie gang und gäbe war, im Einzelkampf aktiv und würde so in die Wendung fallen, bedürfte es für einen Richtungswechsel mehrerer Zwischenschritte und einen erheblichen Energieverbrauch, unabhängig von der Gefährdung der sich Ross und Reiter durch den Gegner aussetzen würden!

Die beiden Bilder nun zeigen ein rein (ungesund) sportlich gerittenes Pferd, bei dem der GALOPP und die Geschwindigkeit im Vordergrund stehen, und dies ohne Rücksicht auf Verluste! Der Verschleiß, den eine solche Reiterei den Pferden bescherte kann man an den hohen Ausfallzahlen der damaligen Zeit ablesen.

Auch bei einem sportlich gerittenen Pferd sollten stets beide Schultern erhoben sein und das Pferd wie eine alte Straßenbahn und nicht wie ein Zug mit Neigetechnik oder ein Motorrad durch die Wendung gehen. Die erhobenen Schultern halten nicht nur das Pferd langfristig gesund, sondern es kann in seinen Aktionen auch bedeutend beweglicher und schneller agieren!

Die angesprochene Wehrmachtsreiterei steht bedauerlicherweise als VORBILD für die moderne Reiterei und leistete auch maßgebliche Beiträge zur SKALA DER AUSBILDUNG. Einer „Lehre“ deren angesprochene Grundlage von Seiten ihren Verfechter – in maßloser Überschätzung – als KLASSISCH bezeichnet und deren UNUMSTÖSSLICHKEIT (d.h. Zeitlosigkeit) attestiert wird.

Als VORBILD aber sollte man sich immer das BESTE und nicht das Mittelmäßige oder gar Schlechte erwählen.

Die Wehrmachts-Reiterei war keine KAVALLERIE mehr. Sie kann so wenig als Vorbild für die beste Militärreiterei, wie für eine GESUNDE SPORTREITEREI (die wir auch deshalb heute nicht haben) genutzt werden!


Autor: Richard Vizethum | Der letzte Stallmeister | Schule der Hippologie


[1] Mit dem Gesetz zur Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht vom 16. März 1935 wurde die Reichswehr in Wehrmacht unbenannt.

[2] Die Schlacht bei Mars-la-Tour (in den Quellen auch Schlacht bei Vionville oder Schlacht bei Rezonville) wurde am 16. August 1870 während des Deutsch-Französischen Krieges in der Nähe der Ortschaften Mars-la-Tour und Vionville im Nordosten Frankreichs, etwa 20 Kilometer westlich von Metz geschlagen. (Wikipedia)

[3] Versuche, wie es die Polen zu Beginn des 2. Weltkriegs taten, wo sie mit Pferden, in Formationen irregulärer Kavallerie, gegen deutsche Panzer ritten, darf man als Ausdruck sturer Kavallerieromantiker bezeichnen, die aus dem 1. Weltkrieg keine Lehren gezogen haben und deren UNSINNIGEN Befehle Pferden und Reitern das Leben kostete.

[4] Über die italienische Reiterei, welche nach der Neapolitanischen Schule vermehrt der Bedeutungslosigkeit anheimfiel möchte ich sonst weiter keine Worte verlieren, denn diese wären alles andere als freundlich.

[5] Dr. Udo Bürger | „Vollendete Reitkunst“ | Verlag Paul Parey | 5.Auflage 1982 (Erstauflage1959) | Seite 80

[6] Rudolf Otto Hans Freiherr von Waldenfels (* 23. September 1895 in Ingolstadt; † 14. August 1969 in Rottach-Egern) war ein deutscher Springreiter sowie Offizier, zuletzt Generalleutnant im Zweiten Weltkrieg. (https://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_von_Waldenfels_(General)


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Reiten ist eine Wissenschaft

Die Suche nach dem Gralsweg

Wie Philosophie oder Mathematik ist Reiten ernsthaft betrachtet eine Wissenschaft.

Es waren schon immer sehr, sehr wenige Reiter (Stallmeister) gewesen, die diese Wissenschaft ausübten, die sich auf die Suche nach den Gesetzmäßigkeiten machten und diese akribisch erforschten. Ohne diese Wenigen hätte Reiten nie zur Reitkunst werden können.

Auch wenn es vielleicht anmaßend klingt, so ist es in Demut gesprochen: Ich bin wohl der Letzte dieser Art!

Die Auffindung von Gesetzmäßigkeiten nun ist Sache der Wissenschaft, ihre Anwendung aber Kunst; mehr oder weniger ist daher jede menschliche Tätigkeit höherer Ordnung Wissenschaft und Kunst zugleich.

(Oberstleutnant a.D. v. Dreyhausen | „Reitwissenschaftliche Vorträge“ | 1931)

Reiten ist eine Wissenschaft

Nicht für jeden Reiter muss REITEN EINE WISSENSCHAFT sein. Aber für diejenigen, die sich berufen fühlen REITKUNST in ihrem vollen Umfange zum Wohle des Pferdes verstehen wollen, für diese wenigen ist es eine VERPFLICHTUNG Reiten als WISSENSCHAFT anzusehen!

FÜHLEN hat mit Wissenschaft nichts zu tun, ist aber wie BEOBACHTEN der Ausgangsgrund für die WISSENSCHAFT.

Nur wer aus dem, was er gefühlt oder beobachtet hat eine Hypothese formuliert und versucht, diese Hypothese zu verifizieren indem er das WARUM und das WIE ergründet, immer bestrebt eine ALLGEMEINGÜLTIGE REGEL zu finden, der wird sein Tun und Handeln nicht dem Zufall überlassen.

Der, der beim FÜHLEN stehenbleibt, der nur Empiriker, „der gewöhnlich nur auf gut Glück in die Organisation des Thieres greift, und sie nicht selten anstatt sie zu vervollkommnen, verdirbt“ [1], wie Du Paty de Clam anmerkte, arbeitet nur nach Trail and Error, weil er selten wirklich weiß, WARUM eine bestimmte Aktion zu einem bestimmten Ergebnis geführt hat. Auch findet er keine ALLGEMEINGÜLTIGEN GESETZMÄSSIGKEITEN, so dass es vorkommt, dass das, was eine Zeitlang erfolgreich angewandt wurde plötzlich in Gänze oder bei einzelnen Individuen nicht mehr funktioniert.

Dann sondert der NUR-FÜHLER schon mal Pferde aus, weil sie nicht mit dem Methodenpaket kompatibel sind.

Auch ein NUR-FÜHLER kann sehr weit kommen, er wird aber den Gipfel der REITKUNST nie erreichen. An dieser Stelle lasse ich dann erneut Du Paty de Clam zu Wort kommen:

„Einen zweckmäßigen Dressurplan zu entwerfen, bedarf es des Studiums der Wissenschaft und einer langen Erfahrung. Jedes einzelne Glied muß in Rücksicht der Wirkung auf das Ganze in diesem Plane berücksichtigt werden, keine Lücken dürfen obwalten, und genau müssen die Forderungen der Kunst nach den Vollkommenheiten der Natur abgewogen sein. Nur eine Rücksicht unbeachtet gelassen und der Dressurplan ist gescheitert.[2]


Autor: Richard Vizethum | der letzte Stallmeister | Schule der Hippologie


[1] Du Paty de Clam | „Theorie und Praktik der höhern Reitkunst “ | Original 1777; dt. Übersetzung von Premier-Leutnant Blatte 1826 |Nachdruck Verlag Olms | Seite 203

[2] Du Paty de Clam | „Theorie und Praktik der höhern Reitkunst “ | Original 1777; dt. Übersetzung von Premier-Leutnant Blatte 1826 |Nachdruck Verlag Olms | Seite 203


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Ein Pferdeleben als Couchpotato?

Webdefinitionen
„(Couchpotato) Couch-Potato ist das Klischee einer Person, die einen Großteil ihrer Freizeit auf einem Sofa oder einem Sessel mit Fernsehen, Junk Food essen und Bier trinken verbringt. Der Begriff hat eine negative Konnotation. …“

Was nun aber hat das mit Pferden zu tun?

Als ich einmal – schon vor einer ganzen Weile – in einem Forum darauf hingewiesen habe, dass man Pferde – wolle man diese, in der dafür notwendigen Ausbildungszeit von etwa 3 Jahren (die nötig wäre, die man aber kaum mehr aufwendet),  zu wirklich dauerhaft gesunden REITPFERDEN UMFORMEN  – sechs Tage in der Woche, am besten 2 x pro Tag, je mindestens 20-40 Minuten ARBEITEN sollten.

Da bekam ich – von einer ausgebildeten Therapeutin (auf diesen Hinweis legte sie stets sehr großen Wert) – eine sehr harsche Antwort.

Ihrer Meinung nach seinen sechs Tage Arbeit für ein Pferd ein absolutes No-Go. Drei Tage wäre ein anzustrebendes Maximum, denn schließlich müssten die Muskeln immer wieder genügend Zeit haben sich (von der Anstrengung) zu erholen.

Von was erholen – bitte?

Machen wir dazu mal eine kleine Rechnung auf …

Eine Woche hat 7 Tage á 24 Stunden, also insgesamt 168 verfügbare Stunden.

Nun wollen wir, wie ich dies sehen würde, dem Pferd einen Tag Ruhepause von uns Menschen „gönnen“. So verbleiben also noch 144, für unsere weitere Betrachtung relevante Stunden.

Ziehen wir nun pro Tag, jeweils für die 6 Tage, 16 Stunden ab, welche der Zeit entsprechen, die man den Pferden nachsagt, dass sie diese mit der Futtersuche und dem Fressen verbringen würden. Das wären also in Summe 96 Stunden „Freizeit“ die wir zum Abzug bringen müssten.

Somit verblieben noch 48 STUNDEN VERFÜGBARE ZEIT!

Natürlich schlafen unsere Pferde auch, dies tun sie in der Regel pro Tag zwischen drei und fünf Stunden (Dösend stehend + REM liegend). Fohlen schlafen länger, die wollen wir aber nicht reiten. Damit fallen für die 6 Tage weitere 24 Stunden weg und somit verbleiben 24 völlig ungenutzte Stunden, welche unsere Pferde in unseren domestizierten Umgebungen und dem begrenzt zur Verfügung stehenden Raum, kaum wirklich zur eigenen Erbauung nutzen können oder besser gesagt nutzen wollen!

So stehen sie oft sinnlos herum, verlängern vielleicht ihre Dös-Zeiten, Wallache spielen mal hier, spielen mal da (Stuten tun dies in der Regel überhaupt nicht) oder nutzen die Zeit für kulinarische Genüssen auf der Weide oder an den Heuraufen (die Chips-Tüten der Couchpotatos).  

Im Grunde sind diese 24 Stunden ungesunde Zeit für das Pferd und das in vielerlei Hinsicht. Wie der Couchpotato liegen sie, im übertragenen Sinne, auf dem Sofa, kompensieren ihren Frust mit Chips und werde dabei fetter und fetter und fetter … In unseren Ställen und auf den Weiden stehen viel zu fette Tiere, oder wie es eine meiner Reitschülerinnen nett formulierte: „Pferde mit Muskeln im Fettmantel“.

Kommen wir jetzt zurück zu den (notwendigen) Ausbildungszeiten:

Gesund für das Pferd wäre es, wenn diese 24 Stunden innerhalb der genannten 6 Tage zur Bildung des Pferdes (ich unterstellen eine korrekte sinnvolle Ausbildung, Gymnastizierung und Formung der Pferde – was leider auch so gut wie kaum gegeben ist) und ergänzend dazu (also ZUSÄTZLICH) Reiten im Gelände genutzt werden würden!

Da bin ich mit meinen täglich 2×30 Minuten (oder einer Stunde) und damit 6 Gesamtausbildungsstunden, welches als Minimum betrachtet werden sollten, pro Woche sehr bescheiden unterwegs.

In diesen 6 Stunden sind NICHT ENTHALTEN: das Reiten im Gelände (wie bereits angesprochen ist dieses ergänzend zu sehen) und auch nicht die häufig praktizierten aber überwiegend nutzlosen Spielereien mit den Pferden – welche ernste Lebewesen sind – da dabei keine nennenswerte körperliche Bildung stattfindet.

Bei der angesprochenen Therapeutin kämen pro Woche lediglich 3 „Arbeitsstunden“ zusammen und ich gehe davon aus, dass sie Spielereien und Gelände auch unter diesen Zeiten subsummiert. Und hier darf die Frage an die AUSGEBILDETE THERAPEUTIN gestellt werden: Wie glaubt sie denn, bauen sich Muskeln auf?

Machen wir mal einen kleinen historischen Ausflug …

In der Schlacht von Zorndorf am 25. August 1758 bei der eine preußische Armee unter König Friedrich II. und die russische Hauptarmee unter Wilhelm von Fermor aufeinander trafen, war es den 7.000 Pferden und deren Reitern der preußischen Kavallerie unter Führung des genialen Kavallerie-Generals von Seydlitz-Kurzbach zu verdanken, dass Preußen den Sieg davontrug.

 Als diese Reiterei an diesem Vormittag in die Schlacht geworfen wurde, war sie bereits „länger als 12 Stunden … zu Pferde und … sehr ermüdet.[1] Dies galt natürlich im Besonderen für die Pferde, dennoch „wurde zwar nichtsdestoweniger das: Marsch! Marsch! kommandiert, alleine es war befohlen, nicht stärker als in mäßigem Galopp zu reiten.“(!)[2]

Nun gut, diese Pferde gehörten zu den, am besten ausgebildeten Pferde, in der Geschichte der Reiterei (Dank der genialen preußischen Stallmeister).

Und welche gewaltige Arbeit leisten sich die heutigen Reiter – auch die Profis?

Die Profis trainieren maximal 45 Minuten pro Pferd/Tag und dies vielleicht 6 Tage in der Woche = 4,5 Stunden (sind wir großzügig und sagen 6 Stunden pro Woche) pro Pferd.

Und was bekommt man in so einer Trainingseinheit in der Regel zu sehen? Schritt – Trab – Galopp, immer wieder auch im Vorwärts-Abwärts, um das Pferd „zu lösen“ oder „entspannen“ zu lassen und Bahnfiguren bei den Dressurreitern bzw. Sprünge (vielleicht etwas Dressur) bei den Springreitern. Das war es. Durch so eine Arbeit findet man selten gut bemuskelte Pferde – eher im Gegenteil!

Der einzige Kraftaufwand, der dabei zustande kommt, der aber eher die Kaumuskeln der Pferde trainiert, ist der Kampf zwischen Pferd und Reiter, dessen Gründe nie im Temperament, sondern in der schlechten Ausbildung der Pferde zu suchen sind. Da schauen Pferde nach 9 Minuten S-Dressur im Viereck schon mal so aus, als wären sie in Zorndorf dabei gewesen.

Ja, solchen Pferden sollte man tatsächlich etwas mehr Entspannungszeit (physisch UND psychisch) zugestehen (Ironie aus!).

Bei korrekter Ausbildung und sinnvoller Gymnastizierung aber sind 6 Stunden Arbeit für ein Pferd pro Woche keine Anstrengung, wovon sich dessen Muskeln erholen müssten, sondern dienen ganz im Gegenteil dazu, die Muskeln zu stärken und damit deren Leistungsfähigkeit deutlich zu erhöhen.

Unsere Aufgabe muss es immer sein, die Pferde durch korrekte Ausbildung, über ein langes Pferdeleben lang, gesund, motiviert und leistungsbereit zu erhalten. Eine Aufgabe, denen sich die alten preußischen Stallmeister zur Zeit Friedrichs des Großen verpflichtet fühlten. Diese damaligen Pferde wurden mit 4 Jahren von der Fohlenweide geholt und waren dann 11 Jahre im Truppendienst. Danach wurden sie mit Kusshand von Artillerie-Offizieren oder Privatreitern gekauft. Diese Pferde waren, dank genialer Ausbildung, GESUNDE HÖCHSTLEISTUNGSPFERDE!

Wer dagegen von nur 3 Stunden Ausbildung spricht und entsprechende Erholungsphasen danach anmahnt, der spricht den eh schon bequemen Menschen nach dem Mund und spielt gefährlich mit der Gesundheit der Pferde! Vor solchen Therapeuten sollte man sich hüten.


Autor: Richard Vizethum | Der letzte Stallmeister | Schule der Hippologie

[1] General-Lieutenant Grafen von Bismark | „Die Königlich Preussische Reuterei unter Friedrich dem Großen oder der General der Kavallerie Freiherr von Seydlitz“ | Creuzbauersche Buchhandlung – Carlsruhe | 1837 | Seite 135

[2] General-Lieutenant Grafen von Bismark | „Die Königlich Preussische Reuterei unter Friedrich dem Großen oder der General der Kavallerie Freiherr von Seydlitz“ | Creuzbauersche Buchhandlung – Carlsruhe | 1837 | Seite 137

Die Bergziege

Aus der Rubrik: IRRUNGEN IN DER MODERNEN PFERDEARBEIT

Das Pferd wurde nach einem Foto gezeichnet

Es war im Grunde der RÜCKENWAHN, der diese „zirzensische“ Übung – natürlich auf Umwegen – hervorgebracht hat. Eine „Übung“, welche genauso nutzlos, wie gesundheitsschädlich für das Pferd ist. Im Folgenden möchte ich dies näher erläutern.

Wofür soll die Bergziege eigentlich gut sein?

Um dies etwas zu erhellen, möchte ich einfach mal drei Web-Site-Einträge von Ausbilderinnen zitieren, die diese „Übung“ empfehlen und praktizieren:

1 | „… ist aber ein ideales Training für die Rücken- und Bauchmuskulatur deines Pferdes“.

2 | „Bergziege wird eine klassische Zirkuslektion genannt, bei der das Pferd seine vier Beine unter dem Körper versammelt. So stehen die vier Beine von der Seite betrachtet V-förmig, der Rücken ist aufgewölbt und die Oberlinie maximal gedehnt. Die Bergziege ist eine Koordinations-  und Dehnungsübung.

3 | „Die ‚Bergziege‘ kann beispielsweise eine tolle Vorbereitung sein, um Deinem Pferd eine bessere Idee davon zu vermitteln, mehr Last auf die Hinterhand aufzunehmen und so zum Beispiel eine gesetztere Piaffe zu zeigen“.

Der Rücken spielt bei diesen Gründen eine zentrale Rolle. Deshalb hier ein kurzer Exkurs zu dem, was ich gerne als den Rückenwahn bezeichne …

Wie viele, für das Pferd schädliche Übungen, hat auch die BERGZIEGE ihre „intellektuelle“ Grundlage im RÜCKENWAHN, der zu Anfang des 20. Jahrhunderts sich zu verstärken begann und durch einige „prominente“ Reiter wie Dr. Udo Bürger (Als Oberstveterinär war er Leitender Veterinär-Offizier in den Jahren 1935/36/37 an der Kavallerieschule in Hannover) oder Paul Plinzner (1855 – 1920) „vertreten“ wurde. Beide seien hier – aufgrund ihres Einflusses auf die neuzeitliche Reiterei – lediglich exemplarisch genannt.

Der Rücken sollte sich AUFWÖLBEN, so die Kernaussage des RÜCKENWAHNS.

Auch wenn es damals noch ein paar vernünftige Offiziere, wie Oberleutnant Knebusch gab, die dieser Verrücktheit eines aufgewölbten Rückens widersprachen:

Zu diesem Kapitel gehört auch die ‚elastische Rückenaufwölbung‘ Plinzners. Er meint, der Rücken müsse sorgfältig tragfähig gemacht werden, weil das Soldatenpferd mit Reiter und Ausrüstung wenigstens zwei Zentner tragen müsse. Das sei eine Hauptaufgabe der Ausbildung und diese sei nur zu lösen, wenn man das Pferd veranlasse, den Rücken aufzuwölben. Er übersieht hierbei, dass diese Aufwölbung etwas Krampfhaftes, Gespanntes ist, ein Zustand, den das Pferd nur durch falsche Inanspruchnahme der Muskeln aufrecht erhalten kann. Für kurze Augenblicke lässt sich das leisten; für die Dauer aber muss es versagen.[1]

Jedoch schenkte man seinen Worten kein Gehör – das Fliegen-Mistprinzip setzte sich auch hier durch.

Eine gewisse „Mitschuld“ am Entstehen des RÜCKENWAHNS könnte man auch Gustav Steinbrecht[2] einräumen, da man aus dem folgenden Zitat, leicht den „Wunsch“ nach einem aufgewölbten Rücken herauslesen könnte – wenn – ja wenn man den letzten Satzteil geflissentlich überliest oder fehlinterpretiert:

„Wie der Lastträger die schwere Last nicht mit durchgebogenem, sondern mit gekrümmten Rücken ohne Gefahr für seine Gesundheit trage kann, weil eine gewölbte Stütze besser trägt als eine gerade, so wird das Pferd die ungewohnte Last zunächst mit krummen Rücken aufnehmen, bis sie ihm durch Übung und Gewohnheit keine Last mehr ist.[3]

Natürlich haben diese Herrschaften, dies will ich ihnen zugutehalten, nicht an die Pervertierung der „Rückenaufwölbung“ durch eine „Übung“ wie die „Bergziege“ gedacht. Plinzner beispielsweise, rollte zu diesem fragwürdigen Zweck (Rückenaufwölbung) seine Pferde ein – dies sei nur am Rande erwähnt).

Nun aber zurück zur „Bergziege“ und warum man diese überhaupt nicht praktizieren sollte …

Wer nur Ansatzweise etwas von Anatomie beim Pferd versteht, könnte bei einem kritischen Blick auf ein Pferd in „Bergziegen-Haltung“ die Problem schnell und unschwer erkennen. Wer davon nichts versteht, praktiziert halt diese gesundheitsschädliche „Übung“ im Zweifel weiter.

Ich beginne aber erstmal mit den zweifelhaften Nutzenversprechen, die man der „Bergziege“ neuzeitlich zuschreibt.

Da wäre einmal die in Literatur und neuzeitlicher „Lehre“ omnipräsente AUFWÖLBUNG DES RÜCKENS.

Doch kann sich der Rücken überhaupt AUFWÖLBEN?

Nein, kann er nicht – zumindest nicht so, wie man sich dies gemeinhin vorstellt!

Auch nicht durch noch so tiefe Dehnungshaltung – oder Vorwärts-Abwärts. Allenfalls kann er sich, nachdem der Pferderücken, zu Beginn der Ausbildung des Pferdes, bei der „Gewöhnung an das Reitergewicht“, durch das Reitergewicht geringfügig abgesenkt wurde[4] , durch das Vorziehen der Dornfortsätze des Widerrists, welche aber durch die Gegenbewegungen der Rippen sehr limitiert ist, wieder auf seine NATÜRLICHE LAGE „erheben“.

Das sagten übrigens auch Dr. Udo Bürger und Prof. Dr. Dr. Otto Zietzschmann in ihrem gemeinsamen Buch „Der Reiter formt das Pferd“:

„Werden also die Dornfortsätze nach vorn aufgerichtet, so müssen ihnen die Rücken- und Lendenwirbel nach vorn und oben folgen. Damit wird der Rücken gehoben, d.h. er kommt in seine natürliche Lage zurück.[5]

Darüber hinaus sei angemerkt, dass der „Rücken“ sich nur an zwei Stellen überhaupt „aufwölben“ kann: eben 1. am Widerrist und 2. am Übergang zwischen Rücken- und Lendenwirbelsäule. Beide „Aufwölbungen“ aber führen gleichzeitig zu Absenkungen. Wölbt der Widerrist auf, senkt sich der Brustkorb, wölbt der Lendenbereich auf, senkt sich die Hinterhand, so entsteht der optische Eindruck, der RÜCKEN (also das Mittelteil des Rückens) hätte sich aufgewölbt (wie man dies beim Bild der BERGZIEGE zu erkennen glauben mag), was aber nicht der Fall ist!

Das durch diese „Übung“ ein gewisses TRAINING DER BAUCHMUSKULATUR stattfindet, dem möchte ich nicht wiedersprechen, jedoch ist ein solches Bauchmuskeltraining durch die gesundheitsschädlichen Nachteile der BERGZIEGE bitter erkauft und es gäbe dazu weit bessere Alternativen!

Die Idee, dass durch die BERGZIEGE eine verbesserte LASTAUFNAHME DURCH DIE HINTERHAND trainiert werden könnte, kann man getrost in die Mottenkiste groben Unfugs ablegen und vergessen. Die Gründe, dass eben keine gesunde Lastaufnahme durch die Hinterhand stattfinden kann, sind in der Streckung der Beine der Hinterhand zu finden (siehe FEHLBELASTUNG VON GELENKEN UND BÄNDEN).

Nun aber zur Schädlichkeit der BERGZIEGE …

1 | FEHLBELASTUNG VON GELENKEN UND BÄNDERN | Hierzu betrachten wir einfach mal die Zeichnung (siehe Beitragsbild). Durch die V-Stellung der Beine bei der BERGZIEGE werden die schwächeren unteren Gelenke (orange Punkte) der Vorhand (Karpal- und Fesselgelenke) und der Hinterhand (Sprung- und Fesselgelenke) gegen ihre Beugerichtung (blaue Pfeile) mit dem, nun auf verkleinerter UNTERSTÜTZUNGSFLÄCHE wirkenden, stark nach unten drückender Last (dicke rote Pfeile) be- und überlastet! Schädigungen dieser Gelenke sind damit vorprogrammiert! Auch die Bänder werden dabei stark strapaziert. Die Gefahr von Durchtrittigkeit oder einer Verstärkung bereits vorhandener Durchtrittigkeit in der Hinterhand ist im hohen Maße gegeben.

2 | DAUERSTRESS FÜR DAS REAKTIONSSYSTEM | Die Verteilung der Gesamtmasse des Pferdes auf die stark verkleinerte UNTERSTÜTZUNGSFLÄCHE sorgt für einen enormen Balancier-Stress (psychischer und physischer Stress), der nicht dazu führt, dass das Pferd eine bessere Balancierfähigkeit erlangt, sondern nur im Rahmen dieser „Übung“ lernt etwas länger zu stehen lernt. 

Wer seinem Pferd aktuell die BERGZIEGE abverlangt, oder mit dem Gedanken spielt, diese zu erarbeiten, sollte sich diese letzten beiden, von mir genannten Punkte aufmerksam durchlesen und sich dann ernsthaft die Frage stellen, ob ein billiger SHOWEFFEKT (denn gymnastizierungstechnisch ist diese „Übung“ weitgehend nutzlos) es wert ist, die Gesundheit seines Pferdes aufs Spiel zu setzen!


Autor: Richard Vizethum | Der letzte Stallmeister | Schule der Hippologie


Der Text als Podcast (Play-Taste drücken) …


[1] Oberleutnant Knebusch | „Die Spannung im Pferd und die Mittel sie zu  beseitigen“ |  Verlag von Schickhardt & Ebner (Konrad Wittwer) 1911 | 43. Heft | Teil eines Nachdrucks Olms-Verlag 1992 | Seite 9

[2] Anzumerken sein hier, dass es Paul Plinzner (Schüler von Steinbrecht) war, der Steinbrechts „Gymnasium des Pferdes“ auf Grundlage der Notizen von Steinbrecht verfasste und dabei sicherlich Eigeninterpretationen hat mit einfließen lassen.

[3] Gustav Steinbrecht | „Gymnasium des Pferdes“ | 16. Auflage 1995 (1. Auflage 1884) | Verlag Dr. Rudolf Georgi, Aachen | Seite 69

[4] Meist ist dies auch nur der optische Eindruck bedingt durch eine nach hinten ausgestellte Hinterhand und damit angehobenen Kruppe, die einen abgesenkten Rücken erkennen lassen will.

[5] Dr. Udo Bürger, Prof.Dr.Dr. Otto Zietzschmann | „Der Reiter formt das Pferd“ | 3. Auflage – Nachdruck 2010 | FN-Verlag Warendorf | Seite 19

Aufrichtung – Der Irrglaube der Moderne

Aufrichtung – Der Irrglaube der Moderne

LEHRE VOM GRALSWEG – Aus dem Kapitel: „Wege und Irrwege der Aufrichtung – Teil 4“

Die moderne Reiterei, die sich gerne den Anstrich der „Klassik“ und der „Unumstößlichkeit“ ihrer Lehre gibt, sich dabei auf die D.V.E 12 von 1912 bzw. die HDv 12 von 1937 bezieht – was zumindest nicht ganz schlecht wäre – basiert letztendlich bei, näherer Betrachtung vermehrt auf der Neo-Naturreiterei eines Frederico Caprilli.  

Diese moderne Reiterei nun sitzt dem irrigen Glauben auf, dass man ein Pferd, nur von HINTEN nach VORNE arbeiten müsse, damit es sich vorne RELATIV, wie man diese Form der Aufrichtung nennt, aufrichten würde.

Die relative Aufrichtung (s.d.), deren äußeres Merkmal ein Höhertragen von Hals und Kopf infolge Senkung der Hinterhand ist, …[1]

Diese Aussage von Waldemar Seunig ist nur zum Teil korrekt. Der Gedanke, dass das alleinige Senken der Hinterhand die Vorhand anheben und eben damit diese RELATIVE AUFRICHTUNG erreichen würde, ist nur dann möglich, wenn man auf ein Vorwärts der Pferde und eine übermäßige Trittlänge der Hinterhand verzichtet und wie bei den akademischen Meistern (Pluvinel, de la Guérinière …), die Bewegungen in den Grundgangarten (Schritt, Trab, Galopp) ausschließlich auf die mit stark gesenkter Hinterhand ausgeführten Schulformen dieser Gangarten beschränkt.

Allerdings verkörperte Waldemar Seunig, auch reiterlich-intellektuell, bereits verstärkt eine Reiterei (anglomane[2] (Natur)Reiterei), welche auch schon zu seiner Zeit meilenweit von jener der alten Akademiker und der preußischen Kavallerie zu Zeiten Friedrichs des Großen und seines Kavallerie-Generals von Seydlitz-Kurzbach sowie deren genialen Stallmeistern entfernt war.

Diese Entwicklung hatten im Wesentlichen zwei Gründe.

Zum einen, machte eine Verbesserung der Waffentechnologie (größere Schussreichweiten bei den Kanonen und Repetierbarkeit bei den Handfeuerwaffen), aber auch eine Veränderung der Infanterie-Taktik (von der Linienformation vermehrt zum Karree[3]) neue Strategien und Einsatzspektren für die Kavallerie notwendig. Den Pferden wurde ein stärkeres VORWÄRTS abverlangt und der Galopp wurde zur Hauptgangart.

„Die dritte Anforderung, die höchstmögliche Schnelligkeit, findet sich in den von uns zu reitenden Tempos begründet, wie sie durch das Reglement vorgeschrieben sind. Wenn die frühere Normal-Attacke 200 bis 250 Schritt[4] im Galopp vorschrieb, so hatte dies in dem damaligen Infanterie-Gewehr seinen Grund; bei den jetzigen weittragenden Präzisions-Waffen kommen wir jedoch auf 800 bis 1000 Schritt in eine derartige Feuer-Sphäre, welche von uns den langen allongirten[5] Galopp verlangt, Wenn wir nicht physisch und moralisch auf das Aeußerste geschwächt an den Feind kommen wollen, wo von das Mißlingen der Attacke die unbedingte Folge ist“[6].

Zum anderen verbreitete sich die anglomane Reiterei, welche weniger auf eine gymnastizierende Ausbildung der Pferde Wert legte und mehr dem naturreiterlichen Credo folgte: „das Gelände wird es schon richten“, wie eine Seuche – ab Mitte des 19. Jahrhunderts verstärkter – auf dem Kontinent und machte auch vor der Kavallerie nicht halt.

Das Ziel jeder Ausbildung ist, Pferd und Reiter zum Ritt querfeldein zu befähigen. Jagdspringen auf Turnierplätzen sind Vorbereitungen zum Querfeldeinritt. Niemals kann ein Turnierplatz so viel mannigfaltige Natürlichkeit bieten wie das freie Gelände. Für den ausgebildeten Reiter wird es kaum unüberwindliche Hindernisse geben, wenn er sich selbst und sein Pferd genügend geschult hat. Das Ueberwinden steilster Kletterpartien auf- und abwärts, breiter Gräben mit sumpfigen Rändern, selbst das Springen von Drahtzäunen kann durch Ausbildung erreicht werden.[7]

Wie man es den Worten des Freiherrn von Langen entnehmen kann, stellt diese (anglomane) Reiterei stärker den schneidig-sportlichen Aspekt (Jagdreiten, Springreiten, Rennreiten) in den Vordergrund und hat nichts am  Hut mit feiner Reitkunst oder Kavallerietaktiken, die umfangreich und fein ausgebildete Pferde erforderlich machten. Auch die Gesundheit der Pferde spielte und spielt in dieser modernen Reiterei nur eine sehr untergeordnete Rolle.

Diese neuzeitliche Gedankenkombination von Wissensfetzen: Beugung der Hinterhand (historische Form das Pferd vorne [relativ] aufzurichten) bei gleichzeitig stärkerem Vorwärts (moderne Anforderung an die Kavallerie), welche u.a. auch Waldemar Seunig sichtbar unreflektiert zusammensetzte, führt zu einer physikalische Unmöglichkeit, welche aber munter ignoriert wird, um den Traum einer RELATIVEN AUFRICHTUNG träumen zu können.

Das stärkere Vorwärts macht eine tiefe, gleichmäßige Durchbeugung der Hinterhand – Voraussetzung für eine RELATIVE Anhebung der Vorhand – völlig unmöglich und führt beim verzweifelten Versuch solche dennoch zu erreichen, zu gesundheitsschädlichen Methoden und dadurch bedingt vermehrtem Pferdeverschleiß!

Statt einer gleichmäßigen und deutlichen Durchbeugung der Hinterhand, mit der man bei den alten akademischen Meistern ein Pferd relativ aufrichten konnte, welche aber bei vermehrtem Vorwärts nicht möglich ist, versuchte man stattdessen nun die Hinterhand der Pferde immer weiter und weiter vortreten zu lassen.

Während die alten preußischen Stallmeister das „Gleichgewicht“ der Pferde darin erreicht sahen, dass die Hinterhand lediglich in den Hufabdruck der Vorhand tritt – dies aber auch nur dann, wenn die RÜCKENLINIE[8] des Pferdes bereits durch korrektes Aufrichten der Vorhand und leichter Senkung der Hinterhand (Arbeit von VORNE nach HINTEN und Lösen von Spezialaufgaben), in die Waagerechte gebracht werden konnte, sprach wiederum Waldemar Seunig davon, dass das Hinterbein der Pferde bis zu 1 ¼ Tritte[9] (!) über den Hufabdruck des Vorderbeines vortreten sollte.

Dies bewirkt zwar eine Beugung der Hanken[10], da sich bei diesem Vortritt des Hangbeins[11] das Knie soweit anhebt, dass der Hüftgelenkswinkel spitz wird. Allerdings werden dabei die unteren, schwächeren Gelenke (Sprung- und Fesselgelenke) gegen ihre Beugerichtung gestreckt, was Überlastungen dieser Strukturen vorprogrammiert. Physikalisch ist dieser Hebel nicht in der Lage, das Pferd vorne (relativ) anzuheben! Diese Pferde werden stattdessen – gesundheitsschädlich – hinten tiefer gelegt. Vorne bleibt das Pferd aber „auf der Vorhand“.

Hätte Seunig den Steinbrecht, auf den er sich oft bezieht, auch wirklich intensiv gelesen, wäre ihm der  Passus aufgefallen, in dem Steinbrecht davon spricht, dass, je weiter ein Pferd mit der Hinterhand vortritt, es umso vermehrter auf die Vorhand kommt![12]

Hinzu kommt noch, dass das moderne Vorwärts-Abwärtsreiten (auch in Dehnungshaltung) den Rumpfträger „ausleiert“ und Muskelgruppen fördert, welche bei korrekter Aufrichtung eigentlich „zurückgebaut“ werden müssten. Schmerzen in der Oberhals- der Nackenmuskulatur und dem Ober-Arm-Kopfmuskel sind vorprogrammiert.

Ein echtes AUFRICHTEN, bei dem der Buggelenkswinkel stumpf wird, sich also der Querarm (Oberarm) muskulär „konserviert“ vorne anhebt, das Buggelenk auf Höhe des Hüftgelenkes gebracht wird und die Winkel von Bug- und Hüftgelenk nahezu gleichwinkelig werden, so dass diese sich die Kräfte balancierter „zuwerfen“ können, kann es über die Methoden der modernen Reiterei NICHT geben!

Die heutigen Pferde, dies kann man auch in den höchsten Klassen der Dressur deutlich erkennen, kommen in ihrer „Aufrichtung“ so gut wie nie über die NATÜRLICHE HALTUNG und eine vorwärts-abwärts geneigte Rückenlinie hinaus.

Für die alten preußischen Stallmeister war diese Haltung, die das NATÜRLICHE PFERD, noch ungeritten, beim zwanglosen Bewegen von A nach B (und ohne die Nase durch einen Reiter – wie es heute geschieht – an die Senkrechte gezwungen zu bekommen), die von ihnen sogenannte und beschriebene TIEFE aus der heraus sie dann erst die Pferde aufzurichten begannen.

Leider meinte manch neuzeitlicher und heute hochgeschätzter „Meister“, in einem Irrglauben, die TIEFE wäre erst dann erreicht, wenn die Pferde mit der Nase am Boden schnüffeln würden – wie Jagdhunde oder Trüffelschweine. Aus dieser trainingstechnisch fragwürdigen und das Pferd demütigenden Haltung entwickelte sich die Vorwärts-Abwärts-Reiterei, die es davor zu keiner Zeit – und dies aus gutem Grunde – gegeben hat und die von hervorragenden Kavalleristen wie dem Generalmajor Carl Johann von Schmidt (1817 – 1875), auf das Allerschärfste verurteilt worden wären, da der Verlust an Pferden in der Kavallerie (schon in der Alltagsarbeit) durch eine solche Form der „Reiterei“ erheblich gewesen wäre!

Schon das zu seiner Zeit – und ohne Vorwärts-Abwärts – immer mehr zunehmende Galopptraining unter Reduzierung der dressurmäßigen Gymnastizierung der Pferde, führte zu einem hohen Pferdeverschleiß, was ihn veranlassten 1874 einen Bericht an die Armeeführung zu schreiben, in dem er forderte zu den Grundsätzen und Regeln der altpreußischen Dressurmethoden zurückzukehren:

„Das die Pferde vornehmlich im Winter-Halbjahr, und sodann fortgesetzt während der Sommerübungen, nach den Grundsätzen und Regeln der altpreußischen Dressurmethoden[13] in die ihrem Gebäude angemessene, richtige Haltung, Aufrichtung, Beizäumung und Versammlung gesetzt worden sind, dieselben sich nicht schwer auf die Zügel legen und nicht fest in der Hand ihrer Reiter, sondern in allen Theilen weich und nachgiebig sind, und ihre Hinterhand gebogen[14] und untergeschoben worden ist, damit dieselbe im Stande ist, vermöge ihrer Elastizität und Spannkraft das Gewicht und die Stöße elastisch aufzunehmen, und dadurch die Vorderfüße zu schonen und zu erleichtern.[15]

Leider verstarb dieser General, dessen Worte weit über die Kavallerie hinaus Gewicht hatte, ein Jahr später, im Jahre 1875, so dass es für ihn keine Möglichkeiten mehr gab, diese Forderung durchzusetzen – sehr zum Leidwesen der Pferde!


Autor: Richard Vizethum | Der letzte Stallmeister | Schule der Hippologie


[1] Waldemar Seunig | „Von der Koppel bis zur Kapriole. Die Ausbildung des Reitpferdes“ | 4. Nachdruck der Ausgabe Berlin 1943 | Georg Olms Verlag AG – Berlin | 2015 | Seite 184

[2] ANGLOMANIE, bedeutet die übertriebene Nachahmung alles Englischen.

Dies darf zunächst einmal als ein Kompliment für die englische Lebensart angesehen werden. Bezogen auf die Reiterei wurde darunter die Leidenschaft der Engländer für das Jagd-, Spring-, und Rennreiten verstanden. Eine Leidenschaft, welche sich mehr und mehr über England und Kontinentaleuropa hinaus ausbreitete. In England und Irland führte dies zu einer Verbesserung der Pferdezucht (Englisches Vollblut …), welche die schlechte Ausbildung der Pferde durch unzureichend gebildete Reiter kompensieren sollte.

[3] Ein KARREE (von französisch Carré, „Quadrat“) war im Militärwesen vom 17. bis vermehrter ins 19. Jahrhundert hinein eine Gefechtsformation der Infanterie mit nach vier Seiten hin geschlossener Front zur Abwehr von Kavallerie. Das Karree bot einen wirkungsvollen Schutz gegen Kavallerieangriffe, da es keine ungeschützte Flanke aufweist.

[4] Schritt ist ein Längenmaß  und entspricht 75,325 cm (Alter preußischer Schritt). Die angegebenen 200 Schritt beispielsweise sind umgerechnet 150,65 Meter. Die genannten 800 Schritt entsprechen 602,6 Meter. Diese 800 Schritt musst nach neuen Richtlinien ein Pferde pro Minute im Galopp zurücklegen (entspricht 36,2 Km/h). Ursprüngliche waren dies 500 Schritt (376,63 Meter oder 22,6 Km/h).

[5] Allongirt = gestreckt (z.B. starker Galopp, Carriere …)

[6] Generalmajor Carl von Schmidt |“Instruktionen des Generalmajors Carl von Schmidt, betreffend die Erziehung, Ausbildung, Verwendung und Führung der Reiterei“ | 1876 geordnet und in wortgetreuer Widdergabe der Originalien zusammengestellt durch von Bollard-Bockelberg | Verlag Ernst Siegfried Mittler und Sohn | Seite 3

[7] Carl-Friedrich Freiherr von Langen | „Reiten über Hindernisse“ | 1931 | Nachdruck Olms-Verlag 1996 | Seite 36

[8] RÜCKENLINIE: Es werden hier nur die Wirbelkörper der Wirbelsäule ohne obere Dornfortsätze betrachtet.

[9] Quelle wird nachgereicht

[10] Hanken nach der Lehre vom Gralsweg: Hüftgelenkswinkel (Kreuzbein – Hüftgelenk – Kniegelenk. Das Sprunggelenk wird nicht dazugezählt (dies führt zu fehlerhaften Methoden bei der Ausbildung der Hankenbeugung.

[11] Vorschwingendes Hinterbein

[12] Quelle wird nachgereicht

[13] General von Schmidt spricht sich hier für die altpreußischen Dressurmethoden von vor 1806 und im Grunde noch etwa bis 1848 aus.

[14] Der Begriff „Biegen“ bedeutet: das Biegen in den Gelenken, Genick, Rücken und Hinterhand und geringgradig das seitliche Biegen, welches man neuzeitlich diese Begriff zuschreibt und damit den ursprünglichen Begriffsinhalt konterkariert.

[15] Kaehler | „Die preußische Reiterei von 1806 bis 1876 in ihrer inneren Entwicklung“ | 1879 | Verlag Ernst Siegfried Mittler und Sohn | Nachdruck Europäischer Geschichtsverlag 2015 | Seite 330f